Ehemalige Teamkollegen belasten Lance Armstrong

Fünf ehemalige Teamkollegen haben den US-Amerikaner Lance Armstrong laut einer Meldung der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf" mit Aussagen vor der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA belastet. Für ihre eigenen Dopingvergehen erhalten sie im Gegenzug eine deutliche Strafmilderung.

Von > | 5. Juli 2012 | Aus: SZENE

George Hincapie | George Hincapie

George Hincapie

Foto >Daniel Huerlimann / dreamstime.com

Es könnte einige Sprengkraft stecken in dem, was Lance Armstrongs ehemalige Helfer aus seiner Zeit im Profi-Radsport gegenüber der USADA offenbart haben; George Hincapie, Levi Leipheimer, Christian Vande Velde, David Zabriskie und Jonathan Vaughters gehören ganz offensichtlich zu den "mindestens zehn Zeugen", die die USADA in ihrer am 12. Juni an Armstrong und fünf weitere Personen zugestellten Mitteilung über die Eröffnung eines Dopingverfahrens angekündigt hat. Die Radprofis hätten in Gesprächen mit Ermittlern der USADA eigene Dopingvergehen eingeräumt und dabei auch ihren ehemaligen Kapitän und Arbeitgeber Lance Armstrong belastet, berichtet der niederländische "Telegraaf" in seiner Donnerstagsausgabe. Im Gegenzug für ihre Einlassungen hätten die vier Erstgenannten - alle derzeit bei der Tour de France im Einsatz - eine auf sechs Monate verkürzte Sperre erhalten, die zudem erst nach dem Ende der Rennsaison greife. Ob auch für Vaughters eine entsprechende Regelung greift, ist nicht bekannt.

Ausschließlich Indizien und Zeugen

Der außergewöhnliche Deal zeigt, wie ernst es der USADA mit ihrer Ankündigung sein muss, der vermeintlichen Drahtzieher der von ihr vermuteten Doping-Verschwörung ("Doping Conspiracy") habhaft zu werden. Die Vorwürfe gegen Armstrong und sein ehemaliges Umfeld reichen weit vor die für Dopingvergehen geltende Verjährungsfrist von acht Jahren, stützen sich aber wohl ausschließlich auf Indizien und Zeugenaussagen. An deren Substanz hängt also eines der aufsehenerregendsten Verfahren seit der sogenannten BALCO-Affäre um das kalifornische Dopinglabor im Jahr 2003. Einen ersten Hinweis auf die von der USADA selbst bisher nicht namentlich benannten Zeugen hatte kürzlich die Bitte Hincapies und mehrerer Kollegen an den US-Radsportverband gegeben, sie nicht zur Nominierung für die Olympischen Sommerspiele in London vorzuschlagen.

Auf Empfehlung ihres Review Boards, einer dreiköpfigen Expertenkommission, hat die USADA inzwischen offiziell Klage gegen Armstrong, seinen ehemaligen Teamchef Johan Bruyneel, die Teamärzte Dr. Pedro Celaye und Dr. Luis Garcia del Moral, den Physiotherapeuten Pepe Marti und den in Italien bereits wegen Dopings verurteilten Arzt Dr. Michele Ferrari erhoben. Die Beklagten haben bis zum 9. Juli Zeit, ein unabhängiges US-Schiedsgericht anzurufen. Im Fall eines Schuldspruchs droht Armstrong eine lebenslange Sperre. Von Rennen der World Triathlon Corporation (WTC, Inhaberin des Ironman-Labels) ist Armstrong seit dem 13. Juni bis zur Klärung der Dopingvorwürfe suspendiert.

Mehr zum Armstrong-Verfahren und den Reaktionen von Sportlern und der WTC lesen Sie in der kommenden Ausgabe der "triathlon", die am 18. Juli erscheint.