Ryf rockt Wiesbaden, Bazlen muss aufgeben

Daniela Ryf hat sich mit einem perfekt eingeteilten Rennen ihren ersten Ironman-70.3-Europameistertitel geholt. Die Schweizerin verwies in Wiesbaden die lange Zeit führende Annabel Luxford (AUS) und die Schottin Catriona Morrison auf die Plätze zwei und drei. Beste Deutsche wurde Debütantin Anja Dittmer als Neunte, Mitfavoritin Svenja Bazlen musste wegen eines technischen Defekts nach wenigen Radkilometern aufgeben.

Von > | 11. August 2013 | Aus: SZENE

ryf | Daniela Ryf

Daniela Ryf

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Zwei Jahre nach Karin Thürig hat im Kurpark von Wiesbaden wieder eine Schweizerin zugeschlagen. Mehr als vier Rennstunden lauerte Daniela Ryf hinter der Australierin Annabel Luxford. Erst drei Kilometer vor dem Ziel fing sie ihre frühere Kurzdistanz-Kollegin noch ab und entriss ihr den Sieg. Es wäre der erste einer Nicht-Europäerin gewesen.

Beim Schwimmen im Raunheimer Waldsee übernahmen schon nach wenigen Metern die tempoharten früheren ITU-Profis um Luxford, Rahel Küng, Svenja Bazlen und Anja Dittmer das Kommando. Auch Daniela Ryf biss sich an der Führungsgruppe fest. Nach etwa 22 Minuten stürmte Luxford als Erste Richtung Wechselzone. In ihrem Schlepptau: die Schweizerin Rahel Küng, die im weiteren Rennverlauf aber keine entscheidende Rolle mehr spielen sollte. Bazlen büßte im Wasser am Ende noch 60 Sekunden auf das Führungsduo ein. Bei Ryf und Dittmer klickten die Radschuhe nur wenige Sekunden später in die Pedale der Zeitfahrmaschinen.

Bazlen frustriert, Dittmer ohne Biss

Eine glänzende Ausgangssituation für Ryf und Bazlen, deren Radqualitäten schon im ITU-Zirkus gefürchtet waren. Doch schon nach zehn Kilometern drohte die Allianz auf Zeit zu zerreißen. Schuld war die elektronische Schaltung der Deutschen. Denn die versagte ihren Dienst. "Den Akku habe ich noch am Tag vor dem Rennen aufgeladen", so Bazlen frustriert. "Die Elektronik war kaputt." 15 Kilometer drückte die Tübingerin ihr Bike im "fast schwersten Gang" die Hügel des Rheingau-Taunus-Kreises hinauf.

Svenja Bazlen | Keine 30 Kilometer dauerte die Wiesbaden-Premiere von Svenja Bazlen. Dann gab ihre elektronische Schaltung den Geist auf.

Keine 30 Kilometer dauerte die Wiesbaden-Premiere von Svenja Bazlen. Dann gab ihre elektronische Schaltung den Geist auf.

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Dann stellte sie es doch enttäuscht am Straßenrand ab. Das Ende ihrer Träume vom EM-Titel. An der Spitze bekam Luxford davon nichts mit. Sie habe keine Zwischenzeiten erfahren, nicht gewusst wo die anderen liegen, erzählte die Australierin später. Bei Kilometer 38, kurz vor der langen Auffahrt zur berüchtigten Wiesbadener Platte, lag Ryf knapp zwei Minuten hinter der Siegerin der 70.3 Asia-Pacific Championship von Auckland. Anja Dittmer hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehr als fünf Minuten Rückstand. Ihr habe insgesamt ein bisschen der Biss gefehlt, gab die Neubrandenburgerin nach ihrer 70.3-Premiere zu.

Schweizer Steigerungslauf

30 Kilometer vor dem zweiten Wechsel hatte Ryf ihren Rückstand auf Luxford auf weniger als eine Minute halbiert. Leicht sei ihr das aber nicht gefallen. "Ich habe alles gegeben, was in mir steckte", so die Schweizerin. Sie habe jede Kurve versucht möglichst optimal nehmen wollen. Und das gelang ihr offensichtlich ausgesprochen gut. Beim zweiten Wechsel - nur einen Steinwurf vom Wiesbadener Kurpark entfernt - konnte sie die Australierin schon beinahe vor sich sehen. Doch sie ließ die Australierin noch einmal ziehen. "Ich wollte nicht zu schnell anlaufen", so Ryf gegenüber tri-mag.de. Nach der zweiten Laufrunde hatte Luxford die Lücke wieder auf fast eine Minute vergrößert und im Ziel stellte man sich schon auf einen australischen Sieg ein. Dann setzte Ryf zu einem Steigerungslauf an, mit dem sie sich sogar selbst überraschte. Sie habe gar nicht glauben können, dass noch so viel in ihr steckt. Drei Kilometer vor dem Ziel zog sie dann tatsächlich noch an der bedauernswerten Luxford vorbei. Die ergab sich in ihr Schicksal, hatte nicht mehr die Energie zu kontern.

Nach 4:31:34 Stunden holte Ryf den EM-Titel über die 70.3-Distanz zum zweiten Mal in die Schweiz. Zugleich verbesserte sie den Streckenrekord von Anja Beranek aus dem Vorjahr gleich um viereinhalb Minuten. Ihre Schlüssel zum Erfolg: Der schnellste Bikesplit und die zweite Laufzeit des Tages. "Natürlich hätte ich auch gern gewonnen", gestand die geschlagene Annabel Luxford im Ziel. Dennoch sei sie glücklich mit dem zweiten Platz. Daniela habe den Titel verdient. Die Schottin Catriona Morrison - wie Ryf und Luxford einst auf der ITU-Kurzdistanz erfolgreich - meldete sich nach langer Verletzungspause mit einem beachtlichen dritten Platz zurück. Mit den Plätzen acht, neun und zehn rundeten drei deutsche Damen die TopTen der siebten 70.3-Europameisterschaften ab: Anja Dittmer, Jenny Schulz und Juliane Straub.

Ironman 70.3 European Championship | Frauen

  1. August 2013, Wiesbaden (GER)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Daniela Ryf

SUI

4:31:34

23:44

2:43:18

1:21:25

2

Annabel Luxford

AUS

4:32:43

22:12

2:44:07

1:22:58

3

Catriona Morrison

GBR

4:36:27

24:52

2:46:56

1:21:02

4

Tamsin Lewis

GBR

4:39:28

23:53

2:47:44

1:24:39

5

Lisa Hütthaler

AUT

4:42:40

24:55

2:47:12

1:27:18

6

Kaisa Lehtonen

FIN

4:44:44

24:35

2:50:27

1:26:20

7

Susie Hignett

GBR

4:46:00

26:45

2:52:50

1:22:13

8

Anja Dittmer

GER

4:47:16

23:46

2:56:26

1:23:54

9

Natascha Schmitt

GER

4:48:02

24:49

2:54:28

1:25:30

10

Juliane Straub

GER

4:49:52

24:37

2:54:15

1:27:31

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