Wellington siegt mit neuem Rekord

Die haushohe Favoritin Chrissie Wellington hat zum dritten Mal in Folge die Ironman World Championship auf Hawaii gewonnen. Die Vorjahresdritte Sandra Wallenhorst aus Hannover kam als beste Deutsche auf den achten Platz.

Von > | 10. November 2009 | Aus: SZENE

Chrissie Wellington | Chrissie Wellington

Chrissie Wellington

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Auf den letzten Meilen zum Ziel bekam die Chrissie-Wellington-Show zunehmend menschliche Züge. Immer schwerer fielen der Britin ganz offensichtlich die Schritte auf dem glühend heißen Asphalt des Queen Kaahumanu Highway, mehr noch als sonst entlarvte sich ihr Lächeln an den Verpflegungsstellen als Kraftanstrengung. Die dunkelgrauen Regenwolken unter dem Hualalai-Vulkan, die drei Stunden zuvor noch die von so vielen herbeigesehnte Abkühlung versprochen hatten, waren unverrichteter Dinge wieder verschwunden, kein Wind wollte den Schweiß auf der Haut der Athleten kühlen.

Wellingtons Kolleginnen haben längst kapituliert

Dabei ging es für Wellington schon lange nicht mehr um den Sieg, ihren dritten in Folge. Der stand seit Stunden außer Frage, sollte der 32-Jährigen nicht ein noch schlimmeres Missgeschick passieren als im Vorjahr, als sie in der Auffahrt zum Wendepunkt in Hawi eine Reifenpanne nicht aus eigener Kraft beheben konnte. Nach 25 Kilometern hatte sie sich erkundigt, auf welchem Platz sie denn liege - in der Gesamtwertung aller gut 1.800 Teilnehmer. Und der 17 Jahre alte Streckenrekord der achtfachen Siegerin Paula Newby-Fraser von 8:55:28 Stunden wackelte ebenfalls ganz gewaltig.

Vor Wellingtons Dominanz haben ihre Herausforderinnen - wenn man sie überhaupt so nennen kann - längst kapituliert, ohne Gegenwehr ließen schließlich auch die Ironman-Kanada-Siegerin Tereza Macel und die nach dem Schwimmen führende Lucie Zelenkova die Britin nach rund 30 Kilometern auf der Radstrecke ziehen. 40 Kilometer später lag Wellington bereits fast fünf Minuten vor ihren Verfolgerinnen.

Nicht im gewohnten Fluss

Für Sandra Wallenhorst lief schon der Auftakt im 26 Grad warmen Pazifik nicht wie erwartet. Fast 13 Minuten büßte die Hannoveranerin auf den 3,9 Kilometern ein auf Zelenkova, gut acht auf Wellington. Selbst die Schweizerin Natascha Badmann und ihre Erzkonkurrentin Yvonne van Vlerken aus den Niederlanden waren vor ihr aus dem Wasser. Als sich dann nach 60 Kilometern auch noch eins der Gelkissen an ihrem Zeitfahrlenker auflöste und Wallenhorst nur knapp einem Sturz entging, war wohl aller Fluss dahin. Als 23. ging Wallenhorst auf die Laufstrecke, "brutal heiß sei es dort draußen gewesen", erzählte sie später. Immerhin: zwar liegt sie mit ihrer Marathonzeit von 3:09:24 Stunden mehr als 10 Minuten hinter der vom Vorjahr, doch weil es vielen ihrer Konkurrentinnen bei Temperaturen von über 35 Grad noch schlechter ging, reichte es für die Ironman-Europameisterin am Ende doch noch für einen Platz unter den besten Zehn der Welt.

Bei Andrea Steinbecher kamen die Dinge in ihrem Hawaii-Comeback nach einjähriger Verletzungspause erst gar nicht in Fluss. Die Schwimmzeit von knapp einer Stunde war für die bei den europäischen Rennen stets zu den besten Schwimmerinnen gehörende Goslarerin schon ein Dämpfer, völlig enttäuscht war Steinbecher allerdings nach dem Radfahren, wo sie eine volle Stunde auf die spätere Siegerin Wellington einbüßte. Kraftlos und frustriert landete sie nach 10:17:00 Stunden auf dem 38. Gesamtrang. Auch bei Sonja Tajsich, die noch im Juli beim Ironman Austria in einem sensationellen Rennen zum ersten Mal die 9-Stunden-Grenze unterboten hatte, lief es nicht so gut wie erhofft. Die Redakteurin einer Sportzeitschrift und junge Mutter landete nach 9:50:13 Stunden auf dem 15. Platz.

"Eine der härtesten Prüfungen meines Lebens"

Wie hart die Bedingungen trotz - oder gerade wegen - des an diesem Tag fast gänzlich Windes waren, konnte man im Ziel am Pier von Kailua-Kona in den Gesichtern und Bewegungen der besten Triathletinnen der Welt ablesen. So schleppte sich zum Beispiel die Kurzstrecken-Weltmeisterin von 2002, Leanda Cave, mit stocksteifen Beinen als 23. ins Ziel - sie hatte nach dem Schwimmen noch auf Rang 2 gelegen. Die Zweitplatzierte der Challenge Roth im vergangenen Juli, Rebekah Keat aus Australien, musste sich bei ihrem Kampf auf den 5. Platz völlig verausgaben. Und auch Wellington klang kurz nach ihrem Zieleinlauf ungewohnt matt: "Das Rennen war eine der härtesten Prüfungen meines Lebens. Ich musste tief in mich gehen, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Nun bin ich fast ein bisschen beschämt, aber auch unglaublich stolz, dass ich den so lange als Bestzeit für die Ewigkeit geltenden Rekord von Paula Newby-Fraser gebrochen habe." Als das Rennen noch lief, war es Newby-Fraser selbst, die in der Liveübertragung des Internet-Senders der World Triathlon Corporation orakelte, Wellington könne eine Zeit von 8:45 Stunden unterbieten. Wellington brauchte 8:54:02 Stunden und blieb damit gerade 86 Sekunden unter der Uralt-Marke Newby-Frasers. Das wirkte durchaus nicht mehr übermenschlich.

Ironman World Championship

  1. Oktober 2009, Kailua-Kona, Hawaii

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

Gesamt

1

Chrissie Wellington

GBR

54:31

4:52:06

3:03:05

8:54:02

2

Mirinda Carfrae

AUS

58:45

5:14:17

2:56:51

9:13:59

3

Virginia Berasategui

ESP

58:52

5:01:41

3:10:43

9:15:28

4

Tereza Macel

HUN

53:29

5:04:17

3:21:11

9:23:43

5

Samantha McGlone

CAN

58:47

5:16:16

3:11:26

9:30:28

6

Rachel Joyce

GBR

53:31

5:10:03

3:23:43

9:32:27

7

Joanna Lawn

NZL

57:16

5:19:09

3:13:34

9:34:45

8

Sandra Wallenhorst

GER

1:03:07

5:20:42

3:09:24

9:38:28

9

Dede Griesbauer

USA

55:05

5:10:21

3:30:52

9:40:59

10

Tyler Stewart

USA

1:08:31

5:06:20

3:22:59

9:42:14

Swipe me