Patrick Lange: "Wenn es gut läuft, kann ich auch große Namen ärgern"

Als einer von acht gemeldeten Deutschen will Patrick Lange am kommenden Woche bei den Ironman 70.3 World Championship im kanadischen Mont-Tremblant für Aufsehen sorgen. Wie der Underdog das Rennen angehen will, was er vom neuen WM-Kurs hält und welche Schlagzeile er danach am liebsten über sich lesen würde, erzählt der Griesheimer im tri-mag.de-Interview.

Von > | 4. September 2014 | Aus: SZENE

Patrick Lange beim Römerman 2014 | Patrick Lange gewinnt den Römerman in Ladenburg

Patrick Lange gewinnt den Römerman in Ladenburg

Foto >Uwe Klein / fotouk.de

Unter den acht gemeldeten deutschen Profis ist Patrick Lange sicher derjenige, der bei der starken internationalen Konkurrenz am weitesten unter dem Radar fliegt. Und vielleicht ist genau das die Chance des 28-Jährigen, bei seinem WM-Debüt die Topfavoriten um Sebastian Kienle und Andy Potts ein bisschen zu ärgern.

Patrick Lange, die Generalprobe in Viernheim ging unverschuldet daneben. Ein gutes Omen für Sie?
Viernheim als Generalprobe ging im Ergebnis daneben. Egal warum – ob unverschuldet oder nicht. Aber wirklich wichtig für mich war der Radteil als Generalprobe – da konnte ich bis zur Fehlleitung sogar meine Führung ausbauen. Ich gehe also mit dem guten Gefühl nach Kanada, dass ich die größeren Namen ärgern kann, wenn es gut läuft.

Welche Taktik haben Sie sich für das Rennen überlegt?
Die Leistungsdichte ist in den letzten Jahren gestiegen, also erwarte ich ein Rennen auf sehr hohem Niveau, das an der Spitze sehr eng werden kann. Es ist meine erste WM-Teilnahme, deshalb ist dieses Rennen für mich von der taktischen Seite her schwer kalkulierbar. Dennoch habe ich bei den US Pro Championships in Utah, am Anfang der Saison schon Erfahrungen mit hervorragend besetzten Wettkämpfen sammeln können. Dort habe ich so gut wie keinen individuellen Fehler ausgelassen. Doch auch Utah war vielleicht von der Platzierung her schlecht, aber für die WM und alles was auf Meisterschaftsebene noch so kommen mag, äußerst lehrreich. Meine Renntaktik ist daher ganz einfach: mich selbst in eine Rennsituation bringen, in der ich meine Laufstärke voll ausspielen kann. Zugleich darf ich keinen der Fehler aus Utah wiederholen.

Zuletzt sind Sie mit einem modifizierten Rennrad gestartet – womit wollen Sie in Kanada angreifen?
Fuji hat mir in dieser Saison zwei tolle Räder gestellt. Für die letzten zwei Rennen war ein modifiziertes Modell "SST" das Rad der Wahl. In den steilen Anstiegen und technischen Abfahrten, wie man sie im Rhein-Neckar Triathlon-Cup häufig findet, war ich hier bestens aufgestellt. In Mont-Tremblant werde ich jedoch mit meinem Zeitfahrrad an den Start gehen, denn ich rechne mit einem Highspeed-Rennen. Deshalb habe ich auch am Modell "Norcom Straight" mit Fuji zusammen nochmal Hand anlegen lassen. Alles mit dem Ziel, perfekt vorbereitet zu sein - also ein speziell für das Rennen in Kanada abgestimmtes Zeitfahrrad.

Über den Kurs ist bisher nicht allzu viel bekannt… können Sie uns aufklären – und: ist das ein Kurs, der Ihren Fähigkeiten entgegenkommt?
Der Kurs in Mont Tremblant hat mit 900 Höhenmetern beim Radfahren und weiteren 600 Metern auf der Laufstrecke sicher den Respekt jedes Athleten verdient. Ich finde es gut, dass die WM auf einem ehrlichen Kurs ausgetragen wird, bei dem am Ende der kompletteste Triathlet gewinnt. Athleten, die in einer Disziplin eine Schwäche haben, werden es wahrscheinlich schwer haben. Von daher habe ich den Eindruck, dass der Kurs sehr gut zu mir, meinen Stärken und meinem aktuellen Leistungsstand passt.

Patrick Lange beim Heidelbergman 2014 | Mit seinem Sieg beim HeidelbergMan machte Patrick Lange die Titelverteidigung im Triathlon-Cup Rhein-Neckar klar.

Mit seinem Sieg beim HeidelbergMan machte Patrick Lange die Titelverteidigung im Triathlon-Cup Rhein-Neckar klar.

Foto >Marcel Hilger

Sie treffen dort auf das Beste, was die 70.3-Szene zu bieten hat… vor wem haben Sie am meisten Angst?
Ich respektiere jeden Athleten der es geschafft hat, sich für dieses Rennen zu qualifizieren, egal ob Amateur oder Profi. Aber wenn der Startschuss gefallen ist, sind wir alle gleich. Dann kommt es nur noch auf den Athleten an, alles andere ist mir egal! Wirklich Angst hatte ich in einem Rennen bisher nur einmal. 2013 bin ich beim Buschhütten Triathlon unterkühlt bewusstlos geworden und erst im Krankenwagen aufgewacht. Viele Athleten kenne ich als Trainingspartner, persönlich oder wir sind sogar gut befreundet - Angst vor anderen Athleten habe ich so gar nicht.

Welche Schlagzeile würden Sie nach dem Rennen gern über sich lesen?
Das ist eine schwere Frage. Klar würde ich gern lesen: „ Underdog Patrick Lange holt Gold bei der 70.3-Weltmeisterschaft“, aber realistischer ist wohl: „ Patrick Lange beim ersten WM-Start unter den besten 15 der Welt!“. Viel besser wäre noch “World’s most Top15 IM 70.3 Triathletes are Germans”.