Llanos bewahrt kühlen Kopf im Chaos

Eneko Llanos und Corinne Abraham haben den Ironman Melbourne gewonnen. Während Abraham nie Zweifel an ihrer Überlegenheit ließ, bestach der Spanier vor allem durch seinen kühlen Kopf - und das unter zu Beginn chaotischen Bedingungen. Per Bittner machte als Sechster einen großen Schritt Richtung Kona.

Von > | 24. März 2013 | Aus: SZENE

Llanos_Melbourne | Eneko Llanos beim Ironman Melbourne

Eneko Llanos beim Ironman Melbourne

Foto >R. Little - FinisherPix.com

Die 3,8 Kilometer Schwimmen, die 180 Kilometer auf dem Rad und zum Schluss noch ein Marathon - so simpel, wie der Triathlon in seinen Grundzügen klingt, ist er manchmal eben doch nicht. Anhaltende Winde und daraus resultierender starker Wellengang hatten die Veranstalter des Ironman Melbourne schon am Vortag des Rennens unter Zugzwang versetzt. Eine kurzfristige Änderung des Schwimmkurses von einer großen zu zwei kleineren Runden war die Reaktion - bis am Rennmorgen schließlich auch die zweite der kleineren Runden noch gestrichen wurde. Eine Halbierung des Schwimmkurses auf offiziell 1,9 Kilometer, mehrere kurzfristige Verschiebungen im Zeitplan - die Veranstalter hatten alle Hände voll zu tun. Und die Athleten nahmen ihre Entscheidungen nur wenig begeistert hin.

Chaotische Anfangsstunde

"Wenn der Kurs sicher genug für eine Runde ist - warum können dann nicht zumindest Profis auch zwei schwimmen?", fragten viele verständnislose passive Profi-Athleten, die das Geschehen vom Streckenrand und PC-Bildschirmen aus verfolgten und Verzerrungen der Renndynamik befürchteten, via Twitter die ausrichtende World Triathlon Corporation (WTC). Und auch nach dem Startschuss riss die Aufregung nicht ab. Nicht genug, dass die Strecke nach Schätzungen der Sportler am Streckenrand auch noch deutlich kürzer als die angekündigten 1,9 Kilometer gewesen sein soll - im Chaos der Morgenstunden sollen mehrere Athleten auch noch eine Boje geschnitten und so weitere Meter auf dem Weg zur ersten Wechselzone gespart haben. Eine Reaktion des Kampfgerichts darauf blieb allerdings aus.

So fielen die Abstände nach der ersten Disziplin deutlich geringer aus, als es unter normalen Rennbedingungen wohl der Fall gewesen wäre. Lediglich eine Minute nach dem hoch gehandelten Aussie-Duo Clayton Fettell und Joseph Lampe erreichte die erste größere Verfolgergruppe um Eneko Llanos (ESP), Craig Alexander (AUS), Sylvain Sudrie und Jeremy Jurkiewicz (beide FRA) den ersten Wechsel, eine weitere Minute später folgte der Leipziger Per Bittner in einer Gruppe unter anderem gemeinsam mit dem Belgier Marino Vanhoenacker. Und der setzte auf dem Rad alles daran, die Zwei-Minuten-Lücke zur Spitze sofort zu schließen: Gemeinsam mit Alexander, Fettell, Llanos, Luke Bell und Christopher Legh (beide AUS) setzte sich Vanhoenacker schon nach wenigen Kilometern an die Spitze des Feldes - und dann bei noch immer starkem Wind deutlich von seinen Konkurrenten ab.

Llanos kalkuliert perfekt, Bittner räumt ab

Fast dreieinhalb Minuten binnen der ersten 135 Kilometer, gut fünf Minuten Vorsprung bis zum zweiten Wechsel erarbeitete sich Solist Vanhoenacker so auf Alexander, Fettell und Llanos, die auf dem Radkurs als Trio zusammenarbeiteten. Und nicht nur dort. Alexander und Llanos starteten in der Folge auch gemeinsam in den Marathon und versuchten, Zeit auf den Belgier gut zu machen. Doch der wehrte sich. Viereinhalb Minuten Vorsprung nach zehn Kilometern, noch immer vier Minuten bei Kilometer 20 - auch Vanhoenacker drückte aufs Tempo und verteidigte seinen Vorsprung. Doch auf der zweiten Hälfte der Laufstrecke erhöhte der Spanier Llanos das Tempo. Er setzte sich von Alexander ab und schob sich schneller an Vanhoenacker heran. Bis Kilometer 28 verkürzte er den Abstand bereits auf zweieinhalb Minuten - und sechs Kilometer vor dem Ziel war Vanhoenacker gestellt. Llanos flog mit perfekter Kalkulation an dem Belgier vorbei, setzte sich ab und sicherte sich den Sieg in dem hochdotierten Rennen. Doch auch Vanhoenacker gab sich nicht auf und rettete seinen Vorsprung vor Craig Alexander ins Ziel. Das Spitzentrio überquerte die Ziellinie am Ende binnen lediglich 209 Sekunden - und musste anschließend über zehn Minuten warten, bis der Viertplatzierte, Jordan Rapp, ins Ziel kam.

Per Bittner beendete das Rennen mit einer vor allem auf der Laufstrecke starken Leistung auf dem sechsten Rang. Damit sicherte sich der Sachse erste satte 2.240 Punkte für das Kona Pro Ranking und ist dem Traum Hawaii einen großen Schritt näher gekommen: Insgesamt rund 3.500 Punkte waren in den vergangenen beiden Jahren nötig, um sich für die Weltmeisterschaft in Kailua-Kona zu qualifizieren.

Ironman Asia-Pacific Championship Melbourne: Männer

  1. März 2013, Melbourne (Australien)

Platz

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Eneko Llanos

ESP

7:36:08

20:30

4:28:50

2:43:35

2

Marino Vanhoenacker

BEL

7:38:59

21:45

4:22:32

2:51:28

3

Craig Alexander

AUS

7:39:37

20:33

4:29:03

2:46:44

4

Jordan Rapp

USA

7:50:54

23:49

4:30:52

2:52:34

5

Christopher Legh

AUS

7:52:29

21:36

4:36:04

2:51:44

6

Per Bittner

GER

7:58:28

21:49

4:41:15

2:51:47

7

Jimmy Johnsen

DEN

7:59:37

21:52

4:46:25

2:48:07

8

Jeremy Jurkiewicz

FRA

8:00:50

20:34

4:44:56

2:51:32

9

Petr Vabrousek

CZE

8:01:09

24:14

4:40:54

2:53:00

10

Tyler Butterfield

USA

8:02:06

21:58

4:31:59

3:04:41

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Abraham distanziert Steffen

Noch stärker als am Ende im Männer- machte sich der Einfluss des verkürzten Schwimmens im Frauenrennen bemerkbar. Dort waren es zunächst vor allem die 46-Jährige Natascha Badmann (SUI) und Yvonne van Vlerken (AUT/NED), die mit verhältnismäßig geringen fünf Minuten Rückstand auf die Spitze profitierten - und Corinne Abraham (GBR), Dritte unter anderem bereits des Ironman Germany im vergangenen Jahr. Denn obwohl sich zunächst Badmann an die Spitze setzte, war die schnellste Frau auf dem Radkurs die Britin. Sie überholte Badmann, setzte sich ab und erreichte den zweiten Wechsel mit einem komfortablen Polster von rund fünf Minuten vor Badmann und sogar über acht Minuten vor deren Landsfrau Caroline Steffen. Und Abraham ließ auch in der Folge nichts anbrennen: Sie verteidigte ihren Vorsprung nicht nur, sondern lief als einzige Frau unter drei Stunden den mit großem Abstand schnellsten Marathon. An Steffen und Badmann vorbei auf den zweiten Platz schob sich auf der Laufstrecke die in Österreich lebende Niederländerin Yvonne van Vlerken. Steffen, die in Melbourne vor allem auf der Radstrecke nicht ihr gesamtes Potenzial abrufen konnte, ließ nach offensivem Marathonstart Landsfrau Badmann hinter sich und komplettierte das Podium. Die beste Deutsche, Linda Schücker, beendete das Rennen auf dem 13. Platz, Conny Dauben kam auf Rang 21.

Corinne Abraham | Corinne Abraham siegt beim Ironman Melbourne 2013

Corinne Abraham siegt beim Ironman Melbourne 2013

Foto >Delly Carr

Ironman Asia-Pacific Championship Melbourne: Frauen

  1. März 2013, Melbourne (Australien)

Platz

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Corinne Abraham

GBR

8:10:56

28:23

4:42:09

2:56:50

2

Yvonne van Vlerken

NED

8:26:40

27:09

4:55:01

3:00:46

3

Caroline Steffen

SUI

8:31:22

24:34

4:53:17

3:09:23

4

Natascha Badmann

SUI

8:34:37

26:50

4:46:58

3:16:33

5

Gina Crawford

NZL

8:37:23

25:15

5:02:03

3:05:56

6

Amanda Stevens

USA

8:39:39

21:53

5:00:50

3:12:43

7

Carrie Lester

AUS

8:41:22

24:21

4:54:28

3:18:12

8

Sarah Piampiano

USA

8:44:52

26:47

4:56:41

3:16:44

9

Britta Martin

NZL

8:45:50

27:30

4:59:33

3:14:45

10

Anna Ross

NZL

8:49:32

27:17

5:01:45

3:16:10

13

Linda Schücker

GER

9:02:00

29:42

5:06:02

3:22:21

21

Cornelia Dauben

GER

9:23:12

28:56

5:13:01

3:36:48

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