Van Lierde vor Raña, Swallow endlich am Ziel

Frederik van Lierde hat zum ersten Mal den Ironman Südafrika gewonnen. Der Belgier setzte sich in der Nelson Mandela Bay nach einer überragenden Radleistung gegen den Spanier Ivan Raña und Landsmann Bart Aernouts durch. Bei den Frauen schaffte die Britin Jodie Swallow endlich den Sprung auf den Thron.

Von > | 29. März 2015 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2014 - Laufen - 11

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Was Nils Frommhold, der Südafrikasieger von 2014, am vergangenen Wochenende in Melbourne noch ohne Erfolg versucht hatte, glückte Frederik van Lierde bei der 13. Auflage des Ironman Südafrika in eindrucksvoller Manier. Keiner im starken Feld konnte ihn bei seiner Soloflucht auf dem Rad stoppen, sodass der Marathon für den Ironmanweltmeister von 2013 fast nur noch Formsache war. Es war Van Lierdes fünfter Ironmansieg nach drei Erfolgen in Nizza und seinem Überraschungscoup in Kona vor eineinhalb Jahren.

Belgisches Solo, kaum Gegenwehr

Wer gedacht hatte, dass Frederik van Lierde nur in Nizza gewinnen kann und der Sieg auf Hawaii ein glücklicher Zufall war, hat sich getäuscht. Schon beim Schwimmen mischte sich der manchmal etwas unnahbar wirkende Belgier unter die besten des Tages. Eine 13 Athleten starke Gruppe sprang nach etwas mehr als 49 Minuten - angeführt vom Franzosen Sylvain Sudrie - aus dem Indischen Ozean. Von den Topfavoriten fehlten nur Bart Aernouts (BEL), der Zweite von 2012 und 2013, Cyril Viennot, und James Cunnama, der sein Heimrennen doch so gern gewinnen wollte. Dass diese drei nicht ganz vorn mifuhren, war allerdings schon nach wenigen Radkilometern nur noch Makulatur. Denn einem konnte auf dem Rad an diesem Tag keiner folgen. Unwiderstehlich zog Van Lierde aus der Spitzengruppe heraus das Tempo an. Selbst der mutige Vorjahreszweite Kyle Buckingham (RSA) musste früh erkennen, dass er dem Belgier nicht folgen kann. Minute um Minute baute der seinen Vorsprung aus und hämmerte in 4:32:45 Stunden eine Zeit in den Asphalt, die sogar noch fünf Minuten unter der von Nils Frommhold im Jahr zuvor lag. Landsmann Bart Aernouts, der Beste aus dem Rest des Feldes, brauchte für die 180 Kilometer fast zwölf Minuten länger. Es ging aus sportlicher Sicht also schon vor dem Marathon nur noch um die Ehrenplätze hinter dem Mann des Tages. Van Lierde ließ auch trotz des vermeintlich beruhigenden Polsters nicht locker und lief als säßen ihm Buckingham und der Niederländer Bas Diederen dicht im Nacken. In 2:49:45 Stunden verpasste er nur knapp die Tagesbestzeit, die an den Spanier Ivan Raña ging.

Van Lierde vor Raña, Deutsche durchwachsen

Im Ziel durften die Zuschauer den neuen Champion schon zehn Minuten früher bejubeln als im vergangenen Jahr. An den Streckenrekord von Raynard Tissink kam Frederik van Lierde aber nicht heran. Fast eine Viertelstunde verging im Glutofen Port Elizabeth bis Raña nach eindrucksvoller Aufholjagd beim Laufen als Zweiter über den Zielstrich lief. Aernouts setzte sich im Duell gegen Matt Trautman (RSA) durch und sicherte sich Platz drei. Für Mitfavorit Eneko Llanos wird es nach dem fünften Platz nun schon etwas kribbelig, was die Qualifikation für Kona betrifft. James Cunnama, der nur Zehnter wurde, muss im nächsten Jahr einen weiteren Anlauf auf den Heimsieg nehmen. Die deutschen Profis blieben weitestgehend hinter ihren Erwartungen zurück. Marc Duelsen dürfte als 13. noch am ehesten mit seinem Ergebnis zufrieden sein, direkt dahinter landete der Koblenzer Michael Rünz. Johannes Moldan zeigt ein solides Rennen wurde 9:03:29 Stunden 16.. Johann Ackermann und Konstantin Bachor gaben das Rennen noch in der Anfangsphase des Radfahrens auf. Boris Stein und Swen Sundberg traten erst gar nicht an.

Ironman Südafrika | Männer

  1. März 2015, Port Elizabeth (RSA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Frederik van Lierde

BEL

8:16:35

49:20

4:32:45

2:49:45

2

Ivan Raña

ESP

8:30:45

49:28

4:48:22

2:48:44

3

Bart Aernouts

BEL

8:35:59

52:07

4:44:30

2:55:04

4

Matt Trautman

RSA

8:37:21

51:57

4:48:01

2:53:10

5

Eneko Llanos

ESP

8:37:50

49:36

4:47:44

2:55:42

6

Bas Diederen

NED

8:38:14

49:31

4:46:56

2:56:51

7

David McNamee

GBR

8:43:35

49:27

4:54:41

2:54:55

8

Cyril Viennot

FRA

8:45:55

51:57

4:47:28

3:01:11

9

Victor Del Corral

ESP

8:47:10

56:19

4:55:15

2:51:15

10

James Cunnama

RSA

8:47:45

51:34

4:51:53

2:59:54

13

Marc Duelsen

GER

8:54:15

52:00

4:55:14

3:02:48

14

Michael Rünz

GER

8:57:42

53:26

5:01:43

2:57:31

16

Johannes Moldan

GER

9:03:29

51:52

4:50:39

3:16:42

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Pedersen jagt Swallow

Nach den Plätzen zwei und drei in beiden vergangenen Jahren sollten für Jodie Swallow in Port Elizabeth an diesem Tag aller guten Dinge drei sein. Nicht einmal leise Zweifel hatten im Vorfeld darüber geherrscht, dass die Britin nach dem Schwimmen in Führung liegen würde. Gut 50 Minuten - und damit nur etwas länger als die Spitzegruppe der Männer - brauchte sie für die knapp vier Schwimmkilometer. Nur die Dänin Camilla Pedersen hielt den Rückstand mit zweieinhalb Minuten in Grenzen. Den verteidigte Swallow auch auf dem Bike. Erst bei Halbzeit begann Pedersen Zeit nach vorn gutzumachen. Rund 60 Kilometer vor dem zweiten Wechsel hatte sie Swallows Hinterrad tatsächlich erreicht. Doch schon etwas später erhöhte die Britin den Druck noch einmal und zog wieder davon. Den lupenreinen Start-Ziel-Sieg wollte sie sich dieses Mal offenbar um keinen Preis nehmen lassen. Die schnellste auf dem Rad war aber eine andere. Diana Riesler. Die Siegerin des Ironman Malaysia hatte beim Schwimmen zwar fast acht Minuten auf Swallow verloren, holte sich mit der besten Radleistung des Tages (5:16:00 Std.) aber sechs davon zurück und ging so in Schlagdistanz zu den beiden Führenden auf die Laufstrecke. Sechs Minuten hinter ihr schlüpfte die laufstarke Österreicherin Eva Wutti in die Laufschuhe. Noch etwas später die ebenso laufstarke Britin Lucy Gossage. Astrid Ganzow und Sonja Tajsich wechselten auf den Plätzen sieben und acht.

Wenn zwei sich streiten...

Der Marathon entwickelte sich dann zu einer Nervenschlacht. Währen Swallow vorn verbissen ihre keineswegs komfortable Führung verteidigte, rückte das Feld der Verfolgerinnen dahinter immer dichter zusammen. Neben Pedersen und Riesler wollten auch Gossage und Susie Cheetham (früher Hignett) noch in den Kampf um die Podestplätze eingreifen. Nach 15 Kilometern lagen Swallow, Pedersen und Riesler keine fünf Minuten auseinander. Und die beiden Britinnen waren noch immer in Lauerstellung. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad kämpfte sich Riesler nach 23 Kilometern an Pedersen vorbei auf den zweiten Platz. Nach vorn schien zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu gehen, weil Swallow das Tempo erhöhte und binnen kurzer Zeit mehr als fünf Minuten herauslaufen konnte. Nach knapp 30 Laufkilometern gerieten allerdings die Podiumsplätze von Riesler und Pedersen immer mehr in Gefahr. Gossage erhöhte Druck und Tempo und kassierte zunächst die Dänin. Wenig später musste auch Riesler ihren zweiten Platz abtreten. Und als sich die beiden noch um den dritten Platz stritten, freute sich Susie Cheetham. Die hatte auf den letzten Kilometern noch etwas mehr Sprit im Tank und machte den britischen Dreifachsieg perfekt. Für Riesler blieb nach aufopferungsvollem Kampf nur der fünfte Platz, Pedersen landete auf dem undankbaren vierten Platz. Astrid Ganzow beendete ihren Arbeitstag nach knapp zehn Stunden auf dem acht Rang, Sonja Tajsich komplettierte in 10:01:37 Stunden die Top 10.  

Ironman Südafrika | Frauen

  1. März 2015, Port Elizabeth (RSA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Jodie Swallow

GBR

9:26:56

50:17

5:20:58

3:10:56

2

Lucy Gossage

GBR

9:31:20

59:35

5:20:12

3:06:04

3

Susie Cheetham

GBR

9:33:02

57:52

5:25:54

3:03:38

4

Camilla Pedersen

DEN

9:35:25

52:44

5:20:08

3:17:23

5

Diana Riesler

GER

9:38:16

58:02

5:16:00

3:18:58

6

Eva Wutti

AUT

9:40:22

59:23

5:20:44

3:15:24

7

Britta Martin

NZL

9:45:23

59:05

5:31:13

3:09:47

8

Astrid Ganzow

GER

9:50:29

1:01:26

5:25:43

3:18:03

9

Caitlin Snow

USA

9:55:03

59:43

5:36:49

3:12:40

10

Sonja Tajsich

GER

10:01:37

1:03:09

5:27:20

3:25:52

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