Lasset die Kona-Show beginnen

Na, das fängt doch gut an. Sieben Tage vor dem Ironman Hawaii setzt der Titelverteidiger schon mal ein kleines Ausrufezeichen: Beim "Hoala Swim" auf der Originalstrecke kraulen dem Australier Pete Jacobs alle hinterher.

Von > | 6. Oktober 2013 | Aus: SZENE

Pete Jacobs | Pete Jacobs feiert den zweiten Platz

Pete Jacobs feiert den zweiten Platz

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Das Bild hat was: 50 Meter vom Ufer entfernt lauern die Teilnehmer im Wasser und warten auf den Startschuss. Pete Jacobs ist vorne eingereiht, die Piermauer gut gefüllt, die letzten Sekunden vor dem Start laufen. „Wenn die Kanone losgeht, gebt Ihr einfach Gas“, hat Greg Welch kurz zuvor durchs Megafon gerufen. Der omnipräsente Moderator und Kona-Champion von 1994 ist wie in jedem Jahr im Dauereinsatz bei den Ironman-Weltmeisterschaften, eine immer gut gelaunte lebende Legende.

Welch schickt die Sportler an diesem frühen Morgen im Wasser auf eine kleine Zeitreise in die Zukunft, sieben Tage voraus. Das Rennen, das hier auf die Reise geht, ist nur ein klitzekleiner salziger Vorgeschmack auf den Ironman. Der "Hoala Ironman Training Swim" gehört neu zum Programm der letzten Tage vor dem Saisonhöhepunkt. „Schaut euch die Strecke schon mal genau an“, sagt Welch, bevor es auf die 3,86 Kilometer in den Pazifik hinausgeht. Erst ganz lange geradeaus, dann ein bisschen nach rechts, und dann geht es wieder unfassbar weit geradeaus zurück. Die letzten 400 Meter allerdings sollten sich die Teilnehmer besser nicht so genau einprägen, denn es ist der alte Kurs, jener, der am kleinen Strand auf der anderen Seite des berühmten Piers endet. Hier legte Welch 1994 noch den Grundstein für den ersten australischen Sieg auf Hawaii, heute klettern die Legenden allerdings auf der linken Uferseite aus dem Wasser, flitzen eine kleine Treppe hoch und stürmen die Wechselzone.

Der Champion vorneweg

Wie sich das kommenden Samstag anfühlen wird, kann Titelverteidiger Pete Jacobs unterwegs gleich mal ausprobieren. Schnelles Anschwimmen, Rhythmus finden, Tempo halten und ein Gefühl für die Strömung bekommen. Der Australier ist relativ einsam unterwegs im Meer, Kanus begleiten ihn, aber das Feld hält sich doch eher bedeckt mit Angriffen auf den Ironman World Champion, der nach flotten 50 Minuten aus dem Wasser kommt und sich gleich ins lockere australische Schwätzchen mit Welch begibt. Dahinter folgen US-Profi Ben Hoffmann und nach und nach die vielen anderen Hoala-Schwimmer, die sich freuen dürfen, vor dem Ironman mal mitzubekommen, was da draußen im Wasser so alles unterwegs ist. Ozeanologen wüssten natürlich sofort, wie sie heißen, die schwarzen Fische mit den weißen Streifen, die mit dem gelben Schwanz, der größere türkisfarbene Geselle und diese kleinen anthrazitfarbenen Dinger, die da draußen in ganzen Schwärmen unterwegs sind.

Es ist aber auch an Land viel los in Kona eine Woche vor dem Showdown, auf den wieder einmal ein Jahr lang gewartet worden ist. Immer voller sind die Flugzeuge mit Triathleten, die vom Festland herüberkommen, immer mehr Athleten ergießen sich morgens bei Sonnenaufgang an den Pier. Ab 6:15 Uhr, wenn die ersten hellen Strahlen in die Bucht fallen, plumpsen hier auch gleich die ersten Dreikämpfer ins Wasser. Joggend, radelnd, schwimmend wird Kailua-Kona erobert, die Stadt kann an gar nichts anderes mehr denken als an den Ironman. Vom Kellner bis zum Tätowierer ist alles auf das M-Dot eingestellt, und täglich steigt die Zahl der Kundschaft.

Der Weltmeister gibt den Ring frei

Für Pete Jacobs hat das Finale der letzten sieben Tage schon einmal gut begonnen. Wenn kommenden Samstag alles so locker läuft wie an diesem Morgen beim Hoala Swim in der Bucht von Kona, dann muss sich die Konkurrenz eigentlich nicht extra die Mühe machen, den Radkoffer auszupacken. Aber auch die anderen werden in den kommenden Tagen schon noch zeigen, welches Pfund sie so mitgebracht haben aus den Trainingslagern. Jeder der Topathleten setzt schließlich auf seine ganz eigene Weise vor dem Rennen eine kleine Duftmarke: über Twitter, auf dem Queen K Highway beim Radtraining, mit Weltrekordgeschwindigkeit im Tempolauf über den Alii Drive, mit Sprüchen im Lava Java. Wenn der Weltmeister schon mal damit anfängt, beim ersten offiziellen Event vor dem Rennen den Kurs im Training in 50 Minuten zu kraulen, dann kann das eine ganz schön spannende Woche werden.