DTU will Verfahren einleiten

Die Deutsche Triathlon Union wird ein Ermittlungsverfahren gegen Triathlonprofi Stephan Vuckovic einleiten, um die Dopingvorwürfe des früheren Präsidenten Dr. Martin Engelhardt zu prüfen. Die bisherigen Erklärungen reichten nicht, so DTU-Präsidentin Claudia Wisser.

Von > | 8. Januar 2009 | Aus: SZENE

Stephan Vuckovic | Stephan Vuckovic

Stephan Vuckovic

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

In einem Mitte Oktober an mehrere Funktionäre der DTU gesendeten "Gedächtnisprotokoll" hatte Engelhardt den Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Sydney beschuldigt, bei den Europameisterschaften im Juni 2001 im tschechischen Karlsbad mit EPO gedopt zu haben. Dies habe Vuckovic selbst unter dem Druck einer schweren Erkrankung zugegeben, wegen der er auf die Intensivstation eines Krankenhauses im nahegelegenen Bayreuth verlegt worden war. Verbandsarzt Dr. Andreas Marka und DTU-Präsident Dr. Klaus Müller-Ott hätten ihm davon berichtet, den Fall aber geheimgehalten, hatte Engelhardt in seinem Schreiben behauptet, das die Süddeutsche Zeitung Ende November veröffentlichte.

"Attest kann den Verdacht nicht zerstreuen"

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) forderte die DTU auf, den Vorwürfen unverzüglich nachzugehen, um die drohende Verjährung eines möglichen Dopingvergehens abzuwenden. Die kurz zuvor ins Amt gewählte DTU-Präsidentin Claudia Wisser hatte daraufhin Stellungnahmen von Vuckovic, Müller-Ott, Marka sowie vom ebenfalls der Mitwisserschaft beschuldigten Leistungsdiagnostiker am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig, Prof. Dr. Arndt Pfützner, angefordert. "Die beigebrachten Unterlagen und Befunde können den Verdacht nicht zerstreuen", sagte Wisser in einem in Kürze erscheinenden Interview mit dem Fachmagazin triathlon. Die Anti-Doping-Kommission werde deshalb eigene Ermittlungen aufnehmen.

Vuckovic, der sich bereits im Jahr 2006 nach Bekanntwerden eines E-Mail-Verkehrs seines ehemaligen Trainers Thomas Springstein konkreten Dopinganschuldigungen gegenübersah, bestreitet weiterhin alle Vorwürfe. Sein Anwalt Lehner kündigte inzwischen eine Schadensersatzklage gegen Engelhardt an, die "in die Hunderttausende gehen" werde. "Ich kann nur noch einmal an Stephan Vuckovic appellieren, mit all seinen Möglichkeiten aktiv mitzuarbeiten, die Sache aufzuklären und dafür auch die beteiligten Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden", sagte die DTU-Präsidentin Wisser.