Mirinda Carfrae bricht Marathon- und Streckenrekord

Mirinda Carfrae ist zum zweiten Mal Ironman-Weltmeisterin. Die Australierin unterbot den Streckenrekord von Chrissie Wellington um fast zwei Minuten und ließ den Britinnen Rachel Joyce und Liz Blatchford beim Marathon keine Chance. Beste Deutsche wurde Kristin Möller.

Von > | 13. Oktober 2013 | Aus: SZENE

Rachel Joyce, Mirinda Carfrae und Liz Blatchford | Die besten drei Frauen des Ironman Hawaii 2013: Rachel Joyce, Mirinda Carfrae und Liz Blatchford

Die besten drei Frauen des Ironman Hawaii 2013: Rachel Joyce, Mirinda Carfrae und Liz Blatchford

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Bei der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Rennen hatte Mirinda Carfrae es schon angekündigt: „Ich kann dieses Jahr noch schneller laufen als 2010.“ Eine mutige Ansage – schließlich war die kleine Australierin bei ihrem ersten Sieg schon in herausragenden 2:52:09 Stunden über die Marathonstrecke geflogen. Unglaubliche 2:50:35 Stunden lieferte sie jetzt ab: die drittschnellste Laufzeit im gesamten Feld; schneller waren auf den 42,195 Kilometern nur der Spanier Ivan Rana und Bart Aernouts aus Belgien. Von Platz elf nach dem Radfahren hatte sich Carfrae auf der Laufstrecke Kilometer um Kilometer nach vorn gearbeitet und eine Konkurrentin nach der anderen eingesammelt.

Vielversprechende Konstellation

Zuvor hatten andere das Renngeschehen bestimmt: Um die US-Amerikanerin Haley Chura hatte sich beim Schwimmen eine Spitzengruppe gebildet, zu der unter anderem Jodie Swallow und Liz Blatchford (beide Großbritannien) sowie Amanda Stevens und Meredith Kessler (beide USA) gehörten. Wenige Sekunden dahinter die Vorjahressiegerin Leanda Cave, Mitfavoritin Rachel Joyce, die Dänin Michelle Vesterby und Top-Favoritin Caroline Steffen aus der Schweiz – eine vielversprechende Konstellation.

Auf dem Weg zum Wendepunkt in Hawi bildete sich eine achtköpfige Spitzengruppe, der erwartungsgemäß zunächst Caroline Steffen zu entkommen versuchte. Doch die Schweizer Top-Favoritin und Vorjahreszweite erwischte keinen guten Tag: Magenprobleme bremsten Steffen aus, sodass sich vor allem Stevens und später Kessler um die Tempoarbeit kümmerten. Joyce hielt sich bewusst zurück - jetzt bloß nicht verzocken! Viereinhalb Minuten hinter den Führenden bemühten sich Yvonne van Vlerken, Mirinda Carfrae und die deutsche Anja Beranek um Anschluss – alle drei waren mit Rückstand zur Spitze aus dem Wasser gekommen.

Schluss mit der Geduld!

In Hawi war sie dann zu Ende, die Geduld von Rachel Joyce: Die Britin attackierte und konnte gleich beim ersten Versuch eine kleine Lücke reißen. Das war das Ende der bis dahin recht homogenen Gruppe. Steffen fiel mit erneuten Magenproblemen zurück, auch Vesterby musste abreißen lassen. Übrig blieben Joyce, Kessler und Swallow, die dicht hintereinander zurück nach Kona rollten und auf die Laufstrecke wechselten. Mit einem Vorsprung, der für Kessler und Swallow nicht reichen sollte: Sie wussten, dass hinter ihnen Liz Blatchford, Caroline Steffen und Yvonne van Vlerken, die mit der schnellsten Radzeit beeindruckte, immer näher kamen.

Eine jedoch näherte sich mit einem Tempo, dem nicht mal die Männer gewachsen waren: Mirinda Carfrae. Die kleine Australierin war als Elfte vom Rad gestiegen – und ab da gab es für die Weltmeisterin von 2010 kein Halten mehr. Eine nach der anderen ließ sie auf dem Highway förmlich stehen, bis an der Halbmarathonmarke auf dem Weg zum Energy Lab nur noch Joyce vor ihr lief. Ein freundlicher Klaps auf deren Hinterteil bei Kilometer 24 – und Carfrae war der Sieg nicht mehr zu nehmen. Mit einer Endzeit von 8:52:14 Stunden unterbot sie den Streckenrekord von Seriensiegerin Chrissie Wellington (8:54:02 Stunden) deutlich, Joyce erreichte das Ziel mehr als fünf Minuten hinter ihr. Auf den dritten Platz schaffte es überraschend die Britin Liz Blatchford, für die der Ironman Hawaii die erst zweite Langdistanz war.

Krämpfe bei van Vlerken

Den dritten Platz auf dem Podium hat Blatchford wohl einer Unbedachtheit von Yvonne van Vlerken zu verdanken: Die Niederländerin, die sich vor allem im Schwimmen deutlich verbessert hat, hatte sich zwischenzeitlich auf Rang drei vorgekämpft, musste Blatchford dann aber krampfgeplagt ziehen lassen. „Ich hatte keine Salztabletten genommen, weil ich die nicht so gut vertrage. Sowas sollte man auf Hawaii nicht machen – ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben beim Laufen Wadenkrämpfe.“ Van Vlerken verpasste das Podium um eine Minute, hinter ihr kam Caroline Steffen als Fünfte ins Ziel.

Die deutschen Starterinnen im Profifeld konnten da nicht mitreden: Schon beim Schwimmen lagen sie weiter zurück als erwartet. Sonja Tajsich und Mareen Hufe stiegen schließlich beim Radfahren aus, Anja Beranek warf auf der Laufstrecke das Handtuch. Einzig Kristin Möller rettete sich trotz ihrer Verletzungsprobleme ins Ziel und wurde am Ende 16. und beste Deutsche. „Wenn man verletzungsbedingt nicht so viel laufen kann im Training, ist ein Marathon echt hart. Jetzt weiß ich endlich, wie es den anderen sonst immer geht.“

Ironman World Champioship | Frauen

  1. Oktober 2013, Kailua-Kona, Hawaii (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,86 km Swim

180,2 km Bike

42,195 km Run

1

Mirinda Carfrae

AUS

8:52:14

0:58:50

4:58:20

2:50:38

2

Rachel Joyce

GBR

8:57:28

0:54:09

4:55:25

3:03:37

3

Liz Blatchford

GBR

9:03:35

0:54:07

4:57:40

3:03:23

4

Yvonne van Vlerken

NED

9:04:34

1:01:57

4:54:38

3:03:25

5

Caroline Steffen

SUI

9:09:09

0:54:10

4:57:50

3:11:55

6

Caitlin Snow

USA

9:10:12

0:58:47

5:08:05

2:58:53

7

Meredith Kessler

USA

9:10:19

0:54:06

4:55:13

3:16:35

8

Michelle Vesterby

DEN

9:11:13

0:54:12

4:55:53

3:16:31

9

Gina Crawford

NZL

9:14:47

0:54:14

5:04:17

3:11:18

10

Catherine Faux

GBR

9:15:16

0:59:19

5:04:01

3:05:20

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