Schmid entthront Weiss, Abraham wieder da

Stefan Schmid hat als erster deutscher Triathlonprofi den Ironman Cozumel gewonnen. Der Peißenberger erwischte in Mexiko einen fast perfekten Tag und vermasselte dem Österreicher Michael Weiss den Hattrick. Mit einem britischen Doppelsieg endete das Rennen der Frauen. Ein starker Marathon reichte Corinne Abraham zum Titel.

Von > | 30. November 2015 | Aus: SZENE

Stefan Schmid Run | Stefan Schmid

Stefan Schmid

Foto >Larry Rosa

Mit seinem Sieg auf Cozumel steht Stefan Schmid nun in einer Reihe mit Jan Frodeno, Boris Stein, Timo Bracht und Swen Sundberg. Sie alle gewannen in dieser Saison zumindest einen Ironmansieg. In Mexiko stand bis gestern noch kein Deutscher ganz oben auf dem Podium. "Wahnsinn!" Mehr brachte Schmid nach seinem Triumph zunächst nicht heraus. Der Peißenberger war als Kandidat auf einen Top3-Platz ins Rennen gegangen - mit dem Sieg hatte aber auch er offenbar nicht gerechnet. Zumal Schmid erst vor fünf Wochen beim Ironman Chattanooga (USA) einen Nerven aufreibenden Dreikampf geliefert hatte. Nur wenige Sekunden trennten dort am Ende die drei schnellsten Männer. Im Vergleich dazu war der Ironman Cozumel 2015 eine eindeutige Sache.

Kontrolliert und abgebrüht

Nur einmal hatte Schmid im Rennverlauf das Nachsehen. Doch die knapp vier Minuten Rückstand, die er beim Schwimmen auf den US-Amerikaner Brandon Barrett verlor, brachten den 28-Jährigen nicht aus dem Konzept. Konzentriert reihte er sich in eine illustre Führungsgruppe ein, zu der unter anderem auch Titelverteidiger Michael Weiss (AUT), der Aussie Chris McDonald, Tyler Butterfield (Bermudas) und der Schwede Patrik Nillson gehörten. Der war auch der einzige, der Schmid in der dritten und letzten 60-Kilometerschleife folgen konnte. Selbst Ex-Mountainbiker Weiss musste zurückstecken und kassierte bis zum zweiten Wechsel mehr als fünf Minuten auf den Deutschen. Bis zur Halbmarathonmarke schien es, als würde das Rennen erneut in einer Sekundenentscheidung enden. Doch als Schmid beim Kilometer 21 das Tempo forcierte, steckte Nillson auf. Etwas später ging beim Skandinavier dann gar nichts mehr. Schmid spulte den Marathon konstant und ohne längere Schwächephase herunter, sodass auch der von hinten heranstürmende Matt Russell (USA) mit seiner überragenden Laufbestzeit von 2:47 Stunden nicht mehr herankam. Nach starken 8:12:27 Stunden stand Schmids erster Ironmansieg fest. Gut 100 Sekunden später stürmte Russell zu einem der größten Erfolge seiner Profikarriere. Weiss musste sich nach zwei Siegen in Serie mit dem dritten Platz begnügen.

Schärer im Pech, Abraham eindrucksvoll

Auch bei den Frauen fuhr die spätere Siegerin zunächst einem üppigen Rückstand hinterher. Satte sechseinhalb Minuten kassierte die nicht für ihre Schwimmstärke bekannte Corinne Abraham auf Leanda Cave (GBR) und Céline Schärer. Und wer weiß wie das Rennen ausgegangen wäre, hätte die Schweizerin ihr Saisonfinale nicht schon nach knapp 60 Kilometern entnervt aufgeben müssen. Zwei Plattfüße und auch nach 40 Minuten Warten am Straßenrand kein Ersatzlaufrad in Sicht. Das Aus für die Vierte von 2013 und 2014. So bestimmte bis in die dritte Radrunde eine sechs Frauen starke Gruppe den Rennverlauf. Darunter auch Carolin Lehrieder. Doch die junge Deutsche war 50 Kilometer vor dem zweiten Wechsel die erste, die den Anschluss verlor. Nachdem Abraham zu den Führenden aufgeschlossen hatte, wagte Landsfrau Emma-Kate Lidbury einen Angriff. Mit einem kleinen Vorsprung ging die frühere Siegerin des Ironman 70.3 Mallorca dann in den Marathon. Cave, Pedersen, Abraham und die Kanadierin Heather Wurtele machten sich auf die Verfolgung. Bei Kilometer zehn durfte Cave am Sieg schnuppern. Allerdings nur kurz. Denn schon wenig später musste sie die deutlich schnellere Abraham passieren lassen. Die lief an diesem Tag in einer eigenen Liga und brachte das Rennen am Ende sicher ins Ziel. Knapp sieben Minuten fehlten ihr dort zur Neun-Stunden-Grenze, etwas mehr als sieben musste sie auf ihre Landsfrau und Zweite Leanda Cave warten. Die Dänin Pedersen beendete ihre Saison auf dem Podium und kann damit schon fast sicher für Kona 2016 planen. Lehrieder verpasste die Top 5 trotz eines guten Marathons (3:23:15 Std.) knapp und geht mit einem sechsten Platz in den Weihnachtsurlaub.