Raelert, Raña oder Dreitz?

Mit dem Ironman 70.3 Mallorca geht am Samstag die europäische 70.3-Saison in die zweite Runde. Kann Andreas Dreitz seinen Titel verteidigen? Oder gelingt Michael Raelert nach 2012 der zweite Sieg? Im Frauenrennen jagen Julia Gajer und Yvonne van Vlerken die Schweizer Seriensiegerin Daniela Ryf.

Von > | 7. Mai 2015 | Aus: SZENE

Michael Raelert und Andreas Dreitz | Michael Raelert und Andreas Dreitz feiern einen Doppelsieg bei der Premiere der Challenge Bahrain

Michael Raelert und Andreas Dreitz feiern einen Doppelsieg bei der Premiere der Challenge Bahrain

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Wenn Samstagmittag die Sieger des Ironman 70.3 Mallorca am Strand von Alcúdia über die Ziellinie laufen, geht es nicht nur um 3.000 US-Dollar Preisgeld. Es geht auch um ein Zeichen. Um eine wichtige Standortbestimmung zu Saisonbeginn, um eine ernstzunehmende Ansage an die Konkurrenz. Darum, eingeschüchtert zu werden, oder Eindruck zu schinden. So wie im vergangenen Jahr, als Andreas Dreitz das Männerfeld auf dem anspruchsvollen 90-Kilometer-Radkurs förmlich überollt hatte. Er sei wieder im "Race-Modus“ sagt der 26-jährige Deutsche vom Team Erdinger Alkoholfrei, offenbar bereit, den Titel zu verteidigen. Zu tun bekommt er es mit einem Landsmann, der sich diesen Sieg nach 2012 unbedingt zurückholen will: Michael Raelert, der auf der 70.3-Distanz an einem guten Tag kaum zu schlagen ist und schon beim Schwimmen in der Bucht von Alcúdia für Tempo sorgen wird. Und dann ist da noch Ivan Raña, der Spanier, der in diesem Jahr beim Ironman Südafrika Zweiter wurde, 2014 den Ironman Austria gewann und beim Ironman Hawaii mit der schnellsten Laufzeit beeindruckte.

Dass auch der Australier Joe Gambles sowie die drei Schweizer Manuel Küng, Mike Aigroz und Mathias Hecht vorn mitmischen wollen, sind die besten Voraussetzungen für einen neuen Streckenrekord. Der liegt seit 2011 bei 3:49:49 Stunden – aufgestellt von Raelerts älterem Bruder Andreas, der das Rennen im Norden Mallorcas damals gewann und 2014 als Dritter beendet hatte, bei der fünften Auflage aber nicht am Start steht. Ebenfalls für Deutschland als Profis am Start: Johann Ackermann, Markus Hörmann, Thomas Kaiser und Matthias Knossalla, der mit einem guten fünften Platz beim Ironman 70.3 Subic Bay im März auf den Philippinen anreist. Dazu Mathias Nagel und tri-mag-Blogger Fabian Rahn sowie Pascal Ramali, Patrick Lange, Alexander Schilling, Marcel Bischof, Christian Jais und Andreas Thissen.

Schweizer Uhrwerk gegen niederländische Rad-Rakete

Im Rennen der Frauen wird kein Weg an Daniela Ryf vorbeiführen. Die Ironman-7.3-Weltmeisterin gilt nach ihren Challenge-Siegen in Dubai und auf Fuerteventura als haushohe Favoritin – nicht nur, weil Vorjahressiegerin Lisa Hütthaler nicht am Start ist. Ryf den Sieg kampflos überlassen? Das wollen ihre Konkurrentinnen natürlich trotzdem nicht. Yvonne van Vlerken zum Beispiel hat in diesem Jahr bereits bewiesen, dass mit ihr bis zum Schluss zu rechnen ist: Bei der Challenge Batemans Bay in Australien schlug sie die Britin Liz Blatchford im Zielsprint und fuhr den ersten Sieg der Saison ein. Der unerschrockenen Niederländerin wird die bergige Radstrecke durchs Tramuntana-Gebirge liegen – sie war früher im Duathlon erfolgreich und muss sich inzwischen auch beim Schwimmen nicht mehr verstecken. Ebenfalls auf die Jagd nach Ryf machen sich die Belgierin Tine Deckers, Michelle Vesterby aus Dänemark und Van Vlerkens Landsfrau Mirjam Weerd.

Und Julia Gajer? Die hat in den vergangenen Monaten so hart trainiert wie nie zuvor. Nach ihrem beeindruckenden sechsten Platz beim Ironman Hawaii 2014 hat sie den Trainer gewechselt – ob das Programm von Erfolgscoach Wolfram Bott bei ihr funktioniert, wird sich am Samstag zeigen. Einige Wochen lang hat Gajer im März in der Gegend um Alcúdia trainiert und dürfte spätestens auf den 21,1 Laufkilometern, die in drei Runden an der Strandpromenade zurückzulegen sind, zur Höchstform auflaufen. Als starke Läuferin hat auch Kristin Möller gute Chancen, den Rennverlauf zu beeinflussen. Ebenfalls für Deutschland am Start: Diana Riesler, Verena Walter, Anna Kusch, Franziska Scheffler, Nicole Woysch und Natascha Schmitt, die im vergangenen Jahr Sechste wurde.

50 Slots für Zell am See

Kurz nach den Profis werden am Samstag in der Bucht von Alcúdia gut 3.400 Agegrouper aus 54 Ländern auf die 113 Kilometer lange Reise geschickt. 50 davon können sich auf der Lieblingsinsel der Deutschen für die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft Ende August in Zell am See qualifizieren. tri-mag.de ist in Alcúdia vor Ort, um aktuell vom Ironman 70.3 Mallorca zu berichten.