"Nach 200 Metern voller Laktat"

Drei Wochen vor der WM in Zell am See hat Anja Beranek bei der Europameisterschaft im Ironman 70.3 schon einmal angedeutet, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Die 30-Jährige konnte vor allem beim Laufen lange mit der dänischen Siegerin Camilla Pedersen mithalten.

Von > | 10. August 2015 | Aus: SZENE

Anja Beranek Rad

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Mit viel Selbstbewusstsein ist Anja Beranek aus der Kurstadt Wiesbaden zurück in die fränkische Heimat gereist. Platz zwei bei der Ironman-70.3-EM hinter Camilla Pedersen war einerseits ein gutes Resultat, andererseits auch ein Fingerzeig in Richtung Zell am See. Während es im Wasser gar nicht so rund lief wie üblich, überzeugte Beranek gerade auch auf den ersten Laufkilometern. Nach einer Plantarfaszien-Entzündung im Vorjahr ist sie läuferisch auf einem langen Weg zurück, wie sie im Interview erklärt.

Anja Beranek, vor dem Rennen in Wiesbaden haben Sie schon erwartet, dass es wie im Kraichgau ein enges Duell mit Camilla Pedersen geben könnte. Das gab es auch bis zur Hälfte der Laufstrecke. Wie blicken Sie nun auf Platz zwei in Wiesbaden zurück?
Ich bin sehr zufrieden, das Fragezeichen war einfach da wegen meiner vielen Rennen vorher und wegen der Langdistanz vier Wochen zuvor. Aber dafür waren die Beine sehr gut. Der Rennverlauf war ähnlich wie im Kraichgau, deshalb habe ich meine Taktik diesmal auch ein bisschen geändert. Ich habe beim Radfahren auch nicht Vollgas gegeben, sondern versucht, mir noch etwas fürs Laufen aufzuheben. Im Kraichgau habe ich auf dem Rad ganz viele Attacken gegen Camilla gesetzt, und ich kam trotzdem nicht weg. Ich wusste, dass sie stark auf dem Rad ist und ich keinen Alleingang schaffen würde. Daher habe ich mich mit ihr eher verbunden auf dem Rad und dann versucht, sehr schnell zu wechseln und sie gleich unter Druck zu setzen beim Laufen. Das ist mir auch gut gelungen, bis Kilometer zehn hat es funktioniert. Aber da musste ich einfach ein bisschen den vergangenen Wochen Tribut zollen.

Da machte sich dann doch das Rennen zu Platz drei in Roth bemerkbar?
Vier Wochen nach einer Langdistanz kann man einfach nicht mehr ganz so feuern. Aber die ersten zehn Kilometer waren wirklich gut beim Laufen, und Camilla musste auch hart kämpfen. Von daher gibt mir das viel Selbstbewusstsein. Ich bin wirklich happy mit dem zweiten Platz, sie hat verdient gewonnen. Auch wenn man gewinnen will – es geht eben nicht immer. Man muss hier einfach die Leistung im Rennen sehen, und die war gut bis auf das Schwimmen.

Sie sind mit gut zwei Minuten Rückstand auf Céline Schaerer, vor allem aber fast eine Minute hinter Camilla Pedersen aus dem Wasser gekommen. Das war eine der großen Überraschungen zum Auftakt, was ist passiert?
Ich kann es gar nicht genau sagen. Ich bin sehr schnell mit Céline losgeschwommen. Ich bin einfach mit ihr losgeschossen, und nach 200 Metern war ich voller Laktat und richtig in der Schnappatmung drin. Da musste ich mich erst einmal neu sortieren, und prompt kam schon die zweite Gruppe, und ich konnte nicht einmal da mitschwimmen – ich konnte nicht mal die Gruppe halten. Ich bin dann einfach meinen eigenen Rhythmus geschwommen. Eigentlich wollte ich es ganz anders machen und eine Lücke herausschwimmen statt eine auf dem Rad zufahren zu müssen. Aber das ist eben Triathlon.

Für Zell am See war das Rennen in Wiesbaden vom Verlauf her ein gutes Omen, da Sie beim Laufen den Druck machen konnten, den Sie im WM-Rennen gut gebrauchen können?
Laufen ist leider eine langwierige Geschichte bei mir, durch meine Verletzung im letzten Jahr hinke ich da immer noch ein bisschen hinterher. Vier, fünf Monate konnte ich gar nicht laufen. Das Laufen ist in dieser Hinsicht wirklich undankbar, da braucht man wirklich Zeit, und man muss dem Ganzen auch Zeit geben. Aber der Weg geht nach vorne, es geht voran. In den drei Wochen bis zur WM kann man nicht mehr viel machen, aber man muss es einfach langfristig sehen, da habe ich noch sehr viel Potenzial.

Die WM könnte sich vom Rennverlauf ähnlich darstellen wie die EM in Wiesbaden. Mit Blick auf den Wettkampf in Zell am See: Was würden Sie heute sagen, was gut für Sie wäre?
Man kann die Rennen schon vergleichen, da das Profil auf der Radstrecke ähnlich ist. Aber dort ist die Weltspitze am Start, da kommen noch ein paar mehr als in Wiesbaden. Von daher kann ich mich schwer einschätzen. Ich werde alles versuchen, in den ersten zwei Disziplinen meinen Weg zu machen. Alles andere muss man dann sehen.