Las Vegas: Goldregen für Sebastian Kienle

Regen in Las Vegas - das war nicht zu erwarten. Genauso wenig, dass das Rennen um den Ironman-70.3-Titel exakt so verlaufen sollte wie im letzten Jahr. Doch Titelverteidiger Sebastian Kienle verdrängte ein von Verletzungen und Krankheiten geprägtes Frühjahr und setzte sich im Wüstenregen die zweite WM-Krone in Folge auf.

Von > | 8. September 2013 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle gewinnt die Ironman-70.3-WM zum zweiten Mal in Folge.

Sebastian Kienle gewinnt die Ironman-70.3-WM zum zweiten Mal in Folge.

Foto >Silke Insel / spomedis

Wer den Verlauf der diesjährigen Ironman-70.3-Weltmeisterschaft vorhersagen wollte, tat nicht schlecht darin, entweder auf eine Attacke des "Überbikers" und Vorjahressiegers Sebastian Kienle zu setzen oder alles auf die schnellen Läufer um Jan Frodeno, Brent McMahon (CAN) oder den britischen Wiesbaden-Sieger Ritchie Nicholls zu verwetten. Entweder, oder - am Ende kann immer nur ein Trumpf stechen. Aber wen interessiert das schon in der Zockermetropole Las Vegas?

Überraschung im Wasser

Und so sah auch die Triathlonwette verstörte und glückliche Gesichter. Einzig in der ersten Disziplin lief nicht alles so, wie es die Experten erwartet hatten. Wer dachte, Andy Potts (USA) und der Australier Josh Amberger würden alles daran setzen, sich einen kleinen Vorsprung zu erarbeiten, wurde enttäuscht. Zwar führten die beiden das Schwimmen im Lake Las Vegas an, sie konnten allerdings eine große Gruppe um die Olympioniken Jan Frodeno und Brent McMahon nicht abschütteln. Auch auf dem Rad blieb diese zunächst neunköpfige Gruppe Herr der Lage. Angeführt vom US-Amerikaner Timothy O'Donnell, Andy Potts und Josh Amberger schlug die Zweckgemeinschaft auf Zeit ein hohes Tempo an. Wohl auch, weil es so hochdekorierte Namen wie die beiden ehemaligen Ironman-70.3-Weltmeister Craig Alexander (AUS), und Terenzo Bozzone (NZL) nicht in diese Gruppe schafften und schon nach dem Schwimmen überraschend einem einminütigen Rückstand hinterher radeln mussten. Eine kleine Überraschung gelang auch dem Titelverteidiger: Sebastian Kienle verlor nur eine weitere Minute, und damit deutlich weniger Zeit als vor einem Jahr.

Kienle setzt alles auf eine Karte

Auf dem Rad setzte sich auf den ersten 40 Kilometern aber zunächst Amberger in Szene, der sein Herz in die Radschuhe packte und attackierte. Schnell war er seinen Fluchtgefährten um eine Minute entwischt. Zur gleichen Zeit hatte Kienle nicht nur die zweite Gruppe aufgesammelt, sondern diese dabei auch an die erste herangezogen. Von diesem Moment an machte Kienle ernst: Sein wiegender Oberkörper zeigte an, dass er alles auf eine Karte setzte. Niemand konnte seinem Angriff folgen, obwohl diese Attacke wohl alle erwartet hatten. Schnell hatte Kienle den Ausreißer gestellt und die Führung übernommen. Doch damit wollte sich der Hawaii-Vierte des Vorjahres nicht zufrieden geben. Er wusste, dass er nach einen verkorksten Frühjahr seiner Laufform nicht ganz sicher war und ein Zeitpolster mit auf den Halbmarathon nehmen müsste, um eine Chance auf eine Wiederholung des Sieges von 2012 zu haben. Also bearbeitete er seine Pedale weiter mit purer Gewalt - und durfte so einen dreiminütigen Vorsprung vor Potts und dem Großteil der zwischenzeitlich 24 Kopf starken Verfolgergruppe mit in die Laufschuhe nehmen.

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle legt auf dem Rad den Grundstein für seinen zweiten Weltmeistertitel.

Sebastian Kienle legt auf dem Rad den Grundstein für seinen zweiten Weltmeistertitel.

Foto >Silke Insel / spomedis

Déja-Vu erzwungen

Von seinem Zeitpolster verlor Kienle in der ersten Runde nur wenig - bis auf das Wetter glich der Rennverlauf zu diesem Zeitpunkt exakt dem des letzten Jahres. Hinter ihm machte zunächst ein Rookie das Tempo: Jan Frodeno rannte entschlossen aus der Wechselzone, musste sich aber bald mit der Gesellschaft des 70.3-Weltmeisters von 2008, Terenzo Bozzone, abfinden. Der Neuseeländer, der in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungssorgen zu kämpfen hatte, scheint in diesem Jahr seinen Erfolgsschlüssel wieder gefunden zu haben und machte sich zu Kienles härtestem Verfolger. Während Frodeno seine erste 70.3-Weltmeisterschaft verletzt frühzeitig abbrechen musste, sorgte dieses Duell für Hochspannung. Auf der ersten von drei zu laufenden Runden machte Bozzone fast 40 Sekunden gut, dann hielt Kienle dagegen. In Runde zwei verlor er nur noch acht Sekunden. Genug, um auch am Ende der dritte Runde in Führung zu sein?

Es sollte reichen! Kienle durfte sich nach 3:54:02 Stunden über seinen zweiten WM-Titel in Folge freuen und rückt damit auf in die Reihe der Doppelweltmeister: Nur Craig Alexander, Michael Raelert und nun Kienle haben bisher zwei der begehrten Pokale im Wohnzimmer stehen. "Ich kann es einfach nicht glauben! Dieses Jahr ist noch viel krasser als 2012. Ich bin so glücklich, es war ein ehrliches und verdammt hartes Rennen", freute sich Kienle, bevor ihm die Worte fehlten. "Das passiert mir sonst ja eigentlich nie, aber ich weiß wirklich nichts mehr zu sagen."

Bozzone krönte mit seinem Silberrang ein starkes Comebackjahr. Auf Rang drei schob sich der Australier Joe Gambles. Der beste Schweizer, Ruedi Wild, verpasste die Top-Ten mit dem elften Platz nur denkbar knapp. Boris Stein und Andreas Dreitz kamen als 15. und 21. ins Ziel.

WM Ironman 70.3 Las Vegas | Männer

  1. September 2013, Henderson (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Sebastian Kienle

GER

3:54:02

25:38

2:10:10

1:14:50

2

Terenzo Bozzone

NZL

3:56:06

24:36

2:14:31

1:13:38

3

Joe Gambles

AUS

3:56:55

24:48

2:14:06

1:14:29

4

Andy Potts

USA

3:57:36

23:25

2:15:11

1:15:26

5

Tim Reed

USA

3:57:42

24:47

2:14:15

1:15:07

6

Kevin Collington

USA

3:57:48

23:50

2:15:27

1:14:58

7

Leon Griffin

AUS

3:58:17

24:58

2:14:12

1:15:35

8

Timothy O'Donnell

USA

3:59:36

23:33

2:16:11

1:16:32

9

Tyler Butterfield

BMU

3:59:42

24:43

2:14:19

1:16:59

10

Will Clarke

GBR

3:59:56

24:38

2:14:35

1:16:59

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