Wer ist der beste Taktiker in der Wüste Arabiens?

Der Abu Dhabi International Triathlon ist die erste große Standortbestimmung im noch jungen Triathlonjahr 2013. In der Wüste Arabiens wollen der Belgier Frederik van Lierde und die Australierin Nikki Butterfield am Samstag ihre Titel verteidigen. Chris McCormack und Andreas Böcherer gehören zu denen, die sich ebenfalls in die Siegerlisten des Prestigerennens eintragen könnten.

Von > | 28. Februar 2013 | Aus: SZENE

Pressekonferenz in Abu Dhabi | Conrad Stoltz, Chris McCormack, Nikki Butterfield und Frederik van Lierde sind die gefragten Favoriten bei der Pressekonferenz vor dem 4. Abu Dhabi International Triathlon.

Conrad Stoltz, Chris McCormack, Nikki Butterfield und Frederik van Lierde sind die gefragten Favoriten bei der Pressekonferenz vor dem 4. Abu Dhabi International Triathlon.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Er könne auch schon im März gut sein, sagt der Sieger von 2011, Frederik van Lierde. "Ich brauche nicht viele Rennen, um warm zu werden - so sind wir radsporterfahrenen Belgier." Doch der Blick auf die mit einigen Weltmeistern verschiedener Disziplinen gespickte Starterliste sagt van Lierde auch: "Das wird in diesem Jahr nicht einfach."

Taktikfüchse auf der Jagd

Einer, der van Lierde das Leben schwer machen will, ist der zweifache Hawaii-Sieger Chris McCormack. Er gilt als einer der ausgefuchstesten Taktiker im Langdistanz-Zirkus. Eine Konstellation wie zuletzt 2012 würde dem Australier gefallen: Einer Karawane gleich haben sich die besten Athleten in den vergangnenen Jahren in der Wüste aneinandergereiht. Wer ausbrach, wurde bitter bestraft. Zuletzt Faris Al-Sultan, der im Vorjahr auf dem Rad sein Glück in der Flucht suchte, sich beim Laufen in der Rolle des Gejagten wiederfand und kurz vor dem Ziel dem frischesten der Jäger, dem Dänen Rasmus Henning, zum Opfer viel. Doch McCormack, der auf die 40 zugeht, hat Respekt: "Die 200 Kilometer der Radstrecke sind nicht viel mehr als die 180 im Ironman. Doch das Radfahren ist hier so wichtig - man steigt am Ende ab und ist gegrillt. Vor meinem ersten Start vor zwei Jahren dachte ich, die 20 Laufkilometer wären nur noch eine leichte Brise - aber das wird dann richtig hart."

Al-Sultan ist nach der Auflösung des von ihm initiierten Abu Dhabi Triathlon Teams ebensowenig am Start wie Henning, der seine Karriere im Oktober nach dem Ironman Hawaii beendet hat. Auch der schnellste Radfahrer des Vorjahres, der Amerikaner Andrew Starykowicz, fehlt. Starykowicz hatte im November beim Ironman Florida in 4:04:39 Stunden eine neue Weltbestzeit über die 180 Radkilometer eines Ironman-Rennens hingelegt und auch in Abu Dhabi 2012 die zweite Disziplin dominiert – trotz eines Unfalls mit einer Helferin an der Radstrecke, bei der sich Starykowicz das Schlüsselbein brach, die Helferin allerdings so starke Verletzungen davontrug, dass sie tagelang im Koma lag. Starykowicz wurde wegen Fahrerflucht eine Nacht in Gewahrsam gehalten, konnte erst nach sechs Wochen aus den Emiraten ausreisen und macht in diesem Jahr einen großen Bogen um das Rennen.

Die Chancen der Anderen

Die deutschen Farben halten in diesem Jahr allein Andreas Böcherer und Per Bittner hoch. Bei seinem dritten Start in Abu Dhabi ist für Böcherer allerdings eher eine Standortbestimmung, denn die Starterliste hat der Vorjahres-Vierte bis zu seiner Anreise gar nicht studiert. Dabei finden sich dort manch spannende Namen: Der Xterra-Altmeister Conrad Stoltz zum Beispiel ("Mit 85 Kilogramm bin ich für einen Ironman zu schwer, aber 20 Kilometer kann ich schon noch schnell laufen"), der Premierensieger Eneko Llanos aus Spanien und dessen Landsmann Mikel Elgezabal, die Australier Paul Ambrose und David Dellow sowie die Briten Philip Graves, Fraser Cartmell und Paul Amey.

Mutter, Ehefrau, Abu-Dhabi-Siegerin

Im Rennen der Frauen hat Nikki Butterfield eigens ihre Lebensplanung geändert, um ihren Vorjahressieg zu wiederholen. "Im Juni habe ich festgestellt: Ich kann nicht gleichzeitig eine gute Mutter, eine gute Ehefrau und eine gute Athletin sein", sagt die Australierin. "Daher habe ich den Sport an den Nagel gehängt." Doch im Dezember kam der Rücktritt von Rücktritt: "Ich will noch einmal in Abu Dhabi gewinnen." Mit 65 Kilogramm habe die zierliche Frau das Training wieder aufgenommen, nun - drei Monate später und acht Kilogramm leichter - fühle sie sich sogar besser vorbereitet als im vergangenen Jahr, wohl wissend: "Ich weiß nicht, wie das nach sieben Rennstunden aussieht."

Ihren ersten Sieg in Abu Dhabi möchte dagegen Caroline Steffen einfahren. Vierte (2010), Dritte (2012) und Zweite (2011) war sie schon: "Entweder werde ich also Fünfte oder Erste", lacht die Schweizerin zwei Tage vor dem Rennen. Doch das Starterfeld hat es in sich: Neben Butterfield und Steffen schielen auch die Australierin Melissa Hauschildt, die Neuseeländerin Joanna Lawn, Heather Wurtele aus Kanada und Tiina Boman aus Finnland auf die Siegprämie von 50.000 US-Dollar. Einzige Porfi-Starterin aus Deutschland ist Diana Riesler.