Ronnie Schildknecht schreibt Geschichte

Der Schweizer Ronnie Schildknecht hat sein Heimrennen am Zürichsee gewonnen. Der 33-Jährige siegte bei der 17. Auflage des Ironman Switzerland zum siebten Mal in Folge. Keinem anderen Athleten in der Ironman-Geschichte ist eine solche Serie zuvor gelungen. Schildknecht musste für seinen Sieg jedoch hart kämpfen.

Von > | 28. Juli 2013 | Aus: SZENE

Ronnie Schildknecht | Ronnie Schildknecht gewinnt erneut den Ironman Switzerland

Ronnie Schildknecht gewinnt erneut den Ironman Switzerland

Foto >Sebastian Kuhn/drehmomente.de

Es war ein bisschen so wie immer beim Ironman Switzerland. Erst schwamm Lokalmatador Ronnie Schildknecht der Konkurrenz ein wenig im Zürichsee hinterher, dann zerpflückte er das Feld auf dem Rad. Im Laufen kontrollierte der 33-Jährige das Rennen anschließend. So leicht klingt die Zusammenfassung der 17. Auflage des Ironman in Zürich - aber absolut nur auf dem Papier.

Schildknecht hält Rückstand in Grenzen

In der Realität war der siebte Sieg des vermeintlich unschlagbaren Hausherren aus Samstagern am Zürichsee ein knallhartes Stück Arbeit. „Ich war unterwegs nicht sicher, ob ich es überhaupt ins Ziel bringe“, erklärte Ronnie Schildknecht später. Spätestens als kurz vor dem Rennen feststand, dass ohne Neoprenanzug geschwommen wird, war bereits klar, dass es für den Hawaii-Vierten von 2008 besonders auf diese erste Disziplin ankommen würde. Im Vorjahr hatte er im Wasser sechs Minuten aufgebrummt bekommen – damals noch mit Neoprenanzug, was etwas schwächeren Kraulern wie Schildknecht üblicherweise entgegenkommt. Zudem waren im Esten Marko Albert und dem dreimaligen Olympia-Starter Ivan Rana aus Spanien zwei weitere Spitzenschwimmer neben dem Schweizer Vorjahreszweiten Jan van Berkel am Start. Aber Schildknecht zeigte sich hellwach im warmen Zürichsee und festigte sich gleich einen Platz in der gutbesetzten Verfolgergruppe.

An der Spitze des Feldes sorgten Marko Albert, Jan van Berkel, Ivan Rana und die Schweizerin Celiné Schärer im Wasser für hohes Tempo. In der Tat war es die Ironman-Debütantin und frühere Weltcup-Starterin, die neben den  drei Jungs das Rennen bestimmte. Nach 52:18 Minuten kam Albert als Erster aus dem Wasser, 14 Sekunden nach ihm folgte van Berkel  vor Ivan Rana (52:19) und der zeitgleichen Schärer. In 55:59 Minuten kam Titelverteidiger Ronnie Schildknecht in aussichtsreicher Position aus dem Wasser. Dank eines rasanten Wechsels war er beim Start des Radfahrens bereits Fünfter. Sein Rückstand nach vorne war überschaubar und damit die Chance umso größer, dass er frühzeitig seine Ausnahmestellung auf dem Rad belegen konnte.

Krämpfe und Kreislaufbeschwerden

Im Vorjahr hatte Ronnie Schildknecht die Führenden auf dem Rad nach 130 Kilometern einholen können. Dieses Mal allerdings war Jan van Berkel bereits nach 113 Kilometern „reif“. Schildknecht fuhr auf der zweiten Radrunde auf einem Flachstück entlang des Zürichsees an ihn heran und setzte sich bald ab. Bei Kilometer 160 lag er noch 1:45 Minuten vor seinem Schweizer Mitstreiter, doch da hatten sich bereits massive Krämpfe in den Oberschenkeln beim Titelverteidiger eingestellt. Schildknecht musste immer wieder sein Bein strecken, musste immer wieder die Aeroposition aufgeben und verlor den Rhythmus – und van Berkel aus den Augen. Mit 2:10 Minuten Rückstand stieg er vom Rad, jedoch fing sich der Topfavorit beim Laufen rasch wieder und fand zu seinem gewohnten ökonomischen Stil. Van Berkel dagegen bekam auf der Laufstrecke die Hitze zu spüren. Bei etwa 35 Grad Celsius musste er das Rennen mit Kreislaufbeschwerden vorzeitig aufgeben.

Mit Eis und Salztabletten zum Sieg

Während der Führende Jan van Berkel nach der ersten von vier Laufrunden zunehmend Probleme bekam, schaffte Ronnie Schildknecht die entscheidende Wende. Bei Kilometer 10 packte er seinen Körper so gut es ging in Eis ein. „Das war ein turning point“, erklärte Schildknecht, „das war meine Rettung“. Er überholte van Berkel und mit einer Hawaii-ähnlichen Anzahl an Salztabletten bekam er auch die Krämpfe in den Griff. Hinter ihm drehte zwar der frühere Weltklasse-Kurzdistanzler Ivan Rana im Marathon ordentlich auf, aber Schildknecht war für den Spanier bereits nach dem Radfahren auf gut 10 Minuten Vorsprung enteilt.

Im Marathon hielt Ronnie Schildknecht auf seiner Paradestrecke Ivan Rana in Schach und lief in 8:33:39 Stunden zum klaren Sieg vor dem ehemaligen Kurzdistanz-Weltmeister (8:40:55). Dahinter schaffte Per Bittner das beste Resultat seiner Karriere. Der Sechste des Ironman Melbourne kam in 55:47 Minuten wenige Sekunden vor Ronnie Schildknecht aus dem Wasser, lieferte eine gute Radleistung ab (4:49:07 Stunden) und legte den besten Marathon des Tages nach. In 2:57:54 Stunden lief der 28-jährige Leipziger beständig nach vorne – und auf Platz drei.

Ironman Switzerland

  1. Juli 2013, Zürich (Schweiz)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Ronnie Schildknecht

SUI

8:33:39

0:55:59

4:32:16

3:01:59

2

Ivan Rana

ESP

8:40:55

0:52:37

4:45:57

2:59:09

3

Per Bittner

GER

8:46:23

0:55:47

4:49:07

2:57:54

4

Maxim Kriat

RUS

8:47:54

0:55:55

4:46:58

3:01:26

5

Marko Albert

EST

8:50:15

0:52:18

4:52:10

3:02:10

6

Viennot Cyril

FRA

8:52:24

0:55:50

4:49:27

3:03:17

7

David Plese

SLO

8:57:16

1:00:20

4:43:48

3:08:58

8

Mike Schifferle

SUI

9:01:13

1:02:52

4:46:14

3:07:21

9

Petr Vabrousek

CZE

9:12:26

1:01:16

4:56:02

3:10:15

10

Wim van de Wielle

BEL

9:13:54

1:04:34

4:57:51

3:06:04

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