Luxemburg: Dirk Bockel fliegt aus dem Kader

Profitriathlet Dirk Bockel ist mit sofortiger Wirkung aus dem Kader des luxemburgischen Triathlonverbands ausgeschlossen worden. Der Challenge-Roth-Sieger von 2013 soll in den vergangenen zwei Jahren kaum mehr mit dem Verband zusammengearbeitet haben. Deshalb dreht der dem gebürtigen Schwaben nun den Geldhahn zu.

Von > | 6. Februar 2015 | Aus: SZENE

Dirk Bockel | Dirk Bockel startet beim Prolog der Tour de Luxembourg.

Dirk Bockel startet beim Prolog der Tour de Luxembourg.

Foto >Bert Stephani

Bockel, der in Waiblingen geboren wurde, nahm schon 2006 die luxemburgische Staatsbürgerschaft an. Zwei Jahre später startete er im Trikot des Großherzogtums bei den Olympischen Spielen von Peking und landete dort nach einem Ausreißversuch beim Radfahren auf dem 25. Platz. Seitdem gehört der 38-Jährige dem Kader des kleinen Verbands (FLTri) an. Der hat seinen erfolgreichsten Athleten nun nach acht Jahren gefeuert - nachdem er ihn erst vor ein paar Tagen erneut in den Elitekader berufen hatte.

Indiskutables Verhalten

Der Verband sei mit der Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahren nicht zufrieden. Das Verhalten des Athleten sei grundsätzlich indiskutabel gewesen, heißt es nun in einer Pressemitteilung von FLTri. Bockel habe mehrfach nicht auf Schreiben des Verbands reagiert, den Vorstand beleidigt und als "korrupt" beschimpft sowie undurchsichtige Reiseabrechungen von Trainingslagern und Wettkämpfen vorgelegt. Außerdem habe er sich geweigert, dem Verband Details über sein Einkommen mitzuteilen. Weiterhin wirft FLTri Bockel vor, sich nicht an die Regeln gehalten zu haben, die für alle Kaderathleten gelten. So arbeite er weder mit den beiden Bundestrainer zusammen - einer von ihnen ist Raelert-Coach Wolfram Bott -, noch spreche er seine Trainings- und Wettkampfplanung mit FLTri ab. Auch die vereinbarten Starts bei Triathlons in Luxemburg habe Bockel nicht absolviert, so FLTri-Präsident Claude Radoux. Bockels sportliche Leistungen überzeugten den Verband zuletzt offenbar ebenfalls nicht mehr. Die Ergebnisse von 2014 und seine Pläne für 2015 seien "schwierig aufzufassen", so FLTri. Das alles habe das "Fass zum überlaufen gebracht", so Pressesprecher Tunn Moureaud. Bockel selbst erfuhr die Nachricht seines Rauswurfs scheinbar auch erst über die Medien: "Keine Ahnung, warum mich mein Verband plötzlich nicht mehr unterstützt", teilte er gestern Nachmittag überrascht in diversen sozialen Netzwerken mit. Mehr wollte er zunächst nicht sagen.

Bockel erhält nach dem Rauswurf nun keine finanzielle Unterstützung mehr vom Verband. Zudem will Präsident Radoux laut dem Onlineportal "wort.lu" der Armee kein Empfehlungsschreiben zukommen lassen. Damit wäre auch Bockels Zukunft in der Elitesportsektion des luxemburgischen Militärs gefährdet. Sportlich scheint der Ausschluss für Bockel aber kein Beinbruch zu sein, denn nach Informationen von "tageblatt.lu" wurde ihm seine Lizenz nicht entzogen. Damit kann der 38-Jährige auch 2015 bei allen Rennen starten, die nicht in der Verantwortung des Triathlonweltverbands ITU liegen - denn hierfür müsste er vom zuständigen Verband gemeldet werden.