Ein Netzwerk des Dopings

Im Interview mit dem Kurier nennt die wegen Dopings gesperrte ehemalige österreichische Kadertriathletin Lisa Hütthaler erstmals Hintermänner. Auch der Arzt Andreas Zoubek wird schwer belastet - und scheint doch nur ein kleiner Fisch im Dopingnetz zu sein.

Von > | 27. März 2009 | Aus: SZENE

Lisa Hütthaler | Lisa Hütthaler

Lisa Hütthaler

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Noch nie hat wohl ein noch aktiver Sportler so umfangreich öffentlich den eigenen Dopingbetrug gestanden wie die ehemalige Nachwuchshoffnung des Österreichischen Triathlonverbands. Verängstigt und offensichtlich gezeichnet von den Monaten seit ihrer Überführung als EPO-Doperin am 22. März 2008 berichtet Hütthaler in einem am Freitag erschienenen Interview des österreichischen Kurier über Praktiken und Hintermänner ihres Betrugs. Bis vor kurzem hatte sie jegliches Doping bestritten und gegen ihre vom Verband verhängte zweijährige Sperre sogar mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof gedroht.

Wachstumshormone, EPO, Blutkonserven

Sie wolle mit ihrem Geständnis "endlich mit der Vergangenheit aufräumen und abschließen" und hoffe auf eine zweite Chance. "Ich will unbedingt meinen Sport weiter betreiben und meine Karriere retten", sagt die 25-Jährige. Von deren Glanz allerdings - im Jahr 2007 gewann Hütthaler die Österreichische Staatsmeisterschaft und wurde Militärweltmeisterin im Triathlon - bleibt nach dem Geständnis nicht viel übrig. Nicht nur mit EPO habe sie in dieser Zeit gedopt, sondern auch mit Testosteron und Wachstumshormonen, die sie unter anderem von dem durch mehrere Zeugenaussagen belasteten Wiener Kinderarzt und Hobbytriathleten Andreas Zoubek erhalten haben will. "Er hat mir einmal Epo im St.-Anna-Kinderspital gespritzt. In seinem Büro. Ich bin einfach zu ihm raufgegangen. Er hat dann die Türe zugesperrt", so Hütthaler im Kurier. Über ihn habe sie dann auch den Sportmanager Stefan Matschiner kennengelernt, in den Augen vieler eine der Schlüsselfiguren in einem Doping-Netzwerk, das die gesamte österreichische Ausdauersportszene überspannt. "Zoubek [...] hat gemeint, da gebe es jemanden, der sich im Doping wirklich gut auskennt und in einer anderen Liga spielt", erinnert sich Hütthaler.

Spinne im Dopingnetz

Einen "Leibhaftigen des österreichischen Sports", die "Spinne in Österreichs Dopingnetz", titulierte die FAZ im Oktober 2008 in einer Analyse Sportmanager Matschiner. Tatsächlich taucht der Name auf, wo immer Dopingjäger in der (österreichischen) Ausdauersportszene stochern. Skilanglauftrainer Walter Mayer, Radprofi Bernhard Kohl, Marathonläuferin Susanne Pumper, auch der positiv auf anabole Steroide getestete niederländische Hindernisläufer Simon Vroemen - und eben Andreas Zoubek und Lisa Hütthaler. "Zoubek hat Matschiner angerufen und ein Treffen arrangiert. Ich hatte den Namen Matschiner davor nie gehört", sagt Hütthaler. Der Sportmanager habe sie gefragt, welche Vorstellungen, welche Ziele sie habe. Kurz darauf habe er ihr die erste Lieferung Dynepo (eine synthetische Form des Hormons EPO) verkauft. "Er hat gewusst, wie man Epo für den Tag X richtig einsetzt. Er hat auch gewusst, wie viele Einheiten man nehmen muss, damit die Wirkung nicht verpufft. Er hat mir erklärt, wie man Epo richtig spritzt. Da wird man von ihm schon beraten." Sogar im Blutdoping habe sich Matschiner ausgekannt und dafür im oberösterreichischen Steyrermühl eine große Zentrifuge stehen gehabt. Zweimal habe Matschiner ihr dort Blut abgenommen, aber nur einer der Beutel sei ihr zurücktransfundiert worden, so Hütthaler.

"Die Chance, den Sumpf trocken zu legen"

Zum ersten Mal wird Matschiner, der sich derzeit in den USA aufhalten soll, von einem betroffenen Sportler öffentlich der aktiven Mithilfe beim Doping sowie der Beschaffung und des Handels mit Dopingsubstanzen beschuldigt. Ein Verstoß wohl nicht nur gegen die im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetze, sondern auch gegen staatliche Gesundheits- und Heilberufsgesetzgebung. Was noch eine besondere Rolle spielen könnte, denn zumindest die von Hütthaler berichteten Dopingvergehen fallen in einen Zeitraum, in dem das Österreichische Anti-Dopinggesetz noch nicht in Kraft war.

Für Herwig Grabner, den Generalsekretär des Österreichischen Triathlonverbands (ÖTRV), ist Hütthalers Geständnis im österreichischen Kurier ein "sehr guter Schritt, aber auch einer, den wir von den Athleten erwarten". Durch die Affäre Hütthaler, die über Monate geprägt war von Meldungen über Bestechungsversuche und Dementi der Athletin sowie peinliche Verfahrensschwächen, habe der Triathlonsport in Österreich bereits großen Schaden erlitten. "Was Hütthaler jetzt offenbart, ist dramatisch für den Triathlon und für die Ausdauersportarten in Österreich insgesamt. Aber es eröffnet auch die Chance, den Sumpf trockenzulegen und die Hoffnung, dass es dann besser wird." Dazu aber müssten die zuständigen Stellen noch enger zusammenarbeiten, sagt Grabner. Der ÖTRV hoffe, dass die Staatsanwaltschaft die aus den Ermittlungen um Zoubek, Hütthaler und Matschiner gewonnen Erkenntnisse nun auch der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping Agentur Österreichs (NADA Austria) zugänglich mache. "Was hier ans Tageslicht kommt, hat ja nicht nur strafrechtliche, sondern auch immense sportrechtliche Bedeutung."