Rookie Ryf räumt in Zürich ab

Die Ironman-70.3- Europameisterin Daniela Ryf hat ihre Premiere auf der Langdistanz mit einem eindrucksvollen Erfolg gekrönt. Nur einen Tag nach ihrem Sieg beim 5i50 Zürich gewann die Schweizerin den Ironman Switzerland überlegen.

Von > | 27. Juli 2014 | Aus: SZENE

Daniel Ryff | Daniel Ryff gewinnt ihr erstes Ironmanrennen.

Daniel Ryff gewinnt ihr erstes Ironmanrennen.

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Brett Sutton gilt als einer der härtesten Trainer im weltweiten Sport. Aber dieses Mal dürfte er dann doch verschmitzt gegrinst haben, als sein Schützling Daniela Ryf auf die letzte Laufrunde des Ironman Switzerland ging. Die Konkurrenz war längst geschlagen, die erfolgreiche Premiere auf der langen Kante im Sacke und obendrein noch der Titel im 5i50-Europameisterschaftsrennen. Allen, die ihm und seinem Schützling Ryf zuvor wegen dieser etwas riskanten Wochenendplanung zuvor den Vogel gezeigt haben mochten, hatte es Sutton gezeigt – mit einer brillanten Taktik.

Schärer von vorn

Im Wasser sorgte die Schweizer Ausnahmeschwimmerin Céline Schärer von Beginn an für das erwartet hohe Tempo. Die Vorjahreszweite setzte sich sofort nach dem Start in der Männerspitze fest und absolvierte die beiden Schwimmrunden im Zürichsee Seite an Seite mit dem Ironman-Weltmeister von 2012, Pete Jacobs. Als Gesamtsechste kam sie nach 51:23 Minuten aus dem Wasser und lag damit noch deutlicher vorne, als ihre Konkurrenz vermutet hatte. Die Schwimmzeiten waren insgesamt sogar noch etwas langsamer als erwartet, entsprechend souverän lag Schärer in Front. Daniela Ryf folgte als Zweite bereits mit 5:18 Minuten Abstand, Regula Rohrbach lag als Dritte satte 9:07 Minuten zurück.

Auch auf dem Rad machte die Spitzenschwimmerin lange die Pace. Die 24-Jährige lag auf den ersten 60 Kilometern klar vorne. Von hinten zeigte unterdessen ihre Landsfrau Regula Rohrbach, dass sie hier mehr erreichen wollte als jenen vierten Rang, den sie 2012 in Zürich belegt hatte. Rohrbach reduzierte konstant den Rückstand und zog nach 80 Kilometern an Schärer vorbei. Zu diesem Zeitpunkt lag Topfavoritin Daniela Ryf vier Minuten zurück, und es sah ganz danach aus, als wäre die planerische Kombination, am Samstag die Europameisterschaft im 5i50 zu gewinnen und tags drauf ein großes Ironman-Debüt zu geben, nicht perfekt. Doch es schien vor allem Ryfs Taktik und der ihres Trainers Brett Sutton geschuldet zu sein, dass sie sich auf dem Rad anders als tags zuvor lange zurückhielt. Von hinten holten unterdessen andere wie Natascha Badmann - nach fast 14 Minuten Rückstand im Wasser -  Minute um Minute auf. Ryf blieb aber ruhig und im Hintergrund. Erst nach gut zwei Dritteln der Radstrecke kam sie aus der Schlagdistanz heraus, passierte Rohrbach und zog davon. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch Badmann entscheidend nach vorne gearbeitet und lag nur wenige Sekunden hinter der Europameisterin im Ironman 70.3.

Badmann dreht auf

Nach 140 Kilometern sah es so aus, als würden Daniela Ryf und Natascha Badmann zusammen vom Rad steigen können, doch dann drehte die Jüngere entscheidend auf. Als die 27-Jährige vom Velo stieg, hatte sie 3:48 Minuten Vorsprung auf ihre 20 Jahre ältere Landsfrau. Der Rest des Feldes war wesentlich deutlicher distanziert, lediglich Sonja Tajsich blieb als Dritte mit 8:13 Rückstand im einstelligen Bereich. Der Weg war damit frei für Ryf, die nun das ausspielte, was sie beim 5i50 nicht hatte zeigen müssen: ihre läuferischen Fähigkeiten. Bereits nach der ersten von vier Laufrunden war sie auf mehr als sechs Minuten davongezogen. Am Ende setzte sie sich souverän durch und beeindruckte nicht nur durch die Endzeit von 9:13:30 Stunden, sondern vor allem durch ein taktisch glänzendes Debüt. 

Sonja Tajsich | Sonja Tajsich meldet sich mit Rang drei in Zürich zurück.

Sonja Tajsich meldet sich mit Rang drei in Zürich zurück.

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Tajsich und Möller stark

Auch Natascha Badmann wurde letztlich zum Rookie auf der Zürcher Finishline, war es doch ihr erster Start überhaupt beim Ironman Switzerland. Sie lief ihn auf dem zweiten Rang nach Hause, auch wenn es auf den finalen Kilometern zwei Deutsche gab, die ihr mächtig Druck machten. In 9:28:37 Stunden überquerte Badmann lächelnd die Ziellinie und wurde ein weiteres Mal in ihrer Karriere zum Publikumsliebling. Mit einer beeindruckenden Leistung hatte sie nur drei Wochen nach Platz sechs bei der Ironman-EM in Frankfurt in 4:55:00 Stunden die beste Radzeit des Tages erreicht und damit den Grundstein für Silber gelegt. Sonja Tajsich kam beim Laufen drei Kilometer vor Schluss bis auf 55 Sekunden an sie, aber am Ende nicht mehr ganz an die Schweizerin heran, zeigte nach ihrem schweren Lauf in Frankfurt aber eindrucksvoll, dass sie nicht nur läuferisch zurück ist. In 9:29:15 Stunden kam sie zum Bronzerang. Hinter ihr flog gleich die nächste Deutsche ins Ziel, die wieder einmal im Marathon alles abräumte, was sich vor ihr in den Weg stellte: Kristin Möller. Dank der Laufbestzeit von 3:00:28 Stunden kam sie nur 60 Sekunden nach Tajsich über die Finishline gerauscht, obwohl sie bereits nach dem Schwimmen mehr als 15 Minuten Rückstand auf die Spitze gehabt hatte.