Ronnie Schildknecht: "Auf die Konstanz bin ich stolz"

Mit sieben Siegen in Serie beim Ironman Switzerland hat sich Ronnie Schildknecht in die Geschichtsbücher des Triathlons katapultiert. Doch bis zum erneuten Triumph des Lokalmatadors war es ein harter Weg, der ihm zugleich Auftrieb gibt für den Ironman Hawaii.

Von > | 30. Juli 2013 | Aus: SZENE

018_D4S8745 | Ronnie Schildknecht

Ronnie Schildknecht

Foto >Sebastian Kuhn

In der Ergebnisliste sah alles so einfach aus: Mit mehr als sieben Minuten Vorsprung auf den Spanier Ivan Rana gewinnt Ronnie Schildknecht den Ironman Switzerland. Hinter dieser strahlenden Fassade fühlte es sich für den 33-jährigen Seriensieger aber geradezu katastrophal an. Sein siebter Sieg war zugleich der, für den er am härtesten kämpfen musste, erklärt der Triumphator. Schildknecht durchleidet ein Rennen, das ihn fordert und auf dem Weg nach Hawaii fördert.

Ronnie Schildknecht, Sie haben als weltweit erster Athlet ein Ironman-Rennen sieben Mal nacheinander für sich entschieden. Wie fühlen Sie sich als Weltrekordler?
So etwas muss man erst einmal setzen lassen. Es ist direkt nach dem Rennen noch etwas ungewohnt, auch wenn mir vorher schon bewusst darüber war, was ich eventuell erreichen kann. Auf die Konstanz bin ich sehr stolz. Dass es jetzt sieben Siege geworden sind, zeigt, dass ich seit Jahren gute Leistungen abliefere. Und es ist ja nicht so, dass nur Fallobst nach Zürich kommt. Chris McCormack hat einmal gesagt, dass jeder kommen kann, und er sie alle immer schlägt. Das ist vielleicht ein bisschen extrem, aber ich fühle mich wohl hier in Zürich, das muss man schon sagen. Und eben auch an einem Tag, an dem Vieles schief läuft, kann ich es hier noch rumdrehen. Das muss ich vielleicht auf Hawaii auch einmal noch probieren.

Bei Ihren sieben Siegen in Zürich waren die Witterungsbedingungen selten einfach. Es war häufig extrem kalt, verregnet, stürmisch, gewittrig – und nun extrem heiß. War der siebte Sieg die Krönung Ihres bislang schwersten Rennens in Zürich?
Für mich war es nicht nur mental das schwerste Rennen, auch von den äußeren Bedingungen. Ich weiß nicht genau, wie heiß es heute auf der Strecke war, aber es war extrem. Bei solchen kleinen Sachen wie dem Eis auf der Laufstrecke, da gibst du schon alles dafür. Das haben die Organisatoren super gemacht, mit Eis in passenden Beuteln. Man glaubt gar nicht, wie wichtig solche Dinge sind. Für mich war es von großer Bedeutung, dadurch konnte ich meinen Körper runterkühlen. Ich bin ja eher ein schwerer Typ, obwohl ich extra für das Rennen zwei, drei Kilo abgenommen habe. Die Bedingungen waren heute enorm hart, ganz sicher war das mein am härtesten erkämpfter Sieg. Auch wenn es gegen Ende des Rennens locker ausgesehen haben mag; es war nie locker.

Schwer vorstellbar, dass es noch so gut ausgeht, wenn man auf den letzten 40 Radkilometern mit Krämpfen zu kämpfen hat.
Ich bin nach dem Radfahren wirklich überraschend gut losgelaufen, dafür dass ich vorher in beiden Oberschenkeln richtig heftige Krämpfe hatte. Aber ich kenne das, es ist beim Laufen eine ganz andere Muskelbelastung. Lediglich auf den letzten fünf Kilometern hat es etwas gezwickt.

Der Marathonkurs wirkt auf dem Papier recht einfach. Warum ist er trotzdem so anspruchsvoll für die Muskulatur?
Es geht hier beim Laufen hoch und runter, dazu kommen die vielen Kurven. Zürich ist alles andere als ein schneller Marathon, sonst wären wir hier ja schon lange unter acht Stunden. Dass ich das kann habe ich in Florida bewiesen. Aber es ist eben ein anspruchsvoller Kurs. Ich denke, meine Laufform war dieses Jahr wirklich gut und das war auch besonders wichtig, denn wenn ich mich sonst so schlecht auf dem Rad fühle, komme ich gar nicht mehr ins Rennen zurück. Vielleicht muss ich in meinem Kopf auch für Hawaii noch einmal kapieren, dass ein Rennen eben nie fertig ist, und dass ich immer einen schnellen Marathon laufen kann. Ich bin hier ja auch nicht locker gefahren und habe durch die Krämpfe auf dem Rad schon viel Zeit liegen gelassen. Auf Hawaii wäre mein Marathon sicher zu langsam gewesen, aber es war vielleicht gut für Hawaii, vorher so ein Hitzerennen zu haben.

Hawaii steht im Oktober bevor, an den hohen Leistungsanspruch konnten Sie sich wahrscheinlich schon etwas gewöhnen. Die vergangenen Tage und Wochen waren sicher mit hohen Erwartungen und auch Druck von außen verbunden?
Der Druck war schon da, ich habe das vor dem Rennen schon etwas runtergespielt. Es ist nicht der Umstand, dass es der siebte Sieg ist, es ist vielmehr die Bestätigung, der Wille, hier in Zürich siegen zu wollen. Ich möchte hier immer gewinnen, alles andere ist für mich eine Niederlage. Von daher ist der Druck, den ich mir selbst mache, schon riesig. Ich will hier gewinnen, das ist mir persönlich, aber auch für meine Sponsoren sehr wichtig. Ich stelle mich ja auch hin und sage, dass ich hier gewinnen möchte.

Dieser Druck wird sich vor Hawaii bald wieder neu aufbauen.
Das Wichtigste ist jetzt erst einmal die Erholung, sowohl mental als auch körperlich. Im Schwimmen schaue ich, dass ich dranbleibe, aber alles andere lasse ich jetzt erst einmal ruhig angehen, um wieder Frische zu bekommen. Die Form für Hawaii ist da. Die wird auch nicht mehr schlechter, vielleicht sogar noch etwas besser. Jetzt muss ich mich nur erholen.

In Kona waren Sie 2008 Vierter, aber Sie hatten auch schon einige katastrophale Tage auf Big Island. Mit welchem Ziel gehen Sie in die Vorbereitung?
Ich würde auf Hawaii schon gern mal wieder eine gute Nummer abliefern. Ich kann das, das ist keine Frage. Aber dort muss eben alles stimmen, und wenn es stimmt, dann kann ich wieder unter die besten vier laufen. Es gibt an diesem einen Tag immer noch ein paar bessere Athleten, aber ich habe dort schon lange nicht mehr reüssiert, obwohl ich inzwischen eigentlich der bessere Athlet bin. Im Moment ist Hawaii in meinem Kopf aber noch ein Stück weit weg, aber es kommt bestimmt sehr bald näher.