Neopren-Erlaubnis in Kailua-Kona?

Alles ist wie immer beim Ironman auf Hawaii. Einmal im Jahr schaut die Triathlonwelt nach Kailua-Kona, um dieses einzigartige Rennen zu bestaunen. 2015 scheint alles anders zu sein. Oder doch nicht?

Von > | 2. Oktober 2015 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2015 - Der Dig Me Beach erwacht - 21

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es hat ein bisschen was vom 1. April, als Kollege Nis Sienknecht am ersten Morgen in Kailua-Kona erklärt, dass das Wasser außergewöhnlich kühl sei. Sechs Beine des tri-mag.de-Teams stehen am Dig Me Beach im Wasser, zwei weitere sind draußen am Pier auf der Suche nach den ersten Fotomotiven. In der Bucht von Kailua tummeln sich schon eine ganze Reihe Athleten. Ein paar Minuten später wird Andreas Raelert von einer Trainingsrunde zurückkommen, Jan Frodeno auftauchen, der Schweizer Jan van Berkel, die Deutsche Diana Riesler, Rachel Joyce mit dem Rad auf den Queen-K-Highway abbiegen.

Welcome to Humidity

Willkommen zurück auf Hawaii, keine zehn Tage mehr bis zum Rennen des Jahres. An diesem 1. Oktober, 7 Uhr Ortszeit, hadert der Körper aber erstmal noch mit gut 20 Stunden im Flugzeug und einer ersten Nacht, die sich als solche nicht bezeichnen lässt. „Welcome to Kona“, hat der Flugbegleiter zum Abschied vom Flug UA750 am Abend zuvor allen Insassen der Boeing 757-200 zugerufen und zum Ende der Begrüßung auf Hawaii lieber gleich noch ein „Welcome to humidity“ hinterher geschickt. Es war ein klares Signal für die europäischen Sporttouristen, dass sie schnellstmöglich ihre Jeans, langen Trainingshosen, Kapuzenpullis und Kompressionssocken loswerden sollten.

Hawaii-Hemden in 7XL

Tags drauf sind die Jeans ganz weit hinten im Schrank verschwunden, noch hinter den Ersatz-Kopfkissen, und das Wasser ist kalt.

Sagt der Kollege. Aha.

Historische Neo-Erlaubnis beim Ironman Hawaii 2015? Der lokale Surfer-Wetterprognosedienst spricht an diesem 1. Oktober später von 82 Grad Fahrenheit, was 28 Grad Celsius entspricht. So weit zur Kälte. Unter der Wasseroberfläche surren denn auch wie üblich verschiedene Fischschwärme umher und wundern sich über die ziemlich uneleganten Zweibeiner, die das Wasser aufwühlen. Aufgewühlt wird die Bucht an diesem Tag auch von Booten, die Kreuzfahrer von der MS Zaandam herüberbringen. Dass im erstbesten Shop Hawaiihemden bis zur Größe „7x“ angeboten werden (kein Witz), dürfte übrigens weniger mit Ironman-Athleten zu tun haben. Diese könnten daraus vielleicht ein schönes Zelt für zwei bauen, andere tragen es zum Continental Breakfast. Vielleicht in den nächsten Tagen auch auf der MS Zaandam.

Back into Kailua-Kona, das bedeutet an diesem Donnerstag, 1. Oktober, natürlich auch etwas Wind, der in die Palmen drückt. Er schiebt sich so nachdrücklich in die Blätter, wie der Ironman immer mehr Platz einnimmt in der Kleinstadt, die in den kommenden Tagen zur Triathlonmetropole wächst. Auf dem Alii Drive herrscht noch nicht jener Hochbetrieb, der sich ab dem Wochenende entwickeln wird, aber es gibt kaum noch ein Geschäft, das sich nicht bereits auf Ironman eingestellt hat. Es wird sich alles ordentlich aufheizen in den nächsten Tagen – und gefühlt bestimmt auch das Wasser in der Bucht von Kailua.