Start-Ziel-Sieg für Jan Frodeno

Nach dem Pannen-Pech von 2014 hatte Jan Frodeno mit dem Ironman in Frankfurt noch eine Rechnung offen – und die ist mehr als beglichen. Start-Ziel-Sieg, Streckenrekord, Hawaii-Sieger geschlagen: Frodeno ist der neue Europameister vor Sebastian Kienle und Andreas Böcherer, der eindrucksvoll an die Weltspitze zurückgefunden hat.

Von > | 5. Juli 2015 | Aus: SZENE

Jan Frodeno | Jan Frodenos Zieleinlauf beim Ironman Germany in Frankfurt 2015

Jan Frodenos Zieleinlauf beim Ironman Germany in Frankfurt 2015

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Jan Frodeno dominierte das Rennen bereits beim Schwimmen. Nach nur 15 Minuten im Wasser führte der Olympiasieger von 2008 eine Dreiergruppe an, den Landgang nach 1,5 Kilometern nahm er allein unter die Füße. Halbwegs mithalten konnten nur Andreas Böcherer und David Dellow, der Lebensgefährte von Caroline Steffen. Erwartet hätte man in diesem Bereich auch Andreas Raelert, aber der Rostocker wurde gleich zu Beginn der 3,8 Kilometer durch eine Panikattacke aus dem Konzept gebracht und fand nach einer kurzen Zwangspause im See in Sebastian Kienle einen gleichstarken Begleiter.

Mit mehr als 50 Sekunden Vorsprung erreichte Frodeno das Ufer des Langener Waldsees, 20 davon verlor er allerdings wieder, als ihm beim ersten Wechsel das Visier vom Aerohelm fiel. Gut für Böcherer und Dellow, die als Zweiter und Dritter aufs Rad stiegen. Zwei Minuten hatte Frodeno im Wasser der nächsten Verfolgergruppe mit dem Spanier Eneko Llanos, Tyler Butterfield und Mitfavorit Frederik van Lierde aufgebrummt, vier Minuten nach ihm hatten Hawaii-Champion Sebastian Kienle und Andreas Raelert wieder festen Boden unter den Füßen.

Böcherer und Kienle auf Aufholjagd

Auch auf dem Rad machte Frodeno von Anfang an Druck: Nach nur 15 Kilometern hatte er seinen Vorsprung auf Böcherer auf zweieinhalb Minuten vergrößert, zu diesem schlossen schnell van Lierde, Butterfield, Llanos, der Niederländer Bas Diederen und später auch Kienle auf. Man hätte erwarten können, dass Kienle die Gruppe durchfahren und schnell nach vorn wieder verlassen würde, doch weiter setzte sich der amtierende Ironman-Weltmeister zunächst nicht ab. Waren van Lierde und Böcherer zu stark? Oder war schlicht keiner der anderen Profis Frodenos Radstärke gewachsen? Nach 110 Kilometern war dessen Vorsprung jedenfalls auf mehr als drei Minuten angewachsen.

Dann endlich Kienles Vorstoß: Gemeinsam mit Andreas Böcherer, der ebenfalls von Kienle-Coach Lubos Bilek trainiert wird, sprengte der Vorjahressieger auf der zweiten Radrunde die Verfolgergruppe und näherte sich Frodeno, der einsam an der Spitze fuhr. Bei Kilometer 135 hatte das Duo den Rückstand erstmals wieder unter drei Minuten gedrückt. Inzwischen mehr als fünf Minuten hinter Frodeno bemühten sich Diederen, Llanos und van Lierde um Anschluss. Und, scheinbar chancenlos: Andreas Raelert, der zu diesem Zeitpunkt des Rennens mit frustrierenden zehn Minuten Rückstand allein unterwegs war.

Frodeno bricht den Radrekord

Dass Sebastian Kienle nicht als Führender vom Rad steigt, passiert selten. Doch Jan Frodeno überzeugte auf den 180 Kilometern wie nie zuvor. Auf den letzten 40 konnte er Kienle und Böcherer wieder distanzieren und erreichte mit fast sechs Minuten Vorsprung die zweite Wechselzone – Radrekord! Um erstaunliche dreieinhalb Minuten hatte „Frodo“ die alte Bestmarke von Sebastian Kienle aus dem vergangenen Jahr verbessert; pannenfrei, rasend schnell und offenbar trotzdem noch mit guten Laufbeinen.

Kienle konnte sich auf den letzten Radkilometern zwar ein bisschen von Böcherer absetzen und war bis zum zweiten Wechsel sogar etwas schneller unterwegs als bei seinem Sieg im vergangenen Jahr, für den führenden Frodeno reichte das beim Laufen aber nicht mehr: Kienle lief schnell, aber zu keinem Zeitpunkt des Marathons schneller als der Olympiasieger von 2008. Nicht mehr mithalten konnte da Böcherer: Er musste Frodeno und Kienle immer weiter ziehen lassen – mit van Lierde und plötzlich auch wieder Raelert im Nacken.

Nach 1:20 Stunden passierte Frodeno die Halbmarathonmarke, und das Rennen war entschieden. Sieben Minuten und 19 Sekunde lang mussten die Zuschauer dort auf Verfolger Sebastian Kienle warten, der keinen Meter auf den Führenden gutmachen konnte, sondern dem mehr und mehr die Hitze zu schaffen machte. Am Ende lief Frodeno mit luxuriösen zwölf Minuten Vorsprung und neuem Streckenrekord von 7:49:48 Stunden vor dem Weltmeister ins Ziel und feierte damit den ersten Langdistanzsieg seiner Karriere. Kienle sank im Ziel erschöpft zusammen, gegen den neuen „german Ueberbiker“ hatte die Radrakete in diesem Jahr keine Chance.

Beeindruckendes Comeback von Böcherer

Auf Platz drei kämpfte derweil Andreas Böcherer gegen die sich nähernde Konkurrenz. Mit Erfolg: Bas Diederen aus den Niederlanden und Frederik van Lierde kamen nicht mehr in Schlagweite und Böcherer feierte mit EM-Bronze ein herausragendes Comeback nach fast zweijähriger Wettkampfpause. Einer, den man heute beinahe schon abgeschrieben hatte – den man aber niemals abschreiben sollte –, arbeitete sich nach dem zweiten Wechsel immer weiter nach vorn: Andreas Raelert. Nach Pech beim Schwimmen und unspektakulärem Radsplit sammelte er beim Marathon einen Gegner nach dem anderen ein und wurde am Ende versöhnlicher Sechster. Auf dem Zielstrich brach der Sieger von 2010 völlig entkräftet zusammen.

Ironman European Championships | Männer

  1. Juli 2015, Frankfurt (GER)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Jan Frodeno

GER

7:49:48

46:02

4:08:43

2:50:49

2

Sebastian Kienle

GER

8:01:39

50:03

4:11:07

2:56:44

3

Andreas Böcherer

GER

8:03:49

46:56

4:14:05

2:58:14

4

Bas Diederen

NED

8:05:36

48:17

4:18:01

2:54:57

5

Frederik van Lierde

BEL

8:07:09

48:11

4:17:42

2:57:30

6

Andreas Raelert

GER

8:09:53

49:58

4:24:04

2:52:05

7

Tyler Butterfield

BER

8:26:25

48:13

4:18:08

3:15:15

8

Eneko Llanos

ESP

8:29:04

48:21

4:17:48

3:18:34

9

Miquel Blanchart Tinto

ESP

8:32:28

48:17

4:45:41

2:54:47

10

Marko Albert

EST

8:38:40

48:16

4:33:35

3:13:01

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