Von der Intensivstation aufs Podium

Astrid Ganzow hat beim Ironman Mallorca ihr erstes Podium als Triathlonprofi gefeiert. Für die 35-jährige Kinderärztin aus Aachen stand in den Tagen vor dem Rennen allerdings nicht nur Sport auf dem Programm.

Von > | 3. Oktober 2014 | Aus: SZENE

Astrid Ganzow | Astrid Ganzow

Astrid Ganzow

Foto >FinisherPix.com

Beim Ironman Mallorca gab es nicht nur für die Veranstalter eine gelungene Premiere. Die Aachenerin Astrid Ganzow feierte auf den Balearen ebenfalls ein besonders erfreuliches Debüt: Zum ersten Mal in ihrer jungen Profikarriere lief die 35-Jährige aufs Podium eines Ironman. Für die Kinderärztin war das Ergebnis von Alcudia ein besonderer Moment ihrer Laufbahn, nicht nur weil sie in 9:31:10 Stunden nur knapp hinter den etablierten Größen Eimear Mullan aus Irland und Dede Griesbauer (USA) ins Ziel gekommen war.

Astrid Ganzow, wie fühlt sich das erste Mal auf dem Podium bei einem Ironman an?

Ziemlich gut, ich bin absolut zufrieden und sehr glücklich mit meinem Rennen auf Mallorca. Ich wusste am Ende gar nicht, wie knapp nach vorne es sogar noch war. Ich habe die Mädels beim Laufen vor mir gar nicht mehr gesehen.

Waren Sie mit dem Ziel in das Rennen gestartet, am Ende auf dem Treppchen zu stehen?

Ich wollte vor allem nicht zu viel Rückstand beim Schwimmen kassieren. Das war mein Plan, damit ich meine Stärke auf dem Rad ausspielen und nach vorne fahren könnte. Das hat gut funktioniert, mein Rückstand war auch nicht so groß nach dem Radfahren. Ich fand es allerdings mega anstrengend, weil etwa ab der Hälfte der Radstrecke unheimlich viele Athleten von hinten kamen, und es unheimlich voll auf der Strecke wurde. Da hatte ich ein bisschen Schiss, weil es ein großes Durcheinander war, und man sich unheimlich konzentrieren musste, dass man nicht ständig im Windschatten eines anderen Athleten war.

Ist es auf dem ersten welligen, aber insgesamt noch relativ flachen Teil des Radkurses möglich gewesen, regelkonform zu fahren?

Das war sehr schwierig. Ich habe es zumindest probiert und dadurch auch Zeit verloren, weil ich mich immer wieder habe etwas zurückfallen lassen. Das Gruppenfahren ist einfach nicht mein Ding, die Männer haben auch rechts überholt. So ist das leider.

Sie fahren mit Wattmessung. Wie viel Watt muss man auf dem Radkurs des neuen Ironman Mallorca denn treten?

Im Flachen habe ich mich schon konzentriert, mich zu pacen. Berghoch habe ich dann aber nicht so sehr darauf geschaut. Es waren so zwischen 210 und 220 Watt, und auch mal ein bisschen darüber. Aber insgesamt muss man schon darauf achten, dass man gerade am Berg nicht überdreht.

Sie sind als Zehnte aus dem Wasser gekommen. Wussten Sie während des Radfahrens überhaupt, auf welchem Platz Sie liegen?

Auf dem Rad hatte ich überhaupt keine Ahnung. Erst als wir zum Laufen sind, habe ich den Sprecher Paul Kaye gehört, der gerufen hat, dass die Dritte und die Vierte auf die Laufstrecke gehen – da wusste ich dann endlich, wo ich liege.

Ihre Saison ist durchwachsen verlaufen. Wie sind Sie den Marathon angegangen?

Ich hatte dieses Jahr in jedem Rennen einen Einbruch, eigentlich ging mir hinten raus beim Laufen immer die Luft aus. In Wiesbaden hatte ich einen schlimmen Tag, Frankfurt war eine ganz große Katastrophe. Deswegen freut es mich umso mehr, dass es auf Mallorca so gut geklappt hat und ich auch beim Marathon so gut durchgekommen bin.

astrid ganzow | Astrid Ganzow feiert beim Ironman Mallorca das beste Ergebnis ihrer Profikarriere.

Astrid Ganzow feiert beim Ironman Mallorca das beste Ergebnis ihrer Profikarriere.

Foto >Volker Boch

Sie haben die Saison beim Ironman Südafrika begonnen und jetzt schon drei Ironman in den Beinen. Kommt jetzt noch was – oder war es das für 2014?

Ich denke schon, dass es mein Finale war. Ich hatte zwar ursprünglich noch einen Spät-Ironman im Kopf gehabt, aber die Saison war lange und anstrengend. Ich denke, das war es jetzt, eine Pause ist sicherlich nicht schlecht – mal sehen, wie lange sie dann wird.

Neben dem Beruf als Kinderärztin als Profi-Triathletin zu starten, ist eine große Belastung. Wie gut funktioniert das überhaupt?

Es ist immer ein bisschen kritisch gewesen in diesem Jahr, weil ich nie genau wusste, wie die Rennen klappen können. Auch vor Mallorca hatte ich noch bis einschließlich Mittwoch Nachtdienst in der Klinik gehabt und bin direkt danach nach Mallorca geflogen. Da weiß ich nie genau, wie ich mich in den Tagen danach fühle. Das hätte auch komplett nach hinten losgehen können wie in Wiesbaden.

Neben dem Schichtdienst auf einer Kinder-Intensivstation lässt sich Ironman-Triathlon doch gar nicht bewältigen?

Eigentlich war das Ziel diese Saison, eine halbe Stelle zu haben, aber die Reduzierung der Stelle hat leider bis Mallorca noch nicht geklappt. Dadurch, dass ich immer eine volle Stelle hatte, habe ich in den zwei Wochen nach der Ironman-70.3-WM in Mont-Tremblant auch komplett durchgearbeitet. Deswegen bin ich auch umso glücklicher, dass es auf Mallorca so gut geklappt hat.