Potts siegt überlegen

Lance Armstrong muss weiter auf seinen ersten Triathlonsieg warten: In St. Croix (USA) hatte der siebenmalige Tour-Sieger keine Chance gegen 70.3-Seriensieger Andy Potts. Auch gegen den Franzosen Stephane Poulat hatte Armstrong das Nachsehen.

Von > | 6. Mai 2012 | Aus: SZENE

AndyPotts_Hawaii2011 | Andy Potts schraubte seinen 70.3-Rekord in Kalifornien auf 16 Siege.

Andy Potts schraubte seinen 70.3-Rekord in Kalifornien auf 16 Siege.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es war ein einsames Rennen zwischen drei Athleten, und am Ende wurde es auch unter ihnen zu einer klaren Angelegenheit: Andy Potts (USA) bleibt auf der Ironman-70.3-Distanz seit nunmehr 23 Monaten unbesiegt und durfte seinen bereits 17. 70.3-Sieg feiern. Zwar versuchte ihn Lance Armstrong mit einer Attacke auf der Radstrecke unter Druck zu setzen - doch wie schon beim Ironman-70.3-Rennen in Texas konnte sich der siebenmalige Sieger der Tour de France nicht weit genug von den Konkurrenten lösen. Weil Potts und der Franzose Stephane Poulat beinahe perfekt zusammenarbeiteten, hatten beide letztlich kaum Probleme, den 40-jährigen Texaner in Schach zu halten.

Armstrong attackiert spät

Diese Harmonie zwischen Poulat und dem Überflieger auf der 70.3-Distanz, Andy Potts, zeigte sich schon beim Schwimmen. Gemeinsam setzten sich die beiden auf den ersten 1,9 Kilometern um mehr als eine Minute von der ersten Verfolgergruppe ab, zu der auch die Mitfavoriten Terenzo Bozzone (NZL), Frederik van Lierde (BEL) und Lance Armstrong gehörten. Doch der Amerikaner ließ das nicht lange auf sich sitzen: Sofort setzte er den beiden Führenden auf dem Rad nach und hatte die beiden auf regennasser Strecke schon früh in der ersten Rennhälfte, am Ende des legendären Anstiegs "The Beast", gestellt. Doch Potts und Poulat dachten gar nicht daran, Armstrong einfach ziehen lassen. Erst nach 65 Kilometern, 25 Kilometer vor den zweiten Wechsel, konnte sich der Amerikaner von seinen Begleitern lösen - eine späte, aber vehemente Attacke: Eine Minute erarbeitete sich Armstrong binnen acht Kilometern auf seine beiden einstigen Begleiter, etwas mehr als zwei Minuten hatte er bis zum zweiten Wechsel herausgefahren. Schon da war klar, dass das Rennen zu einem Dreikampf zwischen Armstrong, Poulat und Potts werden würde - die schnellste Verfolgergruppe um den Italiener Alessandro Degasperi lag zu diesem Zeitpunkt mehr als sechs Minuten hinter Armstrong zurück.

Und schnell war auch klar, dass Armstrong dieses Polster auf Poulat und Potts nicht lange würde halten können. Nach drei Laufkilometern hatte das immer noch gut harmonierende Duo schon 20 Sekunden auf den Amerikaner an der Spitze aufgeholt, nach sechs Kilometern waren sie auf 80 Sekunden an Armstrong herangekommen - und bei Kilometer 13 lief Potts, der sich mittlerweile um wenige Meter von Poulat abgesetzt hatte, am ehemaligen Radprofi vorbei. Fast vier Minuten verlor Armstrong auf den letzten acht Kilometern noch auf Andy Potts, der sich nun auch von Stephane Poulat verabschiedet hatte und seine beeindruckende Siegesserie ausbaute. Und auch Poulat ließ mit dem Überholmanöver nicht lange auf sich warten und lief ungefährdet auf Platz zwei. Armstrong, der wie schon in Texas auf der zweite Hälfte des Laufkurses zurückstecken musste, rettete den dritten Platz am Ende mit etwas mehr als eineinhalb Minuten Vorsprung vor dem schnellsten Läufer des Tages, Alessandro Degasperi, ins Ziel. Terenzo Bozzone beendete das Rennen etwas mehr als eine Minute dahinter als Fünfter, Frederik van Lierde erwischte einen schwarzen Tag und wurde mit 13 Minuten Rückstand auf Potts Achter.

Ironman 70.3 St. Croix | Männer

  1. Mai 2012, St. Croix, Jungferninseln (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21 km Run

1

Andy Potts

USA

4:03:31

24:29

2:26:12

1:12:50

2

Stephane Poulat

FRA

4:05:25

24:31

2:26:16

1:14:38

3

Lance Armstrong

USA

4:07:08

25:51

2:22:39

1:18:38

4

Alessandro Degasperi

ITA

4:08:53

27:22

2:28:51

1:12:42

5

Terenzo Bozzone

NZL

4:10:04

25:49

2:30:14

1:14:02

6

Oscar Galindez

ARG

4:12:31

28:00

2:28:15

1:16:17

7

Maxim Kriat

UKR

4:15:41

27:25

2:28:53

1:19:24

8

Frederik van Lierde

BEL

4:16:41

25:48

2:31:43

1:19:10

9

Andres Castillo

COL

4:16:48

25:45

2:30:57

1:20:06

10

Julien Guirriec

FRA

4:23:46

29:47

2:36:20

1:17:39

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Naeth auf der Felge zum Streckenrekord

Ähnlich spät, aber von mehr Erfolg gekrönt als die Attacke Armstrongs erfolgte die von Angela Naeth: Fast drei Minuten hatte die Kanadierin beim Schwimmen auf die US-Amerikanerin Mary Beth Ellis verloren, schloss aber trotzdem nach 60 Radkilometern zur Spitzenreiterin auf - und fuhr dann an ihr vorbei. Rund zwei Minuten erarbeitete sich Naeth auf den verbleibenden 30 Kilometern noch auf Ellis, obwohl die Kanadierin die letzten zehn Kilometer bis zum zweiten Wechsel mit einem Platten absolvieren musste. Zu viel Kraft gekostet hatte sie das aber nicht: Mit dem schnellsten Halbmarathon des Tages, nur neun Sekunden langsamer als Lance Armstrong, gewann sie nicht nur ungefährdet mit fünf Minuten Vorsprung vor Mary Beth Ellis, sondern stellte in 4:28:12 Stunden auch einen neuen Streckenrekord auf - begünstigt allerdings auch von den im Vergleich zu den Vorjahren deutlich niedrigeren Temperaturen. Die Deutsche Nina Kraft, die sich zwischenzeitlich auf dem dritten Platz gehalten hatte, musste den am Ende an die Kanadierin Sara Gross abgeben und sich bei fast 20 Minuten Rückstand auf Naeth mit Rang vier begnügen.

Ironman 70.3 St. Croix | Frauen

  1. Mai 2012, St. Croix, Jungferninseln (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21 km Run

1

Angela Naeth

CAN

4:28:12

29:47

2:39:38

1:18:47

2

Mary Beth Ellis

USA

4:33:34

27:07

2:44:15

1:22:12

3

Sara Gross

CAN

4:46:43

29:45

2:54:19

1:22:39

4

Nina Kraft

GER

4:47:44

27:05

2:54:15

1:26:24

5

Tamara Kozulina

UKR

4:47:51

34:59

2:48:14

1:24:38

6

Kim Loeffler

USA

4:49:24

34:57

2:51:17

1:23:10

7

Jenny Fletcher

USA

4:59:40

29:52

2:54:13

1:35:35

8

Stephanie Jones

USA

5:01:01

34:54

2:53:09

1:32:58

9

Marie Danais

CAN

5:01:50

29:50

3:01:25

1:30:35

10

Karen Smyers

USA

5:08:07

32:12

2:56:41

1:39:14

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