Sebastian Kienle: "Topfavorit bin ich hier definitiv nicht"

Ironmanweltmeister Sebastian Kienle eröffnet seine Rennsaison an diesem Sonntag beim Cannes International Triathlon. Die neue und etwas andere Mitteldistanz an der Cote d'Azur ist zwar nur ein kleiner Baustein auf dem Weg nach Kona - zu verschenken hat Kienle aber nichts. Wie er im Interview mit tri-mag.de verrät.

Von > | 18. April 2015 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle in Cannes 2015 | Sebastian Kienle vor dem Cannes International Triathlon 2015

Sebastian Kienle vor dem Cannes International Triathlon 2015

Foto >Jan Sägert / spomedis

Sebastian Kienle, Sie sind schon seit Donnerstag in Cannes. Was sagen Sie zu Ihrem morgigen Arbeitsplatz?
Sagen wir mal so: Es hätte mich schlimmer treffen können. Vom Rennhotel her ist es auf jeden Fall Top 3. Und die Radstrecke ist auch nicht die schlechteste.

Apropos. Der Radkurs ist hier in aller Munde. Was hat Ihre Inspektion ergeben?
Hart bergauf und viel Adrenalin auf dem Weg nach unten. Es gibt einige technisch sehr anspruchsvolle Stellen.

Ist die Strecke gefährlich?
Wie gefährlich es ist, hängt natürlich davon ab, wie man fährt. Angst habe ich auf jeden Fall keine. Respekt ist aber angebracht. Es ist noch nicht das wichtigste Rennen der Saison hier. Von daher werde ich sicher nicht alles probieren, um auf einer Abfahrt Zeit herauszufahren.

Was erwarten Sie morgen von sich?
Das ist schwierig, weil es das erste richtige Rennen der Saison ist. Wir haben in den letzten drei Wochen sehr gut trainiert. Die Richtung der Formentwicklung ist auf jeden Fall die, wo ich hin will. Aber wir haben wegen der langen Pause nicht so viel Rücksicht auf das Rennen nehmen können. Entsprechend stand das Training im Vordergrund. Der Wettkampf ist jetzt so was wie der Abschluss des ersten harten Trainingsblocks.

Klingt fast so, als würden Sie gar nicht gewinnen wollen.
Doch. Wenn ich bei so einem stark besetzten Rennen dabei bin, will ich natürlich auch gewinnen. Das ist ganz klar. Aber man hat ja auch gesehen, dass Jan Frodeno schon in absoluter Topform ist. Das hat er in Oceanside gezeigt. Frederic Belaubre dürfte der Kurs auch liegen. Ihm kommt die fünf Kilometer kürzere Laufstrecke sicher entgegen. Den sollte man auch auf der Rechnung haben. Topfavorit bin ich hier definitiv nicht.

Dabei wäre das doch eine schöne Chance, gleich zum Saisonstart ein Zeichen zu setzen. Oder nicht?
Klar. Ich würde gern ein Zeichen für mich selber setzen, dass die Sache in die richtige Richtung geht. Dann wäre ich zufrieden.

Ihr Trainer Lubos Bilek ist auch hier. Wie wichtig ist es für Sie, dass Ihr Coach auch bei solchen Rennen an Ihrer Seite ist?
Natürlich kann man in den Tagen vor dem Rennen in Sachen Coaching nicht mehr so viel machen. Aber Lubos ist nicht nur mein Coach, sondern auch ein guter Freund. Er nimmt mir hier eine Reihe administrative Dinge ab. Für einen Jungen vom Land kann das hier ganz schön stressig werden, wenn man überall hin selbst fahren muss. Lubos fährt mich zum Beispiel zum Schwimmtraining. Das passt wirklich gut.

Morgen stehen nur 80 Radkilometer auf dem Plan. Dafür ist die Laufstrecke aber auch fünf Kilometer kürzer als bei einem 70.3-Rennen. Sie haben also weniger Zeit, sich abzusetzen - dafür müssen Sie den möglichen Vorsprung nicht so lange verteidigen. Wie beurteilen Sie das?
Ich denke das ist eher gut für mich. Die 80 Radkilometer sind 80 echt harte Radkilometer. Insgesamt ist es aber schon gut, weil mir die kürzeren Laufstrecke nicht gleich total die Körner aus dem Körper zieht. Mein nächstes Rennen ist der Ironman 70.3 St. George in Utah, wo ich schon einigermaßen getapert am Start stehen will. Auch im Hinblick darauf sind die Streckenlängen schon gut.

Das Rennen morgen ist gleichzeitig Ihr erstes Duell mit Jan Frodeno in dieser Saison. Ist der auf der Mitteldistanz derzeit überhaupt zu schlagen?
Ihn morgen zu schlagen, wird sicher sehr schwierig. Ansonsten kann man ihn auf jeden Fall schlagen. Wobei ich nicht der einzige bin, der die Chance hat, ihn zu besiegen. Dafür kommt mit Sicherheit auch en Javier Gómez in Topform in Frage.