Vanhoenacker mit Schlussoffensive, Kessler dominant

Die US-Amerikanerin Meredith Kessler und Marino Vanhoenacker aus Belgien haben den verkürzten Ironman Neuseeland gewonnen. Während das taktisch geprägte Männerrennen erst auf der Laufstrecke entschieden wurde, überraschte Kessler trotz starker Konkurrenz mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg.

Von > | 4. März 2012 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2011 - Radfahren 09 | Ironman Hawaii 2011 - Radfahren

Ironman Hawaii 2011 - Radfahren

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Für Marino Vanhoenacker war der Titelgewinn beim auf die halbe Ironmandistanz verkürzten und um einen Tag verschobenen Ironman Neuseeland vor allem ein mentaler Kraftakt. Denn nach der Ankündigung von Sturm, Starkregen und Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hatte zwei Tage vor dem Event sogar eine komplette Rennabsage im Raum gestanden. Selbst für den routinierten Belgier eine unangenehme Situation: „Ich konnte nichts mit mir anfangen, als ich von den Absageplänen hörte", gestand der 35-Jährige. Unsicherheit und Zweifel waren groß, nachdem sich Vanhoenacker über einen Monat lang vor Ort gezielt auf das Traditionsrennen vorbereitet hatte. Mit einem großen Stapel Videos habe er sich von der ungewohnten Situation abgelenkt, verriet der Seriensieger des Ironman Austria.

Taktisch geprägte zweite Disziplin
Anfangs sah es allerdings nicht so aus, als könne sich die ungewöhnliche Vorbereitung auszahlen: Schon nach 200 Metern im Lake Taupo verlor der Hawaii-Dritte von 2010 seine Schwimmbrille, musste kurz stoppen und nahm zu allem Übel auch noch einen großen Schluck Seewasser. Ein Missgeschick, das den Belgier zwar Kraft, nicht aber den Anschluss an die wichtige Spitzengruppe kostete. Angeführt vom Neuseeländer Terrenzo Bozzone musste die nur wenig später die Verfolgung des enteilten Esten Marko Albert organisieren. Der ehemalige Kurzdistanz-Spezialist kam mit den schwierigen Bedingungen am besten zurecht und erarbeitete sich auf den ersten 1,9 Kilometer eine knapp 90-sekündige Führung vor Vanhoenacker, Bozzone, Neuseeland-Rekordsieger Cameron Brown (NZL) und den Australier Aaron Farlow, die nahezu geschlossen aufs Rad wechselten. Der Vorsprung des 32-Jährigen sollte mehr als die Hälfte der anspruchsvollen Radstrecke halten. Erst bei Kilometer 50 gelang es den Favoriten, die Lücke zum Esten zu schließen. Bei sonnigem Wetter und Außentemperaturen um die zehn Grad Celsius passierte dann lange nicht viel. Im Gegenwind auf dem Rückweg nach Taupo gelang keinem Athleten die Flucht nach vorn. Gemeinsam wechselte man stattdessen in die Laufschuhe.

Chance gewittert und genutzt
Während des Halbmarathons ergriff der Australier Timothy Reed sofort die Initiative. Schon früh setzte sich der 26-Jährige an die Spitze des Feldes und sah lange wie der sichere Sieger aus. Betrug sein Vorsprung auf Vanhoenacker nach sieben gelaufenen Kilometern bereits über 20 Sekunden, so war es nur wenig später fast eine Minute. Offenbar hatte sich der Sieger des Ironman 70.3 Canberra mit seinem Tempo jedoch etwas übernommen. Mit steigender Renndauer schmolz der Abstand zu den Verfolgern und vor allem Vanhoenacker witterte seine Chance. Kontinuierlich arbeitete sich der Sieger des diesjährigen Ironman 70.3 Südafrika heran und übernahm die Führung, die er bis ins Ziel nicht mehr abgeben sollte. Nach Tagesbestzeiten auf dem Rad und beim Laufen fuhr Vanhoenacker nach 3:55:03 Stunden bereits seinen zweiten Saisonsieg ein. Reed rettete als Zweiter fast fünfzig Sekunden vor dem zehnfachen Ironman-Neuseeland-Sieger Brown ins Ziel, der damit bei keinem seiner Auftritte in Taupo schlechter als Rang drei abschnitt und 3:56:38 Stunden benötigte. Romain Gauillaume aus Frankreich beendete das Rennen als Vierter noch vor Farlow, während der als Mitfavorit gehandelte Bozzone, 70.3-Weltmeister von 2008, auf Platz sieben landete. Die Deutschen Stefan Schmid und Torsten Abel belegten die Ränge 19 und 27.

Männer

Ironman Neuseeland, 3. März 2012, Taupo (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Marino Vanhoenacker

BEL

3:55:03

25:37

2:12:19

1:12:41

2

Timothy Reed

AUS

3:55:51

25:40

2:12:31

1:13:28

3

Cameron Brown

NZL

3:56:38

25:39

2:12:24

1:14:15

4

Romain Guillaume

FRA

3:58:03

25:39

2:12:35

1:15:17

5

Aaron Farlow

AUS

3:58:57

25:40

2:12:29

1:16:29

6

Marko Albert

EST

4:00:43

24:13

2:14:11

1:18:01

7

Terenzo Bozzone

NZL

4:01:51

25:34

2:12:44

1:19:53

8

Guy Crawford

NZL

4:03:29

25:34

2:12:39

1:21:02

9

Jamie Whyte

NZL

4:12:05

26:37

2:17:46

1:23:12

10

Shannon Stallard

NZL

4:14:46

29:14

2:22:22

1:18:17

Swipe me


Kessler dominiert nach Belieben
Deutlich einseitiger verlief das Rennen der Frauen. Schon beim Schwimmen dominierte die US-Amerikanerin Meredith Kessler das Geschehen und entstieg dem Wasser nur knapp hinter den besten Profi-Männern. Joanna Lawn und Gina Crawford gingen bereits mit einem Rückstand von etwa einer Minute hinter der Dritten der ITU-Langdistanz-Weltmeisterschaft von Henderson auf die Radstrecke. Auch dort ließ 34-Jährige nichts anbrennen. Nach solider Leistung wechselte Kessler mit komfortablem Vorsprung auf den Halbmarathon, wo sie erneut die Tagesbestzeit folgen ließ (1:21:38 Stunden). Nach 4:22:46 Stunden durfte sie sich über den größten Erfolg nach ihrem Sieg beim Ironman Kanada im vergangenen Jahr freuen. Fast acht Minuten dauerte es noch, bis ihr die Australierin Kate Bevilaqua auf Rang zwei folgte und ihrerseits lediglich drei Sekunden Vorsprung auf Neuseeland-Rekordsiegerin Joanna Lawn ins Ziel brachte (4:30:40 Stunden).

Frauen

Ironman Neuseeland, 3. März, Taupo (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Meredith Kessler

USA

4:22:46

26:39

2:29:57

1:21:38

2

Kate Bevilaqua

AUS

4:30:37

29:04

2:32:53

1:23:24

3

Joanna Lawn

NZL

4:30:40

27:45

2:33:42

1:23:48

4

Jessica Jacobs

USA

4:31:46

37:24

2:26:23

1:22:00

5

Gina Crawford

NZL

4:32:45

27:48

2:35:45

1:23:45

6

Hilary Wicks

NZL

4:32:51

32:11

2:26:18

1:28:05

7

Belinda Harper

NZL

4:37:49

28:01

2:32:09

1:32:29

8

Anna Ross

NZL

4:39:47

33:21

2:32:21

1:27:00

9

Susie Wood

NZL

4:41:33

33:18

2:25:23

1:37:27

10

Candice Hammond

NZL

4:43:25

32:49

2:31:43

1:33:21

Swipe me