Molinari schockt Frodeno und Kienle

Der Italiener Giulio Molinari hat überraschend die zweite Auflage des Cannes International Triathlon gewonnen. Der ETU-Europameister auf der Mitteldistanz entschied das Rennen dank einer bärenstarken Radleistung am Ende klar für sich und verwies Jan Frodeno und Ironmanweltmeister Sebastian Kienle auf die Plätze zwei und drei. Das Rennen der Frauen gewann Leanda Cave.

Von > | 19. April 2015 | Aus: SZENE

Podium Männer - CIT 2015 | Podium Männer - Cannes International Triathlon 2015

Podium Männer - Cannes International Triathlon 2015

Foto >Jan Sägert / spomedis

Den Italiener Guilio Molinari hatten vor dem Start in Cannes nur wenige Experten auf dem Zettel der Favoriten. Dabei hatte der Polizist aus dem Piemont im vergangenen Jahr bei der Challenge Paguera-Mallorca auf sich aufmerksam gemacht und sich den EM-Titel über die Mitteldistanz geholt. Zuvor war er schon bei der Challenge Walchsee-Kaiserwinkl erfolgreich. Doch was er dem ungewöhnlich windigen Frühsommertag an der Cote d'Azur zeigte, beeindruckte sogar Jan Frodeno und Sebastian Kienle. Die fast schon siegverwöhnten Deutschen kassierten beim Radfahren stattliche vier Minuten. Am Ende liefen beide nicht mit letzter Konsequenz auf dem Boulevard de la Croisette.

Molinari schockt Kienle am Berg

Im mit knapp 16 Grad kalten Wasser hatte am Morgen keine großen Überraschungen gegeben. Schon in der ersten von zwei Runden fanden sich die früheren Kurzdistanzkollegen Frederic Belaubre und Jan Frodeno. Sebastian Kienle büßte schnell eineinhalb Minuten ein. Belaubre und Frodeno erhöhten danach weiter die Schlagzahl und distanzierten den Ironmanweltmeister um weitere zwei Minuten. In ihrem Schlepptau: Molinari, Faris Al-Sultan, der Schweizer Manuel Küng und Romain Guillaume aus Frankreich. Und der ergriff auf den ersten Radkilometern zunächst die Initiative. Schon kurz darauf  übernahm Molinari die Spitze und setzte sich ab - noch bevor es in den zwölf Kilometer langen Anstieg nach Saint-Vallier ging. Dort drehte der Italiener dann richtig auf, während sich Kienle langsam nach vorn arbeitete und unter anderem Al-Sultan ein- und überholte. Am höchsten Punkt des Rennen konnte Kienle dann gar nicht glauben, was ihm Coach Lubos Bilek zurief. Mehr als sechs Minuten war Molinari zu diesem Zeitpunkt schon enteilt. "Ich war ein bisschen geschockt", so Kienle nach dem Rennen. So etwas sei er gar nicht mehr gewöhnt. Auch Frodeno hatte bei Halbzeit schon vier Minuten Rückstand auf den bärenstarken Italiener. Gemeinsam mit dem Schweden Björn Andersson stürzte er sich in die teils halsbrecherische Abfahrt und schob sich - ohne alles zu riskieren - auf den zweiten Platz nach vorn. Mit einem beruhigenden 5-Minuten-Polster stürmte Molinari auf die Laufstrecke.

Frodeno fair, Molinari strauchelt nicht

Frodeno wollte sich aber noch nicht geschlagen geben und jagte im Stile eines Kurzdistanzler hinter Molinari her. Mehr als eine Minute verlor der Führende in der ersten von vier Runden. Doch der Deutsche musste schon in Runde zwei etwas zurückstecken. "Ich muss zugeben, dass ich heute nicht die besten Beine hatte", so Frodeno, der sich bei einem Missgeschick in der Woche vor dem Rennen zudem noch leicht am Knie verletzt hatte. Nach Ausreden wollte er dennoch nicht suchen. "Wer auf dem Rad vier Minuten verliert, hat den Sieg nicht verdient", bilanzierte er. Molinari wurde auf den letzten Kilometern zwar etwas langsamer - in Gefahr geriet sein Sieg aber nicht mehr. Fast schon aufreizend lässig, spazierte er nach 3:46 Stunden über den roten Teppich am Boulevard de la Croisette. Frodeno folgte 90 Sekunden später sichtlich erschöpft und zog symbolisch den Hut. Kienle drehte, angefeuert von Trainer Bilek auf der zweiten Hälfte der Laufstrecke noch einmal auf und schappte sich vier Kilometer vor dem Ziel Guillaume und damit auch den dritten Platz. Faris Al-Sultan, der zwischenzeitlich auf Top5-Kurs lag, wurde hinter den Franzosen Guillaume, Banti, Fernandez und Belaubre Achter.

Cannes International Triathlon | Männer

  1. April 2015, Cannes (FRA)

Name

Nation

Gesamt

2 km Swim

80 km Bike

16 km Run

1

Giulio Molinari

ITA

3:46:33

24:17

2:20:32

57:14

2

Jan Frodeno

GER

3:48:09

24:16

2:26:07

53:50

3

Sebastian Kienle

GER

3:51:15

27:41

2:25:06

53:41

4

Romain Guillaume

FRA

3:53:01

24:32

2:24:52

59:04

5

Hervé Banti

FRA

3:54:20

26:38

2:25:56

57:36

6

Nicolas Fernandez

FRA

3:55:50

26:56

57:16

7

Frederic Belaubre

FRA

3:56:41

24:17

2:30:43

57:22

8

Faris Al-Sultan

GER

3:56:46

24:50

2:29:54

57:19

9

Kevin Rundstadler

FRA

4:03:34

26:37

2:34:42

57:55

10

Jeremy Morel

FRA

4:03:52

29:16

2:31:50

58:42

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Cave cool, Vesterby nur Fünfte

Das Rennen der Frauen ist etwas schneller erzählt, denn es wurde mehr als vier Stunden lang von Leanda Cave dominiert. Vorjahressiegerin Charlotte Morel (FRA) war ebenso chancenlos wie die Dänin Michelle Vesterby und Caves Landsfrau Vanessa Raw. Cave, der nach ihrem Sieg bei der Ironman-WM 2012 sportlich nicht mehr allzu viel gelungen ist, fuhr auf dem außergewöhnlichen Radkurs ein beruhigendes Polster heraus und ließ sich das beim Laufen nicht mehr nehmen. Dreieinhalb Minuten lagen im Ziel zwischen ihr und der Belgierin Alexandra Tondeur. Raw behauptete sich letztlich auch sicher gegen Morel, die wie Landsmann Guillaume mit dem vierten Platz Vorlieb nehmen musste. Für Vesterby blieb nur der fünfte Platz.

Cannes International Triathlon | Frauen

  1. April 2015, Cannes (FRA)

Name

Nation

Gesamt

2 km Swim

80 km Bike

16 km Run

1

Leanda Cave

GBR

4:18:42

26:48

2:44:09

1:03:02

2

Alxandra Tondeur

BEL

4:22:20

31:19

2:45:08

1:01:04

3

Vanessa Raw

GBR

4:25:16

28:20

2:48:24

1:03:07

4

Charlotte Morel

FRA

4:26:28

26:52

2:48:09

1:06:20

5

Michelle Vesterby

DEN

4:30:48

27:45

2:53:35

1:04:36

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