Ronnie Schildknecht: Nicht schon in Hawi im Delirium sein

Der Schweizer Ronnie Schildknecht nimmt die Glückszahl 8 als gutes Omen mit in den Ironman Hawaii. 2008 war er hier Vierter, im Juli hat er zum achten Mal seinen Heim-Ironman in Zürich gewonnen. An diese Leistungen möchte er am Samstag anknüpfen.

Von > | 8. Oktober 2015 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2015 - Ronnie Schildknecht - 01 | Ironman Hawaii 2015

Ironman Hawaii 2015

Foto >Volker Boch / spomedis

Wäre der Ironman Hawaii der Ironman Switzerland, dann wäre die Sache ganz einfach: Einige Zeit lang würden verschiedene Athleten das Rennen aufmischen, und dann, wahrscheinlich erst auf den letzten zehn Kilometern, käme der Ronnie und würde sie wegfegen. Hat er bereits acht Mal so gemacht in Zürich. Doch dieser Ronnie Schildknecht weiß genau, dass er jene Hausmacht, die er in Zürich immer ausspielt, auf Hawaii nur ein einziges Mal aufblitzen lassen konnte. 2008 wurde er hier Vierter, ein Ergebnis, das der 36-Jährige bei seinem zehnten Start auf Hawaii gern wiederholen würde. Oder es sogar einfach mal so machen, wie im Vorjahr der US-Amerikaner Ben Hoffmann: Mit einem soliden, guten, aber gar nicht einmal herausragenden Rennen auf Platz zwei laufen. Wie das funktionieren könnt, erzählt der Schweizer im Interview.

Ronnie Schildknecht, was muss im Rennen passieren, dass Sie am Samstagabend richtig zufrieden ins Bett gehen?

Ich denke, beim Schwimmen ist es für einfach wieder wichtig, nicht zu viele Minuten zu verlieren und möglichst in der zweiten Gruppe zu sein. Letztes Jahr war ich nicht mal in der zweiten Gruppe drin. Vier, fünf Minuten Rückstand, das wäre toll, aber wenn es mehr wäre, dann wäre es auch nicht so schlimm, in Zürich war es im Sommer auch mehr. Das Wichtigste ist einfach, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse. Genauso ist es auf dem Rad: Eine gute Gruppe wäre schön, aber wenn es die nicht gibt, ist das auch in Ordnung. Gute Radbeine wären mal nicht schlecht, da hatte ich hier noch nie ein richtig gutes Paar. Für mich ist das Ziel, dass ich die ganze Radstrecke mal sauber durchfahren kann und nicht nach Hawi schon halb im Delirium bin. Das Ziel ist ein ausgeglichener Wettkampf. Es gibt hier einfach verschiedene Möglichkeiten, gut zu sein, entweder mit einer Attacke auf dem Rad oder beim Lauf. Ich würde gerne wie in Zürich mal mein Rennen machen und am Schluss abrechnen.

In Zürich hat Ronnie Schildknecht bei seinen acht Siegen häufig erst auf den letzten zehn Laufkilometern zugeschlagen. Auf Hawaii ist es noch viel wichtiger, am Ende richtig gut zu sein?

Ja, genau. Ich kann hier nicht mit dem Rad mit der Brechstange versuchen, ein Ergebnis zu erzeugen. Das kann vielleicht gelingen, aber es ist ein Riesenrisiko. Wenn du denkst, dass du gewinnen musst, dann musst du hier auch richtig was riskieren. Aber, ich komme nicht, um zu gewinnen, ich möchte nur so weit vorn sein wie möglich. Ein Rennen wie im Juli in Zürich wäre perfekt, dort habe ich mich mental nicht in irgendwelche Tiefs herabziehen zu lassen.

Fast jeder redet hier im Vorfeld über Jan Frodeno, über Sebastian Kienle, aber wenig über die vielen anderen Mitfavoriten. Wie sehen Sie es?

Es ist doch normal, gerade als Medium musst du doch über einen Zweikampf reden, ein Duell kreieren. Wenn du sagst, das alle hier Favoriten sind, dann gibt das einfach keine gute Geschichte her. Es ist doch logisch, dass hier das beste Feld des Jahres am Start ist, das ist jedes Jahr so. Aber es stimmt schon, das Niveau wird immer höher, und natürlich kann man da auch über die anderen reden. Man sieht es ja: Im vergangenen Jahr war Ben Hoffman Zweiter, das hätte niemand gedacht. Wenn hier Ben Hoffman Zweiter werden kann, dann kann ich auch Zweiter werden. Das ist überhaupt nicht gegen ihn gerichtet, aber man darf sich eben nicht selber limitieren. Wenn du hier einen guten Tag hast, dann kann dir so etwas gelingen. Am Ende sind auch in Kona nur Menschen am Start.

Was macht denn dann den großen Unterschied zu anderen Rennen aus?

Man macht hier einfach viel mehr Fehler. In Zürich hatte ich schon viele sehr gute Rennen, und hier hatte ich schon ganz oft das Gefühl, dass ich im Rennen nicht bei mir gewesen bin. Es ist einfach etwas anderes hier. Letztes Jahr hatte ich auch kein Superrennen und war am Schluss trotzdem noch Zwölfter. Das war nicht Top 10, aber okay.

Gerade die Art des Rennens von Ben Hoffman im vergangenen Jahr müsste Ihnen viel Zuversicht geben, dass Ihnen genau so etwas auch gelingen kann?

Ja, sicher. Er hatte ein sehr solides Rennen, war aber in keiner Disziplin herausragend. Wichtig ist, dass du keine Fehler machst, und du musst Vertrauen in dich haben. Die meisten lassen hier alles am Anfang des Rennens alle Kraft verpuffen. In dieser Hitze geht das einfach nicht. Ich bin jetzt schon vier Wochen hier, und ich kann einfach nur sagen, dass es sich sogar rächt, wenn man nur zehn Minuten lang zu viel Gas gibt. Ich habe im Training Zehn-Minuten-Intervalle gemacht etwas über Race-Pace, und ich habe mich davon nur sehr langsam erholt. Du musst dich hier einfach unten halten und zusammen nehmen, dass du nicht zu viel ballerst.

Es war Ihre erste richtig lange Vorbereitung hier auf Big Island, die Sie gemeinsam mit Ihrem Teamkollegen Bart Aernouts absolviert haben. Angesichts der heftigen Wetterbedingungen in den letzten Tagen und Wochen war das eine gute Entscheidung?

Es war wirklich alles dabei, heiß, feucht, schwül. Aber es ging eigentlich sehr gut, ich hatte auch keinen Lagerkoller. Ich habe auch gar nicht so viel trainiert, eher qualitativ. Ich denke, dass ich auch da in der Vergangenheit viel falsch gemacht habe. Ich habe es diesmal genauso gemacht wie vor Zürich. Sonst habe ich immer noch mehr und noch härter trainiert, weil es ja Hawaii war. Aber diesmal habe ich mir geschworen, dass ich nichts anderes mache als vor Zürich, da klappt’s ja auch immer.

Den Ironman Texas haben Sie im Mai von der Renneinteilung her ähnlich gestaltet wie Ben Hoffmann letztes Jahr in Kona. In Texas waren Sie zwischendurch weit weg, am Ende aber auf dem Treppchen?

Vom Level war das natürlich schon etwas anderes, aber es war für mich kein perfekter Tag mit einer Zeitstrafe auf dem Rad und kleineren Problemen. Sonst wäre ich vielleicht noch Zweiter geworden. Aber das war unglaublich, es war auch so ein Hitzerennen, in dem du dich nie aufgeben darfst. Ich dachte da auf dem Rad, dass nichts läuft – und dann bin ich doch noch vorgelaufen von Platz 12 auf drei. Das war ähnlich wie Kona 2008, als ich Vierter wurde. Ich will am Samstag nicht als Erster vom Rad steigen, dafür aber besser laufen. Wenn es von der Palani Road beim Marathon raus auf den Highway geht, dann geht’s los für mich. Ich denke, der Lauf muss einfach stark sein – solide auf dem Rad, und dann ein Lauf um die 2:50 Stunden oder 2:48 Stunden. Dann bin ich vorne dabei.