Noble gewinnt Regenschlacht, Frommhold Zweiter

Eimear Mullan und Gavin Noble heißen die Sieger der zweiten Auflage des Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun. Die beiden Iren setzten sich im teils strömenden Regen am Zeller See durch. Rookie Noble rang Nils Frommhold beim Laufen nieder. Mullan schnappte sich die lange führende Österreicherin Eva Wutti erst kurz vor dem Ziel.

Von > | 1. September 2013 | Aus: SZENE

IMG_8818 | Gavin Noble

Gavin Noble

Foto >Jan Sägert / spomedis

Man konnte im Ziel von Zell noch so lange suchen - enttäuschte Gesichter gab es dort nicht zu sehen. Gezeichnet von einem harten, nassen Tag und eingehüllt in Wärmedecken saßen die Sieger neben den Platzierten. Erschöpft und dreckig von oben bis unten, aber glücklich. Allein Lokalmatadorin Eva Wutti brauchte ein paar Minuten bis sie ihr Lächeln wiederfand. Erst zwei Kilometer vor dem Ziel hatte die 24-Jährige den ersehnten Heimsieg noch aus den Händen geben müssen. Doch auch Wutti war trotz müder Beine alles andere als enttäuscht. Für Nils Frommhold war das Rennen in Zell am See der erste Schritt Richtung Kona. 2014 will er dort dabei sein. "Natürlich will man immer gewinnen", gab der 26-Jährige im Ziel zu. Doch dafür fehlten ihm einfach zu viele Trainingskilometer. Folglich war auch der gebürtige Berliner mit seinem zweiten zweiten Platz binnen zwei Wochen mehr als zufrieden. Besonders happy waren natürlich die beiden Sieger. Noble, der in Österreich seinen ersten 70.3-Wettkampf überhaupt bestritt und Mullan, die schon Ende Juni beim Ironman in Klagenfurt auf dem Podium gestanden hatte.

Risiko und Vorsicht

Auf den knapp zwei Schwimmkilometern im Zeller See hatten die späteren Sieger am Sonntagvormittag nichts zu bestellen. In 22:11 Minuten zauberte der 1.500-Europameister von 2009 eine der schnellsten Schwimmzeiten der 70.3-Serie ins Wasser. Mehr als 30 Sekunden verloren Frommhold, Noble, der Schweizer Spitzenschwimmer Manuel Küng und seine Schwester Rahel, die nach dem Auftakt mit großen Abstand das Frauenfeld anführte. Frommhold und seine Begleiter saßen kaum richtig im Sattel, als der Himmel über dem Pinzgau seine Schleusen öffnete. "Gefährlich wird es nur, wenn man zu viel riskiert", nahm der Deutsche die wie schon bei der Premiere unwirtlichen Bedingungen gelassen. Gemeinsam mit Noble und Küng erwischte Frommhold genau die richtige Mischung aus Risiko und Vorsicht. Nur eine Schrecksekunde musste er überstehen: "Da habe ich mich schon in Absperrung gesehen", schilderte er eine Szene, bei der seine Hinterradscheibe blockierte, weil er in einer Kopfsteinpflasterpassagen zu spät gebremst hatte. Dennoch schaffte es das Trio, das Wolfgarten schon nach ein paar Kilometern ein- und überholte, den Vorsprung auf einige radstarke Verfolger auszubauen. Auf etwa drei Minuten verdoppelten die früheren Kurzdistanzprofis ihre Führung gegenüber Vorjahressieger Alessandro Degasperi, Michael Göhner und den Vierten des Ironman 70.3 St. Pölten, den Deutschen Dorian Wagner.

Wutti weiß es besser

Im Rennen der Frauen sorgte Rahel Küng zunächst für eine One-Woman-Show. Zweieinhalb Minuten brummte der Youngster der Polin Ewa Bugdol, Samantha Warriner (NZL) und der Österreicherin Michaela Herlbauer beim Schwimmen auf. Erst eingangs der zweiten 45-Kilometer-Radrunde musste die 22-Jährige ihre Spitzenposition räumen. Eva Wutti und die Polin Bugdol hatten sich im strömenden Regen an die mutige Schweizerin herangekämpft. Danach tat sich das Trio aber - wohl auch um Stürze zu vermeiden - nicht mehr weh und erreichte geschlossen den zweiten Wechsel. Auf Eimear Mullan mussten die hartgesottenen Zuschauer drei Minuten warten. Auf den ersten Laufkilometern übernahm zunächst Wutti das Kommando. Von ihrem Triumph beim Ironman Copenhagen, zwei Wochen zuvor, schien sie sich erstaunlich gut erholt zu haben. Wutti selbst wusste es aber besser. "Der Lauf war von Anfang sehr hart und hat unheimlich wehgetan", so die Kärntnerin.

Noble nicht zu bremsen

Auch bei den Männern wechselte ein Trio geschlossen auf die Laufstrecke. Doch einer der drei hatte keine Lust, sich auf einen Dreikampf um den Sieg einzulassen. "Ich habe gleich gesehen, dass Gavin einen anderen Schritt draufhatte", schilderte Frommhold im Ziel den Moment, an dem er wusste, dass es mit dem Sieg an diesem Tag nichts werden würde. Knapp 20 Sekunden legte der 32-jährige Ire - im Sommer 23. der Olympischen Spiele von London - auf den ersten drei Kilometern zwischen sich und den Deutschen. Für Manuel Küng, der auf der Radstrecke viel und hart gearbeitet hatte, war auch Frommholds Tempo zu hoch. Er musste später noch weitere Athleten vorbeiziehen lassen und wurde Sechster. Vorn spulte Noble Kilometer für Kilometer konstant und schnell herunter - und das bei seiner 70.3-Premiere. "Ich muss noch ein paar  Namen und die verschiedenen Taktiken auf dieser Distanz lernen", erklärte der Nordire bei der Pressekonferenz nach dem Rennen bescheiden. In Zell am See wählte er offenbar instinktiv die richtige. Das Ziel im Zentrum von Zell erreichte er nach 3:50:24 Stunden und damit etwa vier Minuten später als Degasperi bei seinem Sieg im Vorjahr - allerdings auf etwas modifizierter Strecke.

Gavin Noble | Das Podium der Männer: Frommhold, Nobel und Degasperi

Das Podium der Männer: Frommhold, Nobel und Degasperi

Foto >Jan Sägert / spomedis

Frommhold klatschte 80 Sekunden danach mit jedem zweiten Zuschauer im Zielkanal ab und feierte seinen zweiten Platz fast wie einen Sieg. Verständlich - nach vielen Wochen Verletzungspause und vielen fehlenden Trainingskilometern. 18 Kilometer sei sein längster Lauf in der Vorbereitung gewesen, verriet der 26-Jährige, der in vier Wochen in die USA fliegen und dort bis Anfang Dezember weiter trainieren wird. Titelverteidiger Degasperi schaffte wie schon vor drei Wochen in Wiesbaden noch den Sprung aufs Podium. Dorian Wagner und Michael Göhner komplettierten das starke deutsche Ergebnis im Salzburger Land auf den Plätzen vier und fünf.

Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun | Männer

  1. September 2013, Zell am See (AUT)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Gavin Noble

IRL

3:50:24

22:50

2:06:59

1:14:43

2

Nils Frommhold

GER

3:51:44

22:48

2:07:24

1:16:01

3

Alessandro Degasperi

ITA

3:54:43

24:27

2:09:42

1:14:52

4

Dorian Wagner

GER

3:55:15

24:27

2:08:55

1:15:57

5

Michael Göhner

GER

3:56:40

25:30

2:07:52

1:17:24

6

Manuel Küng

SUI

3:57:29

22:51

2:06:47

1:22:07

7

Tim Meyer

GER

3:58:25

24:26

2:08:43

1:19:09

8

Lukas Hollaus

AUT

3:58:40

24:23

2:10:06

1:18:18

9

Christian Brader

GER

3:59:31

26:24

2:09:39

1:17:29

10

Marc Dülsen

GER

4:00:17

25:54

2:09:40

1:19:08

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Mullan macht es spannend

Stark war auch das, was Eimear Mullan auf den 21 Laufkilometern entlang des Zeller Sees zeigte. Als Achte war die Irin aus dem Wasser gestiegen, auf Platz vier in die Laufschuhe gewechselt. In 1:20:25 Stunden lief sie den mit Abstand schnellsten Halbmarathon. Am Ende profitierte sie aber auch von Wuttis Nachwehen. "Auf den letzten zwei Kilometern haben mich meine Beine fast nicht mehr getragen", sagte sie nach dem Rennen. Da war das Rennen aber schon verloren. Denn Mullan kassierte Wutti genau bei Laufkilometer 19.. Die Österreicherin schleppte sich mit letzter Kraft und weit aufgerissenen Augen ins Ziel. 50 Sekunden nach der Siegerin. Wie eine Siegerin posierte auch die Drittplatzierte Ewa Bugdol mit dem Zielbanner. Wie im Vorjahr sicherte sie sich den letzten Platz auf dem Podest. Den Veranstaltern in Zell am See kann man nur wünschen, dass es im dritten Anlauf auch mit dem Wetter klappt. Denn dann dürften die Chancen, 2015 tatsächlich Gastgeber der 70.3-Weltmeisterschaften zu werden, weiter steigen.

Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun | Frauen

  1. September 2013, Zell am See (AUT)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Eimear Mullan

IRL

4:14:16

27:42

2:19:42

1:20:25

2

Eva Wutti

AUT

4:15:04

25:57

2:18:21

1:24:10

3

Ewa Bugdol

POL

4:17:31

25:21

2:18:48

1:26:40

4

Rahel Küng

SUI

4:20:15

22:51

2:21:36

1:29:33

5

Laura Philipp

GER

4:24:23

27:10

2:23:59

1:26:42

6

Michaela Herlbauer

AUT

4:30:07

25:25

2:29:30

1:28:48

7

Elisabeth Gruber

AUT

4:30:24

30:29

2:25:58

1:25:25

8

M. Renner-Schneck

GER

4:32:42

27:36

2:32:29

1:25:31

9

Bianca Steurer

AUT

4:36:24

29:51

2:31:35

1:28:37

10

Samantha Warriner

NZL

4:36:55

25:31

2:27:26

1:36:23

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