Maurice Clavel: "Von Anfang an Dampf machen"

Mit seiner legendären Zielparty ging Maurice Clavel im vergangenen Jahr in die Geschichte der Ironman-EM in Wiesbaden ein. Halbnackt feierte er vor dem altehrwürdigen Wiesbadener Kurhaus seinen dritten Platz. Am Sonntag ist er bereit für eine neue Zielshow, und das passende Rennen will er auch dazu abliefern.

Von > | 7. August 2015 | Aus: SZENE

Maurice Clavel | Maurice Clavel hat gute Erinnerungen an Wiesbaden

Maurice Clavel hat gute Erinnerungen an Wiesbaden

Foto >Volker Boch

Bei der Pressekonferenz vor der Ironman-Europameisterschaft war Maurice Clavel schon einmal gut aufgelegt. Was er denn machen würde, wenn er wieder so ein Toprennen wie im Vorjahr abliefern würde, fragte der Moderator Till Schenk den Freiburger. Er sei ja letztes Jahr im Zielkanal schon halbnackt gewesen. Der 27-jährige Clavel musste nicht lange überlegen: „Dann dieses Mal dann ganz nackt!“ Auch wenn das vielleicht eher nichts werden dürfte am Sonntag, ein Toprennen ist dem Vorjahresdritten auf dem harten Wiesbadener Kurs sicher zuzutrauen. Auch er selbst glaubt daran, wie er im Interview erzählt.

Maurice Clavel, nicht nur Ihr Zielsprung im vergangenen Jahr ist in Wiesbaden in Erinnerung geblieben, sondern Ihr gesamtes Rennen. Wie blicken Sie zurück?
Da krieg ich immer noch Gänsehaut, es war ein sensationelles Rennen. Ich habe eigentlich alles richtig gemacht, alles lief nach Plan. Es ist eine total positive Erinnerung, es hat einfach alles gepasst.

Und am Sonntag – einfach das Ganze noch mal wiederholen?
Ja, ich versuch’s einfach ganz unvoreingenommen. Alles ist wieder auf null, es fängt wieder von Neuem an. Alle sind heiß, ich natürlich auch. Ich versuche, besser zu sein als letztes Jahr.

70.3 Wiesbaden 45 | Maurice Clavel freut sich über den ersten EM-Podiumsplatz bei seiner erst vierten Mitteldistanz

Maurice Clavel freut sich über den ersten EM-Podiumsplatz bei seiner erst vierten Mitteldistanz

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Wie groß ist die Nervosität? Platz drei ist ja nicht irgendeine Vorleistung.
Ich habe es ganz gut im Griff, weil ich weiß, dass das Rennen stärker besetzt ist als im letzten Jahr. Einerseits sagt man sich da, letztes Jahr war ich Dritter, und das Feld war etwas schwächer. Aber andererseits pusht es einen, wenn man weiß, dass das Feld noch stärker ist. Umso motivierter bin ich auch.

Wie sieht der Alltag eines Triathlonprofis aus? triathlonTV durfte den Freiburger Maurice Clavel und seinen Trainings- und Zimmerkollegen Filip Ospaly einen Tag lang im Trainingslager auf Fuerteventura begleiten - von der Schlafanzughose bis zum Regenerationskeks.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Im vergangenen Jahr haben sie gezeigt, dass Sie nach einem richtig guten Schwimmen schneller fahren können als Athleten, die in einer Gruppe unterwegs sind. Auch am Sonntag könnten Sie sich absetzen – wie ist Ihre Taktik?
Ich hoffe natürlich, dass ohne Neoprenanzug geschwommen wird, das käme mir und den guten Schwimmern im Feld noch mal zugute. Und dann hoffe ich einfach, dass wir gleich von Anfang so Dampf machen, dass erst gar keine Gruppe zustande kommt, auch nicht bei den guten Schwimmern. Wenn das nicht geht, dann probiere ich auch, mich allein abzusetzen. Dazu bin ich auch bereit in der Birne.

Wer käme denn für eine Radflucht noch infrage?
Wer einfach hervorragend schwimmt, ist Manuel Küng, der hat ja bis jetzt immer richtig losgeschlagen. Ruedi Wild gehört genauso dazu, auch Ritchie Nicholls wird noch vorn mitschwimmen.

Also wäre insbesondere der starke Schwimmer und Radfahrer Küng auf dem Rad ein Orientierungspunkt?
Klar, das wäre einer. Aber da muss ich erst einmal sehen, ob ich mitkomme. Wenn das der Fall ist, ist es sehr gut – und dann ist auch viel möglich.

Konnten Sie läuferisch noch einmal an den entscheidenden Stellschrauben drehen?
Das Gefühl habe ich schon, was mich darin bestätigt, ist meine Laufleistung vom Ironman 70.3 Barcelona. Da konnte ich eine ganze Weile mit Jan Frodeno mitrennen, auch wenn er vielleicht nicht 100 Prozent bei Kräften war. Im letzten Jahr hätte ich das auf alle Fälle noch nicht gekonnt. Bei der Challenge Heilbronn war ich zwar nicht gut drauf, das war nicht mein Tag. Aber selbst dort, an einem rabenschwarzen Tag, bin ich im Vergleich zu den anderen Jungs noch richtig schnell gelaufen.

Einige Athleten haben großen Respekt davor, dass Ritchie Nicholls am Sonntag wieder so läuft wie bei seinem Sieg vor zwei Jahren, als er eine 1:08:53 Stunden gerannt ist. Beschäftigt Sie so etwas?
Zum Glück ist es ja nicht nur ein Halbmarathon, sondern auch noch Schwimmen und Radfahren. Ich hoffe einfach und werde alles daran setzen, dass der Ritchie nach dem Radfahren schon abgestellt ist, dumm aus der Wäsche guckt und denkt: Shit, 6 Minuten! Das ist mein Plan.

Podium lautet Ihr klares Ziel?
Das ist mein Ziel!