Traum-Comeback: Böcherer siegt vor Stein

Mit einem Sieg beim Ironman 70.3 Pays d'Aix hat sich Andreas Böcherer im Profitriathlon zurückgemeldet. Der Freiburger setzte sich in der Provence nach starkem Schwimmen und einem Solo beim Radfahren in einem packenden Sprintfinish gegen Boris Stein durch. Platz drei ging an den Schweizer Jan van Berkel. Das Rennen der Frauen gewann die Ungarin Gabriella Zelinka.

Von > | 3. Mai 2015 | Aus: SZENE

Ironman 70.3 Pays d\'Aix | Andi Böcherer gewinnt den Ironman 70.3 Pays d\'Aix

Andi Böcherer gewinnt den Ironman 70.3 Pays d'Aix

Foto >Stefan Jäger / Ironman

Die Frage "Bereit oder breit?" hat Profitriathlet Andreas Böcherer bei seinem Comebeack in Südfrankreich eindrucksvoll mit "Bereit!" beantwortet. Mit einem beinahe lupenreinen Start-Ziel-Sieg, den ihm viele Experten und wahrscheinlich auch er selbst so nicht zugetraut hatten, krönte er sich etwas mehr als ein Jahr nach seinem Horrorcrash in der Karibik zum neuen Champion des Ironman 70.3 Pays d'Aix.

Böcherer mutig von vorn

Schon beim Schwimmen, dem Steckenpferd des lange verletzten Freiburgers, setzte er seine Konkurenten mächtig unter Druck. Nur der Franzose Sylvain Sudrie konnte sich in Schlagdistanz halten. Alle anderen - darunter starke Schwimmer wie der Schweizer Jan van Berkel, Filip Ospaly aus Tschechien - büßten im Wasser schon fast 30 Sekunden ein. Boris Stein, der seine Saisonplanung wegen gesundheitlichen Problemen kurzfristig umgestellt hatte, verlor - allerdings weniger überraschend - etwa zwei Minuten auf seinen Landsmann. Und der dachte danach gar nicht daran, sich auf ein taktisches Radfahren einzulassen, machte von Beginn an Druck und baute schon auf dem ersten Drittel der Radstrecke seinen Vorsprung auf Sudrie deutlich aus. Weil abgesehen von Stein auch kein anderer Böcherers Tempo gehen konnte, behauptete der Freiburger seine Führung auch über die gesamten 90 Radkilometer. Den besten Radsplit des Tages verpasste er nur um sieben Sekunden und ging mit einem Polster von etwa zweieinhalb Minuten vor Stein auf den Halbmarathon.

Kopf an Kopf Richtung Finishline

Bis zur 10-Kilometer-Marke büßte Böcherer dort nur 30 Sekunden seines Vorsprungs auf Stein ein - und alles deutete auf einen souveränen Sieg des 32-Jährigen hin. Doch auf dem folgenden 5-Kilometer-Abschnitt verschärfte Stein das Tempo und verkürzte seinen Rückstand bis auf eine Minute. Wenig später waren es nur noch wenige Sekunden und es schien, als liefe das Rennen auf ein deutsch-deutsches Sprintfinish hinaus. Und so kam es dann auch - mit dem besseren Ende für Andreas Böcherer. Zwölf Sekunden entschieden das Rennen nach 113 packenden Kilometern. "Buumbäääääämbums", jubelte der Sieger kurz nach dem Zieleinlauf überwältigt via Facebook. Doch auch Stein zeigte ein überragendes Rennen. Nur Ex-70.3-Europameister Ritchie Nicholls war beim Laufen schneller als der amtierende Ironman-Switzerland-Sieger. Das reichte für den Briten aber nur zum vierten Platz, denn den driten Podiumplatz ergatterte der Schweizer Jan van Berkel.

Ironman 70.3 Pays d'Aix | Männer

  1. Mai 2015, Aix-en-Provence (FRA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Andreas Böcherer

GER

3:57:21

23:09

2:12:21

1:16:48

2

Boris Stein

GER

3:57:33

25:21

2:12:40

1:14:27

3

Jan van Berkel

SUI

3:59:30

23:35

2:16:04

1:15:10

4

Ritchie Nicholls

GBR

4:00:34

23:46

2:17:46

1:14:08

5

Domenico Passuello

ITA

4:02:56

25:30

2:14:03

1:18:28

6

Sylvain Sudrie

FRA

4:03:56

23:15

2:16:02

1:19:49

7

Herve Banti

FRA

4:04:53

23:48

2:17:50

1:18:27

8

Anthony Pannier

FRA

4:06:19

23:42

2:17:54

1:19:53

9

Thomas Steger

AUT

4:06:29

23:51

2:16:57

1:19:47

10

Filip Ospaly

CZE

4:07:01

23:34

2:19:38

1:19:09

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Pedersens Mut wird nicht belohnt

Mit einer ähnlichen Taktik wie Andreas Böcherer versuchte es die Dänin Camilla Pedersen im Rennen der Frauen. Im Wasser schwamm Pedersen sogar eine Minute auf ihre Konkurrentinnen heraus und auch beim Radfahren war die Skandinavierin eine Klasse für sich. Als sie mit fast vier Minuten Vorsprung auf die Laufstrecke ging, zweifelte eigentlich kaum jemand mehr an Pedersens Sieg. Doch als die Belgierin Alexandra Tondeur und Gabriella Zelinka (HUN) bei Halbzeit ihren Rückstand mehr als halbiert hatten, geriet der Triumph doch noch ins Wanken. Ein kleiner Einbruch zwischen Kilometer 15 und 18 kostete Pedersen am Ende tatsächlich den sicher geglaubten Sieg. Doch nicht Tondeur - vor zwei Wochen noch Zweite beim Cannes International Triathlon - sondern Zelinka hat auf den letzten Kilometern noch das meiste Benzin im Tank. Mit einem starken Endspurt verdiente sich die Ungarin den größten Erfolg ihrer Profikarriere. Tondeur zog ebenfalls noch an der bemitleidenswerten Pedersen vorbei auf den zweiten Platz.

Ironman 70.3 Pays d'Aix | Frauen

  1. Mai 2015, Aix-en-Provence (FRA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Gabriella Zelinka

HUN

4:33:32

26:31

2:36:44

1:24:30

2

Alexandra Tondeur

BEL

4:35:49

27:31

2:39:37

1:23:24

3

Camilla Pedersen

DEN

4:36:37

25:24

2:34:47

1:25:44

4

Corina Hengartner

SUI

4:48:03

29:53

2:39:09

1:33:08

5

Tineke van den Berg

NED

4:49:25

30:43

2:37:32

1:34:06

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