Profi-Premiere für Astrid Ganzow

Astrid Ganzow ist erst seit vergangenem Jahr Triathlon-Profi. Zumindest auf dem Papier. Die 35-jährige Ärztin arbeitet Vollzeit auf einer Intensivstation. Und hat es bei der 70.3-WM in Mont-Tremblant trotzdem auf Platz 20 bei den Frauen geschafft. Mit 15 bis 25 Wochenstunden Training.

Von > | 8. September 2014 | Aus: SZENE

Astrid Ganzow bei der 703-WM 2014 | Astrid Ganzow finishte ihre erste WM als Profi auf Platz 20.

Astrid Ganzow finishte ihre erste WM als Profi auf Platz 20.

Foto >Carola Felchner / spomedis

Anstrid Ganzow, wie war Ihre erste Weltmeisterschaft als Profi?

Das war sehr aufregend. Ich hatte ziemlich Respekt, das waren alles tolle Leute am Start. Ich bin da ein Nobody und mit Glück noch reingerutscht. Ich denke aber, dass ich mich ganz gut verkaufen konnte. Das Profil lag mir. Auf dem Rad habe ich mich richtig gut gefühlt, ich hatte nach dem Schwimmen nur leider ein bisschen zu viel Rückstand. Im Laufen habe ich dann aber ziemlich schnell gemerkt, dass das nicht ganz so mein Tag ist. Da haben einfach die Trainingsstunden auf dem Rad gefehlt. Die Beine waren müde. Aber mit Platz 20 bin ich schon happy.

Wie verläuft denn bei Ihnen eine typische Trainingswoche?

Die gibt es gar nicht. Es gibt Wochen, in denen ich ganz normal arbeite, von 8 bis 17 Uhr, und dann abends trainiere. Aber ich muss zum Beispiel jedes zweite Wochenende arbeiten. Das heißt, ich kann dann keine langen Einheiten reinpacken. Dann gibt es Spätdienstwochen, in denen ich vormittags was machen kann, aber leider auch Nachtdienstwochen.Das Wachsein schlaucht dann natürlich zusätzlich.

Auf wie viele Trainingsstunden kommen Sie aktuell im Schnitt?

15 bis 25, das kommt auf die Woche an. Ich habe auch immer mal eine freie Woche dazwischen, sonst wäre das alles gar nicht drin.

Wieso eine Profilizenz – trotz Ihres hohen Arbeitspensums?

Ich bin letztes Jahr in Luxemburg gestartet und dort Gesamtdritte geworden. Hinterher habe ich mich dann entschieden, die Profilizenz zu lösen, weil ich auch von so vielen angesprochen worden bin, ob ich das nicht probieren möchte. Auch, wenn ich schon was älter bin und erst seit 2011 im Sport, habe 2012 die ersten Rennen gemacht. Aber ich dachte mir: wenn nicht jetzt, dann nie mehr.

Und dann mit Roth gleich eine Langdistanz als ersten Wettkampf?

Das wäre das Ziel gewesen. Schon ein bisschen verrückt, ich weiß. Ich habe dann in der Vorbereitung aber schon ein paar kleinere Triathlons gemacht, bin einem Verein beigetreten, da in der Ligamannschaft mitgestartet, sodass ich zum Glück vorher auch was Kürzeres gemacht habe. Ich habe mir meine Trainingspläne mit der triathlon training und einem Online-Plan zusammengestückelt. Und bin zu meiner eigenen Überraschung in 9:56 Stunden ins Ziel gekommen.

Haben Sie dann im Jahr darauf, in dem Sie Ihre Altersklasse in Frankfurt und auf Hawaii gewonnen haben, anders trainiert?

Ja, ich habe eine professionelle Trainingsbetreuung seit dem Winter nach Roth, sodass ich mir keinen Kopf mehr darum machen muss, wann ich was und wie viel mache, sondern da entlastet werde und ich nicht mehr so viel grübeln muss.

Wie geht es jetzt, nach der 70.3-WM für Sie weiter?

Ich gucke schon auf die nächste Saison. Eigentlich war dieses Jahr das Ziel schon Hawaii, aber wir wussten, dass das ganz, ganz schwierig wird und nur mit viel Glück klappen kann. Das war leider nicht auf meiner Seite, aber nächstes Jahr möchte ich da wieder hin. Ich werde deshalb wahrscheinlich in drei Wochen auf Mallorca die Langdistanz machen, um da ein paar Punkte mitzunehmen. Außerdem werde ich meinen Hauptjob reduzieren. Ziel ist, dass ich ab Oktober auf 40 Prozent gehe. Ich hoffe, dass das auch klappt.

Ärgert es Sie, dass Sie nicht schon früher mit dem Triathlon angefangen haben?

Schon. Man weiß zwar nie wo man dann gelandet wäre. Aber ich hätte schon auch Spaß daran gehabt die kürzeren Distanzen mal mitzunehmen und früher in den ganzen Triahtlonzirkus einzusteigen. Na ja, besser spät als nie.