Raelert-Rekord zum Jubiläum?

Andreas Raelert ist der Star des Ironman Austria. Am Sonntag erwarten viele Beobachter ein extrem schnelles Rennen mit dem Rostocker und möglicherweise einen neuen Rekord. Der Favorit selbst bleibt lieber gelassen.

Von > | 28. Juni 2013 | Aus: SZENE

Renngalerie Ironman 70.3 Mallorca | Dort ist auch er: Andreas Raelert fährt in der Spitzengruppe...

Dort ist auch er: Andreas Raelert fährt in der Spitzengruppe...

Foto >Michael Rauschendorfer

Mit dem Plüschkamel in der Hand lief Faris Al-Sultan über die Ziellinie von Klagenfurt. Dieses Bild passte gut zum Rennen des Münchners, der in 8:11:31 Stunden im vergangenen Jahr das Hitzerennen beim Ironman Austria für sich entschieden hatte. Das Thermometer zeigte vor Jahresfrist bis zu 40 Grad Celsius an, aber dies ist nicht der einzige Grund, weshalb das Rennen am Wörthersee am Sonntag ganz anders laufen wird. Die Temperaturen sind mit erwarteten gut 20 Grad vergleichsweise geradezu kalt, vor allem aber ist die 15. Auflage des Ironman in Kärnten ganz anders besetzt.

Kein Vanhoenacker, kein Al-Sultan

Lanzarote-Sieger Faris Al-Sultan fehlt ebenso wie der sechsmalige Austria-Gewinner Marino Vanhoenacker, der eine Woche später in Frankfurt seinen EM-Titel verteidigen möchte. Zum Jubiläum haben die Organisatoren des Traditionsrennens im schönen Kärnten für ihr gut 50 Starter umfassendes Männer-Profifeld aber einen ganz besonderen Athleten eingeladen: Andreas Raelert. Mit diesem Namen verbinden viele die herausragende Leistung in der Welt der Langdistanz, 7:41:33 Stunden. Diese Fabelzeit erreichte der Rostocker im Sommer 2011 in Roth – an einem Tag, dessen Witterung ebenso durchwachsen daherkam, wie es am Sonntag der Fall sein könnte.

Radexpress mit Twelsiek und Graves

Das Klagenfurter Starterfeld ist gut besetzt mit Athleten wie dem Lemgoer Wahlamerikaner Maik Twelsiek, der ebenso wie der Brite Philip Graves gerade auf dem Rad stark sein wird. Platz fünf beim Ironman Los Cabos war für den 32 Jahre alten Twelsiek nurmehr ein erster Testlauf zu Beginn der Saison. Im Vorjahr dominierte Graves weite Teile des Klagenfurter Rennens: Er absolvierte den Radkurs bei drückender Hitze in 4:23:54 Stunden und wechselte als Führender zum Marathon, ihm gingen aber beim Laufen früh die Kräfte aus. Nun nimmt der 24-Jährige einen neuen Anlauf Richtung Podium. Ein geradezu perfektes Timing hatte vor Jahresfrist der Österreicher Franz Höfer, der just in dem Moment, in dem er die Ziellinie überquerte, um- und direkt in einen neben dem Einlauf platzierten Blumenkübel kippte. Bei seinem Ironman-Debüt wurde Höfer damals Vierter, nun liebäugelt der 33-jährige Lokalmatador mit dem Podium.

Als klarer Anwärter für eine Top-3-Platzierung wird der Italiener Daniel Fontana gehandelt, der hinter Faris Al-Sultan 2012 mit respektvollem Abstand von neun Minuten auf Rang zwei lief. Zuletzt überraschte Fontana mit einer leichten Formschwäche als Vierter beim Ironman 70.3 Italy, in dem der zweimaliger Sieger Horst Reichel im Halbmarathon klar passieren lassen musste. Im März wurde er Sechster des Ironman Los Cabos. Ein weiterer Kandidat für das Podium ist der Dritte von 2011, Marko Albert aus Estland. In 8:08:18 Stunden erzielte der frühere Kurzdistanzler damals ein starkes Resultat, wirkte aber im Vergleich zu Vanhoenackers 7:45er-Endzeit eher wie ein schneller Altersklassenathlet.

Rechnen oder rasen?

Rechenkünstler tüfteln bereits seit Tagen daran, wie schnell die Spitzengruppe im Schwimmen um Marko Albert wohl sein dürfte – und welche Zeit im Wasser eine Rekordjagd für Andreas Raelert ermöglichen würde. Vanhoenacker schwamm 2011 die immer flotten 3,8 Kilometer durch den Wörthersee in 46:49 Minuten. Dies sollte für Andreas Raelert, der 2011 in Roth 46:18 Minuten benötigte, sehr wohl im Bereich des Kalkulierbaren liegen. Aber dies ist alles Papierdiskussion. „Jeder Wettkampf ist anders, die Bedingungen, das Wetter“, sagt Andreas Raelert, der sich nicht auf Spekulationen einlassen möchte. Nachdem Raelert die Folgen einer Zahnoperation im Vorfeld der Challenge Kraichgau gut überstanden hat, fühlt er sich bereit, in Klagenfurt „um den Sieg zu kämpfen“. Seine Taktik soll zudem „offensiv“ sein und „von Beginn an konzentriert“. Aber über einen möglichen Rekordversuch möchte er nicht spekulieren, allein deshalb, weil jedes Rennen seine eigenen Bedingungen hat. In erster Linie will der Rostocker, der sich nach drei Sommerrennen in Frankfurt und Roth bewusst für den Ironman Austria entschieden hat, um „eine neue Erfahrung zu sammeln“, den Titel. Alles andere wäre eine Zugabe auf dem Weg nach Kona.