"Die raue Natur ist Teil der Motivation"

Auch in Skandinavien ist Triathlon auf dem Vormarsch. Die Anzahl der Rennen und deren Bedeutung über den Norden Europas hinaus wächst stetig. Wir haben mit Sven Schober, einem in norwegischen Haugesund lebenden Architekten, über den Norseman, den Ironman 70.3 Haugesund und andere aufregende Abenteuer gesprochen.

Von > | 27. Januar 2015 | Aus: SZENE

Norseman Xtreme 2014 - 11 | Isklar Norseman Xtreme Tri 2014

Isklar Norseman Xtreme Tri 2014

Foto >José Luis Hourcade / joseluishourcade.com

Herr Schober, Sie leben und arbeiten in Norwegen und sind dort auch als Triathlet aktiv. Man hört immer wieder davon, dass Triathlon in Skandinavien boomt.
Ja, das stimmt. Speziell mit dem Ironman 70.3 in Haugesund ist das Interesse seit 2012 enorm gestiegen. Ein Beispiel dafür war die Gründung des Haugesund Triathlon Klubs 2012. Innerhalb von acht Monaten war er der größte in Norwegen. Er zählt über 400 Mitglieder, verfügt über ein reichhaltiges Trainingsprogramm, setzt auf Jugendarbeit und hat seit 2014 seinen eigenen Wettkampf auf der Sprintdistanz.

Suchen die Skandinavier im Triathlon denn vor allem Spaß oder sehen sie darin eine harte Herausforderung, sich zu beweisen?
Beides. Sie suchen definitiv die Herausforderung, wobei der Spaß nicht fehlen darf. Viele Teilnehmer des Ironman 70.3 hatten vorher nicht mal ansatzweise etwas mit Ausdauersport zu tun. Das Schwimmen ist für die meisten die größte Herausforderung, aber bei den Trainingseinheiten im mittlerweile oft überfüllten Becken treibt man sich gegenseitig an. Neben den eher ernsthaften Rennen gibt es aber ein paar Wettbewerbe, bei denen Spaß und Spannung im Vordergrund stehen. Zum Beispiel der Trapp-Trapp-Triathlon in Stavanger mit den Disziplinen 25 Kilometer paddeln, 4.444 Stufen einer Wasserkraftwerksanlage hoch, 12 Kilometern Geländelauf und 30 Kilometern auf dem Fahrrad. Oder dem Rockman Swimrun über 6 Kilometer Schwimmen, 35 Kilometer Laufen, ebenfalls inklusive 4.444 Stufen und über insgesamt 2.800 Höhenmeter.

Das klingt nach Abenteuer. Skandinavier gelten ohnehin als naturverliebt und sportlich aktiv, oder?
In Norwegen gibt es viele Traditionen, die mit der Natur zu tun haben. Es wird viel gewandert und die meisten haben entweder eine Hütte am Wasser oder in den Bergen. Daher kann man sicher von einer Naturverliebtheit sprechen. Wer als Gast in Norwegen die Natur schon mal erleben konnte, kann das ganz bestimmt nachvollziehen. Die Lust, sich in dieser Landschaft zu bewegen, kommt ganz von alleine, egal ob im Sommer oder Winter. Diese Mischung aus unmittelbarer Natur und Bewegungslust sorgt fast automatisch für eine stärkere Aktivität.

Wie passt denn der Triathlon in den oft als etwas rauen beschriebenen Norden Europas?
Triathlon passt sehr gut, auch wenn die Schwimmsaison eher kurz ist. Es gibt allerdings auch "Wintertriathlon", bei dem das Schwimmen in der Halle stattfindet. Hier oben ist das Wetter keine Behinderung. Das darf es auch nicht sein, sonst müsste man sich ganz schön einschränken. Ich glaube, dass ein Teil der Motivation gerade die raue Natur ist. Und diese zu meistern. Besonders bei Langdistanzen wie dem Norseman, bei dem viele Höhenmeter zu bewältigen sind, und wo das Wetter einem in einem einzigen Rennen mit all seinen vier Jahreszeiten begegnen kann.

Damit hat der Norseman sich ja bereits einen weltweiten Ruf erarbeitet. Gibt es daneben auch kleinere Veranstaltungen, zu denen sich eine Anreise lohnt?
Es gibt eine gute Anzahl von Sprint-und Mitteldistanz-Wettbewerben, die sich über das ganze Land verteilen. Unter anderem der schon erwähnte Sprinttriathlon in Haugesund. Schon kurz nach der Premiere des Ironman 70.3 nach Haugesund hat sich auch ein Sprinttriathlon (Auklandshamn Triathlon) in der Region etabliert, der als Trainingswettbewerb für den Ironman gut funktioniert. Die bisherige Teilnehmerzahl von etwa 30-50 ist schon auf 150 Athleten gestiegen. Mittlerweile gibt es sogar eine Warteliste.