Siege, Punkte, Selbstvertrauen

Gute Erinnerungen an einen seiner ersten Triathlons im Jahr 1989 hätten ihn nach St. Croix getrieben, sagt Lance Armstrong vor dem Aufeinandertreffen mit Andy Potts, Terenzo Bozzone und Frederik van Lierde beim Ironman 70.3. In Wirklichkeit treibt den Texaner vor allem eines an: Der Sieg. Doch für den wird er sich ordentlich strecken müssen.

Von > | 3. Mai 2012 | Aus: SZENE

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Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Den Triathlon-Touristen hatte Lance Armstrong ohnehin niemand abgekauft. "Ich bin doch nur ein 40 Jahre alter Mann, ein berufstätiger Familienvater, der noch ein bisschen Spaß haben will", versuchte der siebenmalige Sieger der Tour de France noch unmittelbar vor seinem Auftritt bei der Xterra-WM auf Maui im Herbst 2011 tiefzustapeln. Heute, ein halbes Jahr später, hört sich das anders an. Denn heute sagt er: "Triathlon, das ist nichts, was man einfach mal so nebenbei erledigen kann. Das ist ein Fulltime-Job." Und: "Hoffentlich kann ich auch ein paar Rennen gewinnen."

Tour-Seriensieger gegen 70.3-Seriensieger

Armstrong sagte das vor seinem zweiten Ironman-70.3-Rennen in Texas vor einem Monat, doch die Mission Sieg schlug fehl. Zwar löste er sich auf dem Rad, doch nicht weit genug. "Magenprobleme", sagte Armstrong später, hätten ihn auf der Laufstrecke zu Gehpausen gezwungen, vielleicht habe er "etwas zu viel" auf dem Rad investiert. "Ich muss noch lernen", stellte er damals fest. Und am besten geht das im geprobten Ernstfall: im Wettkampf. Dafür weicht Armstrong sogar von seiner eigenen Route nach Hawaii ab.

"Ich will meinen guten Trainingszustand halten", begründete Armstrong seine erneut erst kurzfristig bekanntgegebene Entscheidung, auf den Virgin Islands (USA) an den Start zu gehen. Auch gute Erinnerungen an einen seiner ersten Triathlons im Jahr 1989 hätten eine Rolle gespielt. Was aber ebenfalls Einfluss auf Armstrongs Entscheidung gehabt haben dürfte, ist die sehr anspruchsvolle Radstrecke, die dem Amerikaner voll in die Karten spielt. Diese Karten muss er, soll es mit dem Sieg klappen, allerdings auch konsequent ausspielen: Neben Armstrong hat sich unter anderem der schnellste Schwimmer im Ironman-Zirkus, Andy Potts, für das Rennen angekündigt. Der Amerikaner zeigte sich zuletzt auch über die 90 Rad- und 21 Laufkilometer stark, sogar fast unschlagbar, bringt es auf mittlerweile 16 Siege über die 70.3-Distanz - und wurde zuletzt im Juni 2010 bezwungen. Auch Kiwi Terenzo Bozzone will nach einem verletzungsbedingt durchwachsenen Jahr wieder durchstarten, der laufstarke Ukrainer Maxim Kriat seinen Vorjahressieg gern wiederholen. Weitere Konkurrenten für Armstrong: der Italiener Alessandro Degasperi, ebenfalls ein guter Läufer, sowie der erfahrene Franzose Stephane Poulat , der Argentinier Oscar Galindez und der Sieger des Abu Dhabi International Triathlons 2011, Frederik van Lierde aus Belgien.

Punkte für Hawaii gesucht

Ein weiterer Grund für Armstrongs Zusage: 750 Punkte kassiert der Sieger in St. Croix im Kona Pro Ranking. Dort liegt Lance Armstrong bislang auf Platz 58 und damit außerhalb der Hawaiiränge. Auf 2.470 Zähler und Platz 39 brächte Armstrong der Sieg in St. Croix. Er hätte dann aber auch die drei maximal einzubringenden Ironman-70.3-Ergebnisse und müsste versuchen, die restlichen nötigen Punkte beim Ironman France in Nizza zu sammeln. 2.800 Punkte reichten 2011 für ein Ticket nach Hawaii - es scheint allerdings, als wäre das in diesem Jahr zu wenig. Seine bestehenden 70.3-Ergebnisse würde Armstrong im Falle eines Sieges zudem kaum mehr verbessern können: Nur die Mindestpunktzahl, maximal 500 Zähler, gibt es nämlich bei seinen geplanten 70.3-Rennen in Florida und Hawaii zu holen. Gut, wenn deshalb die Konkurrenz im Kampf um den Tagessieg gar nicht erst zur Anreise motiviert ist. Aber riskant, wenn man sich für den Ironman Hawaii qualifizieren möchte.

Im Rennen der Frauen deutet für Sonntag vieles auf eine One-Woman-Show der Siegerin des Ironman Regensburg, Mary Beth Ellis (USA), hin. In Abwesenheit der verletzten Vorjahressiegerin Catriona Morrison werden ihre ärgsten Konkurrentinnen wohl die Kanadierin Angela Naeth, die US-Amerikanerin Kim Loeffler, Teilzeit-Model Jenny Fletcher (CAN) und die Britin Tamsin Lewis sein. Auch die Deutsche Nina Kraft hat somit Podestchancen.