"Wer denkt, dass Holland flach ist, wird sich wundern"

Als gebürtige Niederländerin wird Yvonne van Vlerken natürlich bei der diesjährigen Ironman-Premiere in Maastricht dabei sein. Im tri-mag-Interview verrät sie Details über das neue Rennen, ihre Heimat und ihre weitere Saisonplanung.

Von > | 17. April 2015 | Aus: SZENE

Yvonne van Vlerken Challenge Roth

Foto >Michael Rauschendorfer

Yvonne van Vlerken, Sie leben schon lange in Österreich, stammen aber aus den Niederlanden. Warum sind Sie aus der Heimat weg gezogen?
Ich bin seit 2007 in Vorarlberg in Österreich und mir gefällt es dort noch immer sehr gut. Ich bin damals wegen einer Beziehung dorthin gezogen. Dann ist mein Leben neue Wege gegangen, aber zurückziehen nach Holland wollte ich nicht, es ist viel zu schön in Vorarlberg und dazu kann ich da perfekt trainieren. Triathlon hat sich im deutschsprachigen Raum auch viel stärker etabliert als in den Niederlanden und deswegen bringt es mir mehr auch rein geschäftlich viel mehr, in dieser Region zu bleiben.

In den Niederlanden entwickelt sich der Triathlonsport weniger schnell? Ist der neue Ironman Maastricht da eher eine Ausnahme?
Ich wohne schon eine Weile nicht mehr in Holland, habe aber das Gefühl, dass der Triathlonsport in den Niederlanden noch immer nicht das ist, was er zum Beispiel in Deutschland ist. Es gibt einige tolle Rennen in Holland. Die Veranstaltungen sind meist sehr gut organisiert. Aber meiner Meinung nach bekommt Triathlon einfach viel zu wenig mediale Aufmerksamkeit. Das hat natürlich einen negativen Einfluss auf Sponsoren, was dazu beiträgt, dass es wenig Preisgeld gibt. Deshalb kommen auch keine Weltklasseathleten - und so weiter. Ich glaube aber, dass der Sport dort wächst und das ist natürlich eine gute Sache. Ich hoffe, dass mit dem Ironman Maastricht noch mal ein Extra-Push kommt.

Sie haben sich früh entschieden, beim neuen Rennen in Maastricht dabei zu sein. Kennen Sie die Strecken schon?
Ja, ich werde dabei sein! Ich sehe es als meinen Auftrag an, den Triathlonsport im Holland weiter voran zu bringen und als niederländische Triathletin muss man auf jeden Fall bei der Premiere dabei sein. Ich habe einige Rennen in dieser Gegend gemacht, die Radstrecke kenne ich teilweise, ich werde mir aber alles nochmal genau anschauen. Ich bin diese Woche extra in die Niederlande gekommen und werde mir die Schwimm-, Rad- und Laufstrecke ganz genau anschauen. Übrigens nicht nur für mich selbst, sondern auch um anderen Startern noch Tipps geben zu können.

La Santa Duathlon | Yvonne van Vlerken

Yvonne van Vlerken

Foto >Bob Foy

Was erwartet Starter und Zuschauer dort am Renntag?
Maastricht ist ein ganz tolle Stadt. Für meinen Bruder ist es die absolute Lieblingsstadt in Holland. Also sollte man sicher nicht nur schnell zum Ironman herfahren, sondern rundherum unbedingt einen kleinen Urlaub einrichten. Das Rennen selbst wird sicher ganz toll für Zuschauer: die Schwimmstrecke kann man gut verfolgen und wenn wir uns dann mit dem Rad durch die niederländischen Berge quälen, können die Zuschauer ein bisschen in der Stadt bummeln und Energie tanken, um uns dann auf den drei Runden der Laufstrecke anzufeuern. Das werden wir brauchen, da die Laufstrecke nicht ohne ist.

Niederländische Berge? Die Niederlande gelten als flach und windig – sind das wider Erwarten nicht die Bedingungen, auf die man sich in Maastricht einstellen sollte?
Wer denkt, dass Holland flach und windig ist, wird sich in Maastricht ordentlich täuschen. Nein, mit solchen Gedanken macht man einen Fehler. Das Bundesland Limburg und vor allem die Gegend um Maastricht und Stein ist alles andere als flach. Man sollte sich im Vorfeld die Strecke dringend mal anschauen, sonst könnte es eine unangenehme Überraschung geben.

Was haben Sie selbst nach dem Ironman Maastricht wettkampftechnisch 2015 außerdem vor?
Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich gern viele Rennen mache. Das wird auch dieses Jahr nicht anders sein. Da ich meine Qualifikation für Hawaii schon in die Tasche habe, ist mein Programm voll mit meinen Lieblingsrennen.

Yvonne van Vlerken Ironman Melbourne | Yvonne van Vlerken auf der Laufstrecke des Ironman Melbourne

Yvonne van Vlerken auf der Laufstrecke des Ironman Melbourne

Foto >Whitsup

Und die wären?
Ihr möchtet ein paar davon wissen? Ironman 70.3 St. Pölten, Ironman 70.3 Kraichgau, Challenge Walchsee, Triathlon Ingolstadt und zum ersten Mal werde ich auch beim Indeland Triathlon dabei sein. Mein gesamtes Programm verrate ich aber noch nicht. 

Nur so viel: Ist der Ironman Hawaii wieder das große Ziel? Was trauen Sie sich dort noch zu?
Hawaii sollte das große Ziel sein, ich finde es aber schwierig, mich schon jetzt darauf zu fokussieren. Jetzt stehen erstmal zwei andere große Rennen an - das eine ist der Ironman Maastricht. Den möchte ich gewinnen. Aber zurück zur Frage. Wenn ich nicht mit einem zu großen Schwimmrückstand aus der Kailua Bay heraus komme, traue ich mir auf Hawaii einiges zu. Bei meiner Hawaii-Premiere wurde ich Zweite, dann folgte ein "Did not finish" (DNF), das nächste Jahr ein siebter Platz, dann wieder ein DNF, danach Platz vier und dann - ja, man ahnt es schon - ein DNF. Demnach müsste dieses Jahr wieder alles gutgehen. Ich wünsche mir einen tollen Podestplatz, hoffe auf die Top 5. Aber mit einem starken Schwimmen, einem gewohnt starken Radeln und einem Marathon von drei Stunden, wären auch die Top 3 möglich. Auf Hawaii weiß man es eben nie. Tagesverfassung, Glück, Wetterbedingungen - das sind alles Sachen, die man nicht groß beeinflussen kann. Da ich dank meiner neuen Zusammenarbreit mit Caroline Rauscher vielleicht endlich die richtige Ernährung gefunden habe, könnte das auch noch mal einiges ausmachen. Besonders bei ein Rennen wie dem Ironman Hawaii, wo ich schon öfter üble Magen-Darm-Probleme hatte. Also: Ich traue mir dort noch einiges zu!