Michael Raelert fordert Sebastian Kienle

Beim Ironman 70.3 St. George rechnen sich die deutschen Spitzenathleten Sebastian Kienle und Michael Raelert Siegchancen aus. Allerdings müssen sie für einen Erfolg die seit über einem Jahr anhaltende 70.3-Siegesserie des Kanadiers Lionel Sanders beenden.

Von > | 4. Mai 2016 | Aus: SZENE

Challenge Bahrain 2014 - Radfahren - 20

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Im Gegensatz zum Vorjahr, als Andreas Raelert den dritten Platz beim 70.3-Rennen in St. George belegte, versucht diesmal der jüngere der beiden Raelert-Brüder bei seinem ersten Saisonrennen in Utah ganz vorne zu landen: Michael Raelert steigt vier Wochen vor seinem ersten Saisonhöhepunkt beim Ironman Nizza ins Renngeschehen ein und peilt gleich eine Top-Drei-Platzierung an. Neben Raelert versucht auch Sebastian Kienle auf seiner „US-Tour“ endlich Fuß in dieser Saison zu fassen. Beim Ironman 70.3 in Kalifornien bremste ihn noch ein Raddefekt aus - nun hofft der Hawaii-Sieger von 2014 auf das nötige Quäntchen Glück, um wieder vorne mitmischen zu können.

Titelverteidiger Tim Don fehlt bei der diesjährigen Ausgabe, weil er stattdessen beim Ironman 70.3 auf Mallorca startet. Das heißt nicht, dass die beiden Deutschen konkurrenzlos sind: Der Vorjahreszweite Brent McMahon (CAN) ist ein Mitfavorit auf den Titel, nachdem er sich wie schon in den vergangenen Jahren auf Maui auf die Saison vorbereitet hat. Timothy O’Donnell (USA), Drittplatzierter der Ironman-Weltmeisterschaft 2015, wird ebenfalls fit am Start stehen, nachdem er vor zwei Wochen beim renommierten St. Anthony’s Triathlon in Florida den vierten Platz belegte. Ein weiterer Top-Favorit ist der US-Amerikaner Ben Hoffman. Der 32-Jährige überraschte 2014 beim Ironman auf Hawaii mit einem zweiten Platz und wurde Vizeweltmeister. Hoffman zeigte diese Saison schon mehrfach, dass mit ihm zu rechnen ist. Zuletzt gewann er mit einer beeindruckenden Leistung den Ironman Südafrika.

Alle gegen Sanders?

Titelanwärter Nummer eins ist aus rein statistischer Sicht allerdings ein ganz anderer: Der Kanadier Lionel Sanders ist seit April 2015 auf der Mitteldistanz ungeschlagen. Alle acht 70.3-Rennen, die der 28-Jährige seither bestritt, konnte er für sich entscheiden. Außerdem sehr bemerkenswert: Sanders ist ein mäßiger Schwimmer, der auf die direkte Konkurrenz während der ersten Disziplin nicht selten vier bis fünf Minuten verliert. Dafür rollt er das Feld danach ordentlich von hinten auf: Sowohl auf dem Rad, als auch beim abschließenden Halbmarathon erzielt Sanders häufig die schnellste Zeit des Tages. Auch aktuell scheint der Kanadier gut in Form zu sein. Nach den beiden Siegen beim Ironman 70.3 Kalifornien und Ironman 70.3 Texas berichtete er auf seiner Website, auf der er Trainingsfortschritte, Rennberichte und Leistungsdaten veröffentlicht, dass er in zwei Wochen 265 Laufkilometer gesammelt habe - und 85 davon in einem Tempo von unter 3:19 Minuten pro Kilometer absolvierte. Außergewöhnlich: Der Kanadier macht erst seit fünf Jahren Triathlon und war zuvor in der Jugend „nur“ als Läufer auf der Mittelstrecke aktiv. Auch der US-Amerikaner Ben Collins, Kanadier Cody Beals und Tyler Butterfield von den Bermudas sind erstzunehmender Konkurrenten mit guten Chancen auf vordere Platzierungen bei dem Rennen, das zugleich als nordamerikanische Meisterschaft gilt.

Wurtele gegen Carfrae und Kessler

Bei den Frauen wird ebenfalls ein enger Kampf um den Sieg zu erwartet. Titelverteidigerin Heather Wurtele geht als Favoritin an den Start. Auch die Zweitplatzierte des vergangenen Jahres, Meredith Kessler, ist wieder mit von der Partie und hofft, die Kanadierin Wurtele diesmal schlagen zu können - schließlich hatte sie im vergangenen Jahr um nur 89 Sekunden das Nachsehen. Auch die dreimalige Weltmeisterin Mirinda Carfrae ist gemeldet. 2015 reichte es für sie nur für einen enttäuschenden achten Rang. Dieses Jahr möchte die "Überläuferin" aus Australien bei ihrem zweiten Saisonstart endlich wieder ganz vorne landen. Auch die US-Amerikanerinnen Alica Kaye und Mary Beth Ellis gehen mit Ambitionen auf vordere Plätze an den Start.