Wenn zwei eine Reise tun: Tortur am Großglockner

Mit ihrer Rennradtour von Hamburg über Triest bis nach Basel wollen Zuni Denise Arnold und Niels Steindorf auf die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufmerksam machen. Am Wochenende haben sie die österreichische Grenze erreicht. Dann bekamen sie es mit dem "Weißen Riesen" zu tun.

Von > | 28. August 2013 | Aus: SZENE

DSCF5117 | 2.300 Kilometer gegen Blutkrebs

2.300 Kilometer gegen Blutkrebs

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Grüß Gott und Servus aus Kärnten...:-)

...nachdem wir in Wiesbaden einen tollen Ruhetag bei Bine und Jan verbracht haben, sind wir am Montag Richtung Worms weiter gefahren...die Strecke ging einfach nur geradeaus, deshalb sind wir die 60 Kilometer auch sehr schnell gefahren. Von Worms hatten wir uns allerdings etwas mehr erhofft...auch wenn dort eine Wallanlage war, fanden wir den Rest der Stadt nicht ganz so hübsch (sorry, liebe Wormser…;-)). Dafür war das Frühstück im Hotel super. Frisch gestärkt ging es dann am Dienstag Richtung Stuttgart zu Barbara. Das Wetter ließ zu Beginn zu wünschen übrig, doch es verbesserte sich je näher wir Stuttgart kamen. Auch die Straßen wurden zum Ende hin besser und wir erhielten eine wunderschönen Blick über die Weinberge. Bei Barbara wurden wir ausgezeichnet versorgt und verbrachten einen tollen Abend. Am Morgen nach dem Frühstück und dem Putzen der Räder, ging es weiter: grobe Richtung: Murnau. Wir mussten jedoch eine Nacht in einer Pension in Limbach machen, bevor es am nächsten Morgen Richtung Murnau weiter ging. Unser treuester Begleiter war - man glaubt es kaum: der Gegenwind. Wir wurden aber wieder durch die atemberaubende Landschaft im Allgäu belohnt - und als dann noch die Alpen immer näher kamen, lief uns eine Gänsehaut über den Rücken. Jetzt waren wir in Murnau und freuten uns auf die Pässe in Österreich.

Unsere nächste Etappe führte uns von Murnau ins Österreichische Söll, nahe Kufstein über eine Länge von139 Kilometern. Von Murnau aus immer am Rande der Voralpen entlang, bahnten wir uns den Weg. Da wir leider nicht gut geschlafen hatten, war die erste Tageshälfte sehr mühsam und schleppte sich von Kilometer zu Kilometer. Dann machten wir Rast am Schliersee. Türkises warmes Wasser machte uns viel Freude, und wir sprangen in die Fluten und nutzten die Gelegenheit, ein paar Meter zu schwimmen. Und weiter gings... Nein, halt, stooooopppp - erst noch ein kleines Nickerchen in der Sonne - das hatten wir uns verdient!

Kurz vor Kufstein erreichten wir dann zum ersten Mal Österreich! Juhuuuu, ein tolles Gefühl! Und gleichzeitig veränderten sich die Landschaft und auch der Geruch der Umgebung. Oder ist das nur Einbildung? Wir wissen es auch nicht so genau. Im sehr schönen Kufstein aßen wir zu Abend bevor es dann auf die Suche nach einer Unterkunft ging. Und die gestaltete sich äußerst schwierig und dauerte mal wieder bis es stockfinster war! Aber dafür ist es hier in Söll sehr schön.

Am nächsten Tag nach einem sensationellen Frühstück bei der Familien-Pension Schmiedhof in Söll, überraschte uns die Gastgeberin mit einem kleinen Sponsoring. Sie schenkte uns den Aufenthalt, weil sie unsere Reise so unterstützen wollte. Wir waren überwältigt von der Herzlichkeit und konnten uns nur schwer von dieser lieben Familie trennen. Also: Alle, die mal da sind - unbedingt dort ein Zimmer mieten und diese Pension unterstützen.

Wir brachen also nach dem Abschied aus Söll Richtung Groß Glockner auf. Nach einer Anreise von 70 leichten Kilometern erreichten wir die Zufahrtsstraße zum Großglockner. Die Straße zum Berg zog sich dann noch 16 Großglockner dahin und wir hatten den großen Riesen die ganze Zeit im Blickfeld. Mentale Vorbereitung wie wir im Nachhinein feststellen sollten.

Gedanken von Zuni

Wir kamen ihm immer näher und ich (Zuni) hatte ehrlich gesagt schon ein flaues Gefühl in der Magengegend, da ich schon einige Geschichten über diesen Berg gehört hatte. Der Aufstieg auf 2.700 Meter Höhe war mit seinen 18 Kilometern lang und hart. Niels ist sein Tempo und ich meins gefahren, da es sonst für beide zu anstrengend geworden wäre. Niels hat dann ab und zu mal gewartet und geschaut, ob alles gut ist bevor er weiter ist. Ich für meinen Teil bin nur zwei Mal abgestiegen, weil ich festgestellt habe, dass das Anfahren nach einer kleinen Pause für die Beine zu extrem war. Es brannte wie die Hölle. Also biss ich die Zähne zusammen und fuhr fast durch. Ich entwickelte interessanterweise immer wieder neue Tritttechniken, um die einzelnen Muskelgruppen zu schonen. Hinsetzen und mehr Ziehen, Aufstehen und Treten, am Lenker festhalten und mitziehen, Konzentrieren auf Ziehen und Treten... und so weiter... Ich sage euch: Es war eine der härtesten Erfahrungen die ich je gemacht habe. Gleichzeitig motivierten mich die Leute, welche mir Ermutigungen und Respekt entgegen riefen. Das war schon vergleichbar mit einem Wettkampf - nur hier war mein größter Konkurrent der nicht enden wollende Berg. Oben angekommen, fiel ich Niels mit Tränen in den Augen in die Arme... ich war fix und fertig!

2.300 Kilometer gegen Blutkrebs | Bilderbuchwetter in Kärnten: Deutschland haben Zuni und Niels mittlerweile hinter sich gelassen.

Bilderbuchwetter in Kärnten: Deutschland haben Zuni und Niels mittlerweile hinter sich gelassen.

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Gedanken von Niels

Immer näher und näher kam uns der weiße Riese, den wir, wie wir aus Erzählungen zu hören bekommen haben, erst sehen würden, wenn wir schon drüber gefahren sind. Am Eingangsschild des Großglocknerpasses machten wir kurz Halt, um uns zu besinnen. Etwas wirklich Besonderes stand uns bevor! Und los ging es. Mit einem Gefühl voller Vorfreude und großen Respekt ging es in den Anstieg. Wie sollte ich eine so lange Steigung in Angriff nehmen? Ich wusste es auch nicht. Ich fuhr einfach los. Mal sehen. So hart kann es schon nicht werden, dachte ich, wurde aber eines Besseren belehrt. Die Kehren fingen erst nach fünf Kilometern und im Schnitt zwölf Prozent Steigung an. Nach jeder Kehre erhoffte ich mir einen leichten Steigungsabfall. Aber es war eher umgekehrt. Jede Passage hatte ihre eigenen Tücken. Die einen waren lang und man sah den obersten Punkt der Gerade. Andere schlängelten sich hinauf, in der Hoffnung bald oben zu sein. Von: „Ich habe keine Lust mehr“, bis – „Ich kann nicht mehr“ und „Wie wäre der Anstieg wohl ohne Gepäck auf dem Rücken?“ - war mein Einfallsreichtum am Großglockner schon ausgeschöpft!

Endlich oben dachte ich, als ich die ersten Murmeltiere pfeifen hörte! Aber da standen noch fünf Kilometer auf dem Plan! Die Motorradfahrer überholten mich und meine Gedanken drehten sich nur darum, ach könnte ich nicht auch schon so schnell oben sein? Und was ist eigentlich mit Zuni. Ich sah sie an einer Passage ca. 300 Meter weiter unten in einer der zwölf Kehren. Ich bin stolz auf sie, dass sie es auch geschafft hatte. Nach einer 25-minütigen Zitter- Frierpause konnte ich meine Zuni lebend in die Arme schließen!

Nun saßen wir fest…

Zu allem Übel standen wir plötzlich bei acht Grad in einer riesigen Regenwolke. Das geht so rasend schnell in den Hochalpen (2.700m). Wir fuhren ein Stück, bis wir dann doch zu dem Entschluss kamen, dass es zu gefährlich ist den Berg bei Gewitter (es fing an zu donnern und zu blitzen) runter zu fahren... vor allem zitterte Zuni vor Angst und Kälte am ganzen Körper... wir übernachteten in einer Pension auf dem Glockner, wo wir erst mal eine halbe Stunde warm duschen mussten, um uns wieder aufzuwärmen... das Erlebnis werden wir so schnell nicht vergessen... vor allem wie unberechenbar das Wetter in den Bergen ist.

Danach sind wir 170 Kilometer bis nach Kärnten an der Grenze zu Italien gefahren. Nun sind wir bei Melanie, Christian und ihren Kindern angekommen. Wir freuen uns riesig über ihre Gastfreundschaft… und gesehen haben wir uns auch länger nicht. Wir hoffen, dass am Sonntag gutes Wetter ist, denn davon hängt unser Start beim Triathlon am Faaker See ab. Mal sehen.

Bis dahin und Servus, Zuni & Niels