Raelert unter Druck, Schildknecht gelassen

Wer den Ironman in Zürich gewinnen will, muss an den Schweizern vorbei. Vor dieser Aufgabe steht Michael Raelert bei der 19. Auflage des Ironman Switzerland. Damit der Flieger nach Kona nicht ohne ihn abhebt, muss der Rostocker am Sonntag Rekordchampion Ronnie Schildknecht auf dessen Heimstrecke bezwingen.

Von > | 14. Juli 2015 | Aus: SZENE

Michael Raelert - Challenge Heilbronn 2015 | Michael Raelert - Challenge Heilbronn 2015

Michael Raelert - Challenge Heilbronn 2015

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Michael Raelerts Langdistanzgeschichte ist schnell erzählt. Sie begann im Juni 2012 in Regensburg mit einem soliden Rennen und Platz zwei hinter Dirk Bockel. Knapp vier Monate später endete die Hawaiipremiere des Rostockers beinahe im Straßengraben des Queen K Highway. Raelert schleppte sich durch bis auf den Alii Drive und finishte auf dem enttäuschenden 69. Platz. Im Sommer 2013 ging er mit großen Ambitionen bei der Ironman-EM in Frankfurt an den Start, konnte aber auch am Main nicht mit den Topstars mithalten und wankte als Siebter auf dem Römerberg durchs Ziel. Seitdem ward der zweifache Ironman-70.3-Weltmeister bei großen und kleinen Langdistanzen nur noch als Sidekick seines Bruders Andreas zu sehen. Am Sonntag nimmt Raelert in Zürich den nächsten Anlauf - zum ersten Ironmansieg - und dem Ticket für die Ironman-WM im Oktober auf Hawaii.

Raelert kontra Schildknecht

Will er in Kona dabei sein, muss in Zürich mindestens ein Podestplatz her. Aktuell rangiert Raelert mit 3.000 auf Platz 55 im Kona Points Ranking. Für den Titel werden am Sonntag 2.000 Zähler ausgeschüttet. Die könnten bei danach noch neun ausstehenden Ironman-Langdistanzen (Cutt-off: 23. August) zum Check-in im ersten Durchgang reichen. Weil die meisten Hochkaräter entweder schon sicher qualifiziert sind oder vor zehn Tagen beim Ironman in Frankfurt am Start waren, ist das Traditionsrennen der Eidgenossen für den 34-Jährigen eine lösbare Aufgabe. Kopfzerbrechen wird ihm vermutlich in erster Linie der Schweizer Seriensieger Ronnie Schildknecht bereiten. Der kennt den Kurs bei seinem Heimrennen in- und auswendig. Keiner stand an der Landiwiese so oft auf dem Siegertreppchen wie der 35-Jährige aus Samstagern, der auch deshalb gelassen ins Rennen gehen kann. Für seinen achten Sieg wird Schildknecht allerdings alles aufbieten müssen, denn Raelert ist nicht nur der bessere Schwimmer, sondern in Normalform auch der stärkere Läufer.

Außenseiter, Spitzenreiter?

Schon zum vierten Mal nimmt Schildknechts Landsmann Jan van Berkel den Ironman am Zürichsee in Angriff. Bei seiner Premiere vor drei Jahren überraschte er als Zweiter. Ein Tipp fürs Podium ist der frühere Kurzdistanzler damit allemal. Ihre heimischen Fans verzücken, wollen außerdem der Sieger des Ironman 70.3 Luxembourg, Manuel Küng, sowie Mauro Bärtsch, der Überraschungsdritte des Ironman Lanzarote 2015. Auch der Champion dieses Rennens, Alessandro Degasperi, hat sich in Zürich angekündigt, genau wie der Spanier Miguel Blanchart und David Plese aus Slowenien, die ebenfalls Ansprüch aufs Podium anmelden.

Ellis im Niemandsland?

An die Siege von Tara Lee-Marshall (2000) und Beth Zinkand (2002) kann sich am Zürichsee kaum noch jemand erinnern. Sie waren die beiden ersten und letzten US-Amerikanerinnen, die den Klassiker in der Schweiz gewannen. Am kommenden Sonntag wird wohl der dritte Titel folgen. Denn alles andere als ein Sieg von Mary Beth Ellis wäre eine Sensation. Weder ihre zuletzt starke Landsfrau Beth Gerdes, noch die beiden Deutschen Mareen Hufe und Nicole Woysch dürften die Mittel haben, Ellis zu bezwingen.