„Selbst MacGyver hätte seine Probleme gehabt“

Eine Reifenpanne machte Michael Raelert beim Ironman 70.3 Mallorca einen Strich durch die Sieg-Rechnung. Auch mehr als eine Woche später ist der Rostocker enttäuscht. Was unterwegs passiert ist, verriet er uns im Interview.

Von > | 18. Mai 2015 | Aus: SZENE

Michael Raelert

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Michael Raelert, einen Platten würde man normalerweise einfach beheben und dann das Rennen fortsetzen.

Normalerweise ist ein Platten auch sehr einfach zu beheben, im Training habe ich das ja oft genug getan. Wettkämpfe aber sind extreme Stresssituationen und besonders im Profibereich liegen zwischen Sieg und Niederlage nur wenige Sekunden. Erst recht bei so gut besetzten Rennen wie dem Ironman70.3 Mallorca sind Plattfüße also rennentscheidend. In meinem Fall hatte sich nach zwei, drei Kilometern eine Glasscherbe zwischen Hinterrad und Rahmen verirrt und es tatsächlich geschafft, Mantel und Reifen nahezu komplett aufzureißen. Selbst MacGyver hätte damit seine Probleme gehabt.

Mit der Scherbe im Rahmen sind Sie weitergefahren?

Die Tatsache, dass dort eine Scherbe steckte, wurde mir erst etwa einen Kilometer später klar. Ich dachte zuerst, wenn ich ganz hart und schnell trete, löst sich das Problem von selbst.

Und dann war der Schaden zu groß, um einfach nur den Schlauch zu wechseln. War die Versuchung, das Rennen aufzugeben, da nicht groß?

Nach dem besagten Kilometer und der Tatsache, dass es keinen unabhängigen Materialsupport gab, auf jeden Fall. Zuerst war ich überrascht, dann verzweifelt – was in Frust und Verärgerung überging, um letztendlich doch in Enttäuschung und Verbitterung zu enden. Ich hatte mich sehr gut auf dieses Rennen vorbereitet und wollte es gewinnen. Im Vorfeld hatte ich mir viele Rennsituationen ausgerechnet, aber ein nicht zu behebender Defekt war mit Sicherheit nicht dabei. Und ein DNF schon gar nicht – und das wird es auch nie.

In der Zwischenzeit müssen Sie auch sehr viele Agegrouper überholt haben.

Ich weiß nicht, wie viele mich am Straßengraben erst fluchend stehen, dann frustriert im Graben sitzen gesehen haben, aber danach war es eine interessante und teils auch optisch sehr schöne Fahrt an den Altersklassenathleten und Profifrauen vorbei. Und nein, ich habe nicht nach Telefonnummern gefragt.

Was war das für ein Gefühl auf der Laufstrecke, als Sie dieses Rennen einfach ohne Druck beenden konnten?

Na ja, das unschöne Gefühl, ein Rennen durch eine solche Situation verloren zu haben, war nach wie vor da und ist es auch jetzt noch. Ich habe mich aber für Andi Dreitz freuen können, der ein sehr würdiger Sieger ist.

Bei welchem Rennen starten Sie den nächsten Versuch?

Höchstwahrscheinlich bei der Challenge Heilbronn Ende Juni. Davor starte ich eventuell noch bei dem einen oder anderen Volkslauf und Triathlon. Die Saison ist noch jung und wird sehr lang werden.