Zwei Aussies erobern Auckland

Die Australierin Annabel Luxford und ihr Landsmann Christian Kemp haben die Premiere des Ironman 70.3 Auckland gewonnen. Kemp brachte Bevan Docherty um den erhofften Heimsieg, Luxford setzte sich bei der 70.3 Asia-Pacific Championship überlegen gegen Caroline Steffen und Meredith Kessler durch.

Von > | 20. Januar 2013 | Aus: SZENE

Annabel_Luxford_NEU | Annabel Luxford

Annabel Luxford

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Für Topfavorit Terenzo Bozzone war die Heimpremiere schon zu Ende bevor sie überhaupt angefangen hatte: Bei seiner letzten Trainingsfahrt krachte der Neuseeländer mit seinem Wettkampfrad gegen eine Autotür. Dabei zog er sich nicht nur selbst leichte Prellungen und Abschürfungen zu; er ruinierte sich zudem sein teures Bike. Schweren Herzens verzichtete Bozzone auf den Start. Die Chance für andere, sich bei der Erstaustraugung in der modernen Hafenstadt, in die Siegerliste einzutragen. Am Ende tat das einer, den wahrscheinlich nur wenige Insider auf ihrem Favoritenzettel notiert hatten.

Mutiger Youngster, bissiger Brite

Mehr als ein vierter Platz bei einem 70.3-Rennen in den USA hatte für Christian Kemp bisher noch nicht zu Buche gestanden. Und nach dem Schwimmen im Hafenbecken von Auckland deutete wirklich nicht viel darauf hin, dass ausgerechnet er das Rennen für sich entscheiden würde. Knapp eine Minute hinter dem US-Amerikaner Cameron Dye und deutlich hinter einer starken Gruppe mit den Kiwis Bevan Docherty und Clark Ellice sowie dem Schotten Fraser Cartmell stieg Kemp als Zwölfter aufs Rad. Dort übernahm von Beginn an der erst 20-jährige James Hodge mutig die Initiative. Im teils dichten Nebel jenseits der bekannten Harbour Bridge verloren den Youngster zeitweise nicht nur seine Konkurrenten sondern auch die Kameras aus den Augen. Fast zwei Minuten Vorsprung erkämpfte sich Hodge zwischenzeitlich. Der schnellste Radfahrer war aber Paul Ambrose, der 2012 von Faris Al-Sultan ins Abu Dhabi Triathlon Team geholt worden war und das Loch zu Hodge bis zum zweiten Wechsel bis auf wenige Sekunden schließen konnte. Noch in der Wechselzone knöpfte der Brite dem jungen Australier die Führung ab. Nur eine Minute später schlüpfte Kemp hochmotiviert in seine Laufschuhe - auch Docherty und Ellice lagen 20 Sekunden dahinter noch in Schlagdistanz.

Überraschungssieg trotz Unterzahl

Ambroses Traum vom perfekten Saisoneinstand zerplatzte schon nach drei Kilometern. Da schloss zunächst Kemp auf und legte schnell einige Meter zwischen sich und den 28-jährigen amtierenden Champion des Ironman Australia. Auch Docherty und Ellice schnappten sich den Briten noch vor Ende der ersten von zwei Laufrunden, kurz darauf stellten sie auch Kemp. Bei Halbzeit war klar. Der Sieger der Premiere von Auckland würde aus diesem Trio kommen. Und trotz numerischer Überlegenheit schafften es die beiden Neuseeländer nicht, den 32-jährigen Australier an seinem ersten 70.3-Titel zu hindern. Erst musste Ellice abreißen lassen, sieben Kilometer vor dem Ziel konnte auch Docherty die kleine Tempoverschärfung von Kemp nicht mehr mitgehen. "Natürlich hätte ich gern hier zu Hause gewonnen", haderte Docherty im Ziel mit der verpassten Chance und den 34 Sekunden, die am Ende fehlten. Doch die Saison sei noch lang und insgesamt könne er auch mit dem zweiten Platz gut leben. Kemp konnte den wichtigsten Sieg seiner Karriere nach knapp vier Rennstunden kaum in Worte fassen: "Ehrlich gesagt, habe ich mich heute selbst überrascht", jubelte er im Ziel. "Meine Beine haben einfach ein bisschen länger durchgehalten als die der Anderen." Bisher sei er bei den meisten seiner Rennen unter dem Radar seiner Konkurrenten geflogen, versuchte Kemp seinen überraschenden Sieg zu erklären. Das dürfte sich spätestens jetzt ändern. Langdistanz-Legende Cameron Brown landete weit abgeschlagen auf dem 23. Platz.

Ironman 70.3 Asia-Pacific Championship | Männer

  1. Januar 2013, Auckland (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Christian Kemp

AUS

3:56:03

24:20

2:10:46

1:19:41

2

Bevan Docherty

NZL

3:56:37

23:49

2:11:39

1:19:55

3

Clark Ellice

NZL

3:58:24

23:36

2:11:49

1:21:42

4

Paul Ambrose

GBR

3:59:27

24:47

2:09:30

1:23:53

5

James Hodge

AUS

3:59:58

23:31

2:10:31

1:24:26

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Luxford lupenrein, Steffen solide

Auch im Rennen der Frauen ging das ozeanische Prestigeduell an Australien. Und zwar deutlich. Im Unterschied zu den Männern hatte man hier den Kiwis aber ohnehin nur Außenseiterchancen eingeräumt. Ohne große eigene Erwartungen war auch Annabel Luxford zu ihrem dritten 70.3-Rennen angetreten. Das behauptete die 30-Jährige zumindest später im Ziel. Dass die vierfache ITU-Weltcup-Gewinnerin und Vizeweltmeisterin von 2005 vor ihrer zweiten Saison auf der Mitteldistanz damit ein bisschen tiefgestapelt hatte, bekam nicht nur die Schweizerin Caroline Steffen, sondern auch die 70.3-Weltmeisterin von 2011, Melissa Hauschildt zu spüren. Die stürzte noch dazu beim Radfahren auf dem seifigen Untergrund und verzichtete schließlich auf den Halbmarathon. Da war Luxford allerdings schon längst enteilt. Mit der schnellsten Schwimm- und Radzeit - selbst Steffen knöpfte sie auf dem flachen 90-Kilometer-Kurs fast zwei Minuten ab - machte frühere U23-Weltmeisterin schon vor dem Laufen alles klar. Dort war die Neuseeländerin Anna Ross zwar ein paar Sekunden schneller - doch das war auch der einzige kleine Triumph, den Luxford den Gastgebern an diesem Tag gönnte. Nach 4:19:19 Stunden war der lupenreine Start-Ziel-Sieg der einst größten australischen Kurzdistanzhoffnung perfekt. "Ich habe mich heute nur darauf konzentriert, alles richtig zu machen. Am Ende hat es sich ausgezahlt", so Luxford im Ziel. Für Steffen reichte beim Saisonauftakt es immerhin zu Platz zwei. Die US-Amerikanerin Meredith Kessler zehrte im Rennverlauf von ihrer starken Schwimmleistung und wurde dafür mit einem Podiumsplatz belohnt. Dana Wagner, die einzige deutsche Athletin im Profifeld landete auf dem 15. Platz.

Ironman 70.3 Asia-Pacific Championship | Frauen

  1. Januar 2013, Auckland (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Annabel Luxford

AUS

4:19:19

25:49

2:22:14

1:29:47

2

Caroline Steffen

SUI

4:25:16

27:07

2:23:52

1:32:53

3

Meredith Kessler

USA

4:29:25

25:52

2:28:08

1:33:43

4

Sarah Crowley

AUS

4:32:05

29:20

2:28:59

1:31:52

5

Anna Ross

NZL

4:34:26

30:13

2:32:56

1:29:43

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