Raelert und Bockel am Walchsee, Möller in Zell am See

Die Triathlonsaison nimmt Kurs auf Hawaii. Beim Warm-up am kommenden Wochenende sind zwar nur wenige der für Kona qualifizierten Profis am Start. Langweilig dürfte es aber weder bei der Challenge Walchsee, noch bei der Generalprobe für die Ironman-70.3-WM in Zell am See werden. Rückkehrer Michael Raelert bekommt es im Kaiserwinkl mit Dirk Bockel zu tun, Kristin Möller testet vor dem Trip nach Kona im Salzburger Land ihre Form.

Von > | 28. August 2014 | Aus: SZENE

Michael Raelert Training | Michael Raelert beim Training am Chiemsee.

Michael Raelert beim Training am Chiemsee.

Foto >Ronny Kiaulehn

Die Würfel um die Hawaiiqualifikation sind gefallen - und die meisten, die am 11. Oktober um die wichtigste Triathlonkrone der Welt kämpfen, bereiten sich akribisch auf das große Saisonfinale im Pazifik vor. Während einige - darunter Sebastian Kienle - zuvor noch bei der 70.3-WM in Mont-Tremblant an den Start gehen, trainieren andere zu Hause. Dort hätten sich am liebsten auch manche verkrochen, die in den Mühlen der Qualifikation steckengeblieben oder aus anderen Gründen den Sprung nach Hawaii verpassten. Haben sie aber nicht. Denn sie wollen bei der Challenge Walchsee und dem Ironman 70.3 Zell am See zeigen, was sie am Ende einer langen Saison noch draufhaben - und dabei schon die ersten Punkte fürs nächste Jahr sammeln.

Michael Raelert zurück

Eine hartnäckige Knieverletzung beraubte Michael Raelert um die Chance, sich zum zweiten Mal für Hawaii zu qualifizieren. Er habe sich bewusst Zeit genommen, um wieder ein gutes Leistungsniveau zu erreichen, so der Rostocker vor seinem Comeback am Walchsee. Bruder Andreas, der nach aktuellem Stand ebenfalls nicht bei der Ironman-WM dabei sein wird, hat das Rennen im Kaiswerwinkl vor zwei Jahren gewonnen. Ein gutes Omen? Der letzte Sieg von Michael liegt mehr als ein Jahr zurück - datiert vom Juli 2013, als er den ersten und einzigen Ironman 70.3 Berlin gewann. Für den Titel am Walchsee muss er am Luxemburger Dirk Bockel vorbei. Der hat zwar noch die Challenge Roth in den Knochen - weiß aber, wie man Raelert schlägt. 2012 gewann Bockel den Ironman in Regensburg, Raelert wurde bei seiner Langdistanzpremiere damals Zweiter. Neben Raelert und Bockel melden der Leipziger Per Bittner, Markus Fachbach, Italiens Massimo Cigana und der Österreicher Michael Weiss Ambitionen auf die Nachfolge von Vorjahressieger James Cunnama an. Weiss, zuletzt Vierter bei der Crosstriathlon-WM in Zittau, nutzt sein Heimrennen als einen der letzten Härtetests für den Ironman Hawaii.

Vier gewinnt?

Für Yvonne van Vlerken ist der Kaiserwinkl so etwas wie eine zweite Heimat. Beflügelt von der Atmosphäre in ihrer österreichischen Wahlheimat sammelte die gebürtige Niederländerin am Walchsee schon drei Titel. 2013 besiegte sie im strömenden Regen die Britin Jodie Swallow. Dieses Mal schicken sich zwei deutsche Profifrauen an, ihr das Leben schwer zu machen. Daniela Sämmler blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück und würde diese am kommenden Wochenende gern mit einem weiteren Podiumsplatz abschließen. Mit dem Selbstbewusstsein einer Powerman-Europameisterin ist Jenny Schulz nach Tirol gereist. Auch die 30-jährige Frankfurterin ist bei der fünften Auflage der Challenge Walchsee zumindest eine Anwärterin aufs Podest.

Challenge Walchsee 2013 | Drei Siege hat Yvonne van Vlerken am Walchsee schon gesammelt - für Titel Nummer vier muss sie unter anderem Daniela Sämmler schlagen

Drei Siege hat Yvonne van Vlerken am Walchsee schon gesammelt - für Titel Nummer vier muss sie unter anderem Daniela Sämmler schlagen

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Wutti und ein deutsches Trio

Zell am See hat sich für das Saisonfinale herausgeputzt und hofft nach der Regenschlacht 2013 auf ein schönes Spätsommer-Wochenende am Alpenrand. 2015 soll im Schatten des Kitzsteinhorns die Ironman-70.3-WM stattfinden. Die Vorjahreszweite Eva Wutti will das Rennen in ihrer Heimat auch deshalb nicht verpassen. Trotz ihren Kollaps bei der Ironman-EM in Frankfurt geht die Wienerin als Favoritin auf den modifizierten WM-Kurs. Gejagt wird die 25-Jährige von einem deutschen Trio. Neben Anja Beranek und Sonja Tajsich hat sich auch Kristin Möller für den Start in Zell am See entschieden. Sie hat das Hawaiiticket nach hartem Kampf und drei vierten Plätzen auf Lanzarote, in Frankfurt und am Zürichsee in der Tasche. Vor allem auf der flachen Laufstrecke am Seeufer dürfte sie Wutti mächtig unter Druck setzen.

Ironman 70.3 Zell am See | Nach Platz zwei im Vorjahr nimmt Eva Wutti am Sonntag in Zell am See Anlauf zum Heimsieg.

Nach Platz zwei im Vorjahr nimmt Eva Wutti am Sonntag in Zell am See Anlauf zum Heimsieg.

Foto >Jan Sägert / spomedis

Raphael will 1. Frau werden

Auch bei den Profimännern hat zumindest ein Hawaiistarter den Weg nach Zell am See gefunden. Mit Siegen in Penticton und Luxemburg hat Marino Vanhoenacker das Ticket gebucht und wird am 11. Oktober wohl die letzte Chance bekommen, die Mutter aller Rennen zu gewinnen. Der 38-Jährige Belgier hat eine besondere sportliche Beziehung zur Alpenrepublik. Mit sechs Siegen ist er der Rekordchampion des Ironman Austria. Die 70.3-WM-Generalprobe ist für Vanhoenacker also auch eine Art Heimspiel. Um die Nachfolge des Iren Gavin Noble bewerben sich außerdem der Italiener Alessandro Degasperi und der Wertheimer Johannes Moldan. Jan Raphael wird in den Kampf um den Sieg wohl noch nicht eingreifen können. "Ich bin froh, dass ich vor zwei Wochen wieder schmerzfrei ins Training einsteigen konnte", so Raphael, der sich bei der Ironman-EM in Frankfurt an der Achillessehne verletzt hatte und sechs Wochen pausieren musste. Entsprechend vorsichtig und mit einer Brise Humor wagt der 34-Jährige eine Prognose für kommenden Sonntag: "Ich hoffe vor der ersten Frau das Ziel zu erreichen." Wenn das kein Ansporn für Wutti, Möller und Co. ist.