Olympiaheld Docherty beendet Profikarriere

Der zweifache Olympiamedaillengewinner und frühere Weltmeister Bevan Docherty hat seinen Rücktritt vom Profitriathlon erklärt. Der 37-jährige Familienvater will sich nun vor allem um seine zwei Kinder kümmern. Zuletzt hatte sich der Neuseeländer auf der Langdistanz versucht und unter anderem den Ironman Texas gewonnen.

Von > | 6. Januar 2015 | Aus: SZENE

Bevan Docherty | Einer der Geheim- und Topfavoriten für das Podium beim Ironman Hawaii: Bevan Docherty kennt sich nach zwei Olympiamedaillen und einem Weltmeistertitel mit schnellen Rennen aus.

Einer der Geheim- und Topfavoriten für das Podium beim Ironman Hawaii: Bevan Docherty kennt sich nach zwei Olympiamedaillen und einem Weltmeistertitel mit schnellen Rennen aus.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Er habe ohne Zweifel noch Siege in sich, schreibt Bevan Docherty in den ersten Zeilen seiner Rücktrittserklärung. Auch deshalb sei ihm die Entscheidung, sich nach fast 20 Jahren vom Profitriathlon zu verabschieden, nicht leicht gefallen. Zu rütteln, gibt es an seiner Entscheidung aber offenbar nichts mehr. "Es scheint mir der richtige Zeitpunkt zu sein, auf diesen müden, alten Körper zu hören und sich würdevoll zu verabschieden", so der 37-jährige Neuseeländer.

Auf dem Weg zum Olymp

Mit Docherty verlässt einer der erfolgreichsten neuseeländischen Triathleten aller Zeiten die sportliche Bühne. Als Junior feierte er 1997 bei den Weltmeisterschaften in Perth sein internationales Debüt. Schon vier Jahre später, bei der WM im kanadischen Edmonton, mischte Docherty als Siebter in der Weltspitze mit. Nach seinem zweiten Platz beim Weltcup in Hamburg 2003 ging der Stern des Kiwis 2004 endgültig auf. Auf Madeira krönte er sich nach einem atemberaubenden Sprintduell gegen den Spanier Ivan Rana zum Weltmeister, drei Monate später stand er in Athen mit der Silbermedaille um den Hals neben Landsmann und Olympiasieger Hamish Carter. "Das war sicher der ergreifendste Moment meiner Karriere", erinnert sich Docherty, der vier Jahre später in Peking noch einmal den Sprung auf das Podium schafft. Neben dem 2013 zurückgetreteten Kanadier Simon Whitfield ist er der einzige, der zweimal olympisches Edelmetall zu Hause hat und einer von wenigen Triathleten, die bei drei der vier olympischen Triathlonrennen dabei waren.

Olympia 2004 | Die drei schnellsten Olympioniken von Athen 2004: Die Kiwis Hamish Carter und Bevan Docherty mit dem Schweizer Sven Riederer

Die drei schnellsten Olympioniken von Athen 2004: Die Kiwis Hamish Carter und Bevan Docherty mit dem Schweizer Sven Riederer

Foto >Silke Insel / spomedis

Neben insgesamt fünf Weltcupsiegen, davon zwei in Edmonton, gewann Docherty 2009 (Tongyeong) und 2010 (Sydney) je ein Rennen der World Triathlon Series, die damals noch World Championship Series hieß. Im Dezember 2012 kehrte der Schützling von Mark Elliott nach einem 14. Platz beim World Triathlon im heimischen Auckland der Kurzdistanz endgültig den Rücken.

Bevan Docherty | 2010 schnappte sich Bean Docherty in Sydney einen der begehrten Siege in der World Championship Series

2010 schnappte sich Bean Docherty in Sydney einen der begehrten Siege in der World Championship Series

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Neue Ziele, neue Erfolge

Zwischen 2012 und 2014 tobte sich Docherty in der Ironman-70.3-Serie aus. Er gewann die Rennen in Panama (2012) und Boise (2013) und holte dazu zahlreiche Podiumsplätze. Bei den 70.3-Weltmeisterschaften 2012 wurde er hinter Sebastian Kienle und Craig Alexander Dritter. Im März 2013 erfüllte sich Docherty in seiner Geburtsstadt Taupo dann noch einen Lebenstraum. Er krönte sein Ironmandebüt mit dem Sieg und stellte in 8:15:35 Stunden zugleich einen neuen Streckenrekord auf. Im Mai 2014 wiederholte er dieses Kunststück beim Ironman Texas, den er in überragenden 8:09:37 Stunden gewann. Wenn es in der Karriere des Bevan Docherty überhaupt einen Wermutstropfen gibt, dann wohl den, dass er bei keinem seiner zwei Hawaiistarts das Ziel auf dem Alii Drive erreichte.

Bevan Docherty Ironman Texas | Beim Ironman Texas feiert Docherty im Mai 2014 seinen zweiten und letzten Ironmantitel.

Beim Ironman Texas feiert Docherty im Mai 2014 seinen zweiten und letzten Ironmantitel.

Foto >Jason R. Budd / FinisherPix.com

Kiwi über den Wolken

Langweilig wird es Docherty ohne seinen geliebten Triathlon in den nächsten Jahren sicher nicht werden. Mehr Zeit mit seinen drei und vier Jahre alten Kindern zu verbringen, steht ganz oben auf der "To-Do-Liste" des 37-Jährigen. Er freue sich auf ein "normales Leben" und darauf, den Triathlon einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, blickt Docherty voraus. Nicht nur dafür will der Hobbypilot demnächst seine kommerzielle Fluglizenz erwerben und warnt schon einmal. "Seien Sie also vorsichtig am Himmel, denn Kiwis können bekanntlicherweise nicht fliegen." Alles Gute, Bevan!