Ospaly siegt, Raelert testet

Dicht an dicht rauschte das Favoritenfeld über die Radstrecke. Erst beim Laufen erkämpfte sich der Tscheche Filip Ospaly seinen dritten Sieg in St. Pölten und ließ Triathlon-Größen wie Andreas Raelert und Faris Al-Sultan hinter sich.

Von > | 20. Mai 2012 | Aus: SZENE

120520_im703_st_poelten_ospaly_neu_cf | Filip Ospaly auf der Radstrecke beim IM 70.3 St. Pölten

Filip Ospaly auf der Radstrecke beim IM 70.3 St. Pölten

Foto >Carola Felchner | spomedis

Gegensätze ziehen sich an, heißt es. Wenn das stimmt, müsste der Ironman 70.3 in St. Pölten 2012 eines der anziehendsten Rennen überhaupt gewesen sein: Hier trafen absoluter Siegeswille und erste Standortbestimmung, Serien- und Überraschungssieger, Höhen und Tiefen aufeinander.

Letztere vor allem in Form der Radstrecken-Topografie mit rund 990 Höhenmetern auf 90 Kilometern beziehungsweise zwei Spitzen hinauf nach Krustetten und Gansbach. Dass das Hauptfeld auf dem Radkurs eng zusammen fuhr und eine Vorentscheidung ausblieb, dürfte einerseits der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass es mit dem nun dreimaligen St-Pölten-Sieger Filip Ospaly, dem amtierenden Ironman-Europameister Faris Al-Sultan und dem derzeit schnellsten Langdistanztriathleten, Andreas Raelert, sehr stark besetzt war. Andererseits dürfte aber auch die Präsenz einiger Tempo-erprobter Kurzstreckenprofis wie Denis Vasiliev (RUS) zur rasenden Clusterbildung beigetragen haben. So rauschten die Favoriten in einem dichten Pulk durch die „grüne Hölle“, niemand konnte sich entscheidend lösen. Unter anderem versuchte auch Al-Sultan einige Male den Alleingang, wurde vom Feld jedoch immer wieder geschluckt. „Es war nicht mein bester Tag, aber ich bin für meinen nächsten Saisonhöhepunkt in Klagenfurt auf Kurs“, sagte der Hawaii-Sieger von 2005 - dieses Mal im ungewohnten Zeitfahreinteiler - nach dem Rennen versöhnlich. Über übermäßiges Windschattenfahren und dadurch verschobene Radplatzierungen schimpfte dagegen Michael Göhner, der das St. Pöltener Rennen nach seinem zweiten Platz vergangene Woche auf Mallorca nur als Zehnter beendete.

"Nein, das ist mein Rennen!"

Ob starke Gegner oder Windschatten: Die zwei Mal zu absolvierende Laufrunde entlang des Flusses Traisen musste also die Entscheidung bringen. Und Ospaly schien von Beginn an entschlossen, sie zu seinen Gunsten ausgehen zu lassen. Als Erster spurtete er aus der zweiten Wechselzone und gab die Führung bis ins Ziel nicht wieder ab. Knapp 40 Sekunden vor Andreas Raelert, für den der Sieg zwar „traumhaft“ gewesen wäre, das Rennen (das erste seiner Saison) aber hauptsächlich als Standortbestimmung dienen sollte. Dass der Rostocker beißen musste, sah man ihm vor allem auf der Laufstrecke an. „Es war unglaublich hart und ich weiß jetzt, an welchen Stellschrauben ich noch drehen muss. Ich habe unglaublich viel Zeit in der Wechselzone liegengelassen. Aber ich bin mit dem Rennen zufrieden“, sagte er auf der abschließenden Pressekonferenz.

Für Filip Ospaly hat sein dritter Sieg in St. Pölten nicht nur aufgrund der hochkarätigen Gegner besondere Bedeutung, sondern auch weil „das Rennen nur zwei Stunden von meinem Zuhause entfernt ist. Es ist super hier, unglaublich für mich. Ich habe im Winter sehr an meiner Radleistung gearbeitet. Zwischen Kilometer 12 und 17 hatte ich allerdings beim Laufen Probleme, das Tempo zu halten, und Andreas ist bis auf ein paar Sekunden auf mich aufgelaufen. Aber da musste ich leider sagen: Nein, das ist mein Rennen!“

Ironman 70.3 St. Pölten | Männer

  1. Mai 2012, St. Pölten (AUT)

Name

Nation

Gesamt

Swim 1,9 km

Bike, 90 km

Run, 21,1 km

1

Filip Ospaly

CZE

3:54:46

23:32

2:15:52

1:11:33

2

Andreas Raelert

GER

3:55:25

24:12

2:14:47

1:11:52

3

Cyril Viennot

FRA

3:56:19

24:23

2:13:45

1:13:53

4

Alessandro Degasperi

ITA

3:57:26

24:07

2:15:08

1:13:50

5

Francois Chabaud

FRA

3:57:27

24:52

2:14:01

1:13:57

6

Bart Aernouts

BEL

3:57:55

26:39

2:15:29

1:11:27

7

Dorian Wagner

GER

3:58:27

24:19

2:15:59

1:13:37

8

Boris Stein

GER

3:59:16

27:05

2:15:09

1:12:35

9

Stephan Vuckovic

GER

4:00:38

24:20

2:16:54

1:14:33

10

Michael Göhner

GER

4:01:45

26:00

2:15:42

1:14:58

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Gajer setzt Ausrufezeichen

„Gern wiederkommen“ möchte Julia Gajer. Der Shootingstar, der vergangenes Jahr beim Langdistanz-Debüt in Roth überraschend den zweiten Platz hinter Chrissie Wellington holte, pirschte sich auch dieses Mal kontinuierlich an die Spitze heran, um schließlich Altmeisterin Natascha Badmann und die Ungarin Erika Csomor zu überholen und als Erste durch den Zielbogen zu laufen. „Es war erst mein zweites 70.3-Rennen und ich hatte Mordsrespekt vor den vielen großen Namen. Auf der Radstrecke habe ich mich glücklicherweise gut gefühlt und beim Laufen hatte ich keine Probleme mit der Hitze. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass ich gewinne“, so Gajer nach dem Rennen. Ein Ergebnis, das gespannt auf ihre weitere Saison macht, die am 10. Juni mit der Challenge Kraichgau Gajers erstem erklärten Highlight entgegensteuert. Die Mitfavoritin und mehrmalige St-Pölten-Siegerin Yvonne van Vlerken stieg nach einem Raddefekt aus.

Ironman 70.3 St. Pölten | Frauen

  1. Mai 2012, St. Pölten (AUT)

Name

Nation

Gesamt

Swim 1,9 km

Bike 90 km

Run 21,1 km

1

Julia Gajer

GER

4:23:15

26:40

2:31:19

1:20:22

2

Erika Csomor

HUN

4:24:09

28:42

2:28:20

1:21:58

3

Natascha Badmann

SUI

4:24:25

30:05

2:25:09

1:24:12

4

Sonja Tajsich

GER

4:25:09

31:03

2:26:52

1:22:03

5

Caroline Steffen

SUI

4:25:36

27:30

2:29:30

1:23:32

6

Anja Beranek

GER

4:28:56

25:40

2:28:22

1:29:39

7

Gina Crawford

NZL

4:30:38

26:40

2:33:00

1:25:12

8

Simone Braendli

SUI

4:32:16

25:46

2:34:21

1:26:31

9

Eimear Mullan

IRL

4:33:30

30:41

2:36:18

1:21:10

10

Jenny Schulz

GER

4:37:04

32:59

2:32:40

1:26:17

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