Rekord für Ryf, Gajer starke Zweite

Daniela Ryf heißt die neue Ironman-Europameisterin. Erwartungsgemäß konnte sich die Schweizerin auf dem Rad absetzen und das Rennen bis ins Ziel kontrolliert zu Ende bringen. Auf dem zweiten Platz überzeugte eine bärenstarke Julia Gajer, die die Schweizerin Caroline Steffen in ihre Schranken wies.

Von > | 5. Juli 2015 | Aus: SZENE

Steffen, Ryf, Gajer | Podium Frauen beim Ironman Germany in Frankfurt 2015

Podium Frauen beim Ironman Germany in Frankfurt 2015

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Die Favoritinnen wurden ihrer Rolle von Beginn an gerecht. Schon kurz nach dem Startschuss am Langener Waldsee formierte sich an der Spitze des Frauenfelds eine Vierergruppe aus Caroline Steffen, der Dänin Michelle Vesterby, Julia Gajer und Daniela Ryf. Eine Gruppe, gegen die die anderen keinen Chance hatten: Zwei Minuten Vorsprung hatten Steffen und ihre Begleiterinnen schon nach den ersten 1,5 Kilometern – und an dieser Situation änderte sich auch nach dem Landgang nichts. Im Sekundenabstand erreichten die vier das Ufer und erklommen den Sandweg hinauf in die Wechselzone. Auf den ersten Radmetern dann eine Schrecksekunde: Ryf stürzte kurz nach dem Aufsteigen und setzte das Rennen mit blutigen Knien und etwas Rückstand fort.

Steffen mit Defekt, Gajer in Führung

Wenige Minuten später wurde auch die zweite Schweizerin ungeplant ausgebremst: Caroline Steffen musste mit technischen Problemen am Hinterrad anhalten und Gajer und Vesterby am Straßenrand stehend vorbeiziehen lassen. Nach 30 Kilometern dann die Überraschung: Julia Gajer schob sich an Vesterby vorbei und übernahm selbstbewusst die Führung. Mutig, stark – und nicht unbedingt mit der falschen Taktik, um eine Chance gegen Ryf und Steffen zu haben. Nur auf ihre Laufstärke hätte sich Gajer bei dieser Besetzung jedenfalls nicht verlassen dürfen.

Verlassen konnte sich aber Ryf wie immer auf ihre Radleistung. Nachdem sich die Hawaii-Zweite wieder gefangen und den kleinen Zwischenfall beim Losfahren ohne große Blessuren überstanden hatte, arbeitete sie sich auf den nächsten 30 Kilometern wieder nach vorn und eroberte die Spitzenposition. Abschütteln ließen sich Gajer und Steffen von der Schweizerin allerdings nicht. Und so setzten sich die drei beinahe in Sichtweite zueinander bei hochsommerlicher Hitze immer weiter vom restlichen Feld ab, das bei Kilometer 90 schon zweieinhalb Minuten Rückstand hatte.

Angriff von Angry Bird

Zu Beginn der zweiten Radrunde dann das, womit alle gerechnet hatten: Ryfs Attacke, die weder Gajer noch Steffen kontern konnten. Innerhalb kurzer Zeit riss „Angry Bird“ eine Lücke von 30 Sekunden, die während der nächsten 60 Kilometer auf fünf Minuten anwuchs. Zu schnell für Gajer und auch Steffen, doch Gajer präsentierte sich in diesem Rennen auf dem Rad so stark wie nie zuvor – fast acht Minuten langsamer als Ryf zwar, aber überraschende drei Minuten schneller als die Schweizer Radrakete Caroline Steffen. Zu stark, um  noch einen gewohnt schnellen Marathon zu laufen? Nein.

Ryf, Gajer, Steffen – in dieser Reihenfolge machten sich die ersten drei Frauen auf die Laufstrecke. Gajer lief nicht langsamer als Ryf, im Gegenteil: Nach zehn Kilometern hatte sie ihren Rückstand sogar um wenige Sekunden verkürzt. Um Überfliegerin Ryf noch gefährlich werden zu können, reichte das allerdings nicht mehr, auch wenn Gajer die erste Hälfte des Marathons sogar schneller als die Führende lief. Auf den letzten beiden Laufrunden litten beide sichtlich unter der Hitze; Gajer offenbar etwas mehr, während Ryf das Tempo sogar noch erhöhte: Als die derzeit beste deutsche Langdistanztriathletin Gajer noch zehn Minuten zu laufen hatte, jubelte Ryf bereits vor Tausenden Triathlonfans am Frankfurter Römer. Ihre Siegerzeit: 8:51:00Stunden – und damit ist der sieben Jahre alte Streckenrekord von Chrissy Wellington Geschichte. „Ich hatte Hühnerhaut vor Angst, dass das nicht klappt, denn mein Coach Brett Sutton stand heute an der Strecke“, so die Siegerin erleichtert. „Er hat mich zwischendurch gebremst, aber auf der letzten Runde hat er mir das Go gegeben, es zu versuchen mit dem Rekord.“

Julia Gajer feierte mit Platz zwei nach Rang sechs in Kona den nächsten bedeutenden internationalen Erfolg und hat an diesem heißen Tag in Frankfurt das wohl beste Rennen ihres Lebens gezeigt. Für eine Überraschung sorgte die zweitschnellste Deutsche, Sonja Tajsich. Sie packte auf der Marathonstrecke trotz der hohen Temperaturen den Turbo aus und lief nach 9:19:29 Stunden auf den vierten Platz vor – ein starkes Rennen für die Regensburgerin, die damit ein kleines Comeback feierte. Ebenfalls erst beim Laufen schlug Kristin Möller zu. Der schnellste Marathon im Feld (3:01:14 Stunden) sicherte ihr am Ende Platz sechs. Mit Astrid Stienen auf Platz acht und Katharina Grohmann als Zehnte schafften es zwei weitere deutsche Profifrauen in die Top Ten.

Ironman European Championships | Frauen

  1. Juli 2015, Frankfurt (GER)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Daniela Ryf

SUI

8:51:00

0:52:46

4:47:50

3:06:06

2

Julia Gajer

GER

9:01:58

0:52:47

4:55:22

3:09:04

3

Caroline Steffen

SUI

9:11:55

0:52:42

4:58:52

3:16:26

4

Sonja Tajsich

GER

9:19:29

1:03:27

4:56:05

3:15:25

5

Ruth Brennan-Morrey

USA

9:21:09

1:06:31

5:04:26

3:04:59

6

Kristin Möller

GER

9:23:56

1:04:27

5:13:55

3:01:14

7

Tine Deckers

BEL

9:28:20

0:58:20

4:58:19

3:27:18

8

Astrid Stienen

GER

9:36:03

0:58:38

5:08:07

3:24:22

9

Tine Holst

DEN

9:54:30

1:03:44

5:12:14

3:34:14

10

Katharina Grohmann

GER

9:55:08

1:09:29

5:11:55

3:28:52

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