Engelhardt muss schweigen

Der ehemalige DTU-Präsident Dr. Martin Engelhardt darf seine Dopingvorwürfe gegen den Triathlon-Profi Stephan Vuckovic nicht wiederholen. Anwalt Michael Lehner erwirkte eine entsprechende Unterlassungserklärung des Osnabrückers.

Von > | 4. Dezember 2008 | Aus: SZENE

PD Dr. Martin Engelhardt | PD Dr. Martin Engelhardt

PD Dr. Martin Engelhardt

Foto >Frank Wechsel / spomedis

In einem Mitte Oktober an den Baden-Württembergischen Triathlonverband (BWTV) und die Geschäftsstelle der Deutschen Triathlon Union (DTU) gesandten "Gedächtnisprotokoll" hatte Engelhardt behauptet, der während der Europameisterschaften im tschechischen Karlsbad lebensbedrohlich erkrankte Vuckovic habe im Juni 2001 auf nachdrückliches Befragen der Ärzte im Bayreuther Krankenhaus EPO-Doping zugegeben. Davon hätten sowohl der damalige DTU-Präsident Dr. Klaus Müller-Ott als auch Teamarzt Dr. Andreas Marka gewusst, die Angelegenheit jedoch vertuscht. Diese Behauptung wird Engelhardt laut einer Meldung der Donnerstagsausgabe der Stuttgarter Nachrichten nicht wiederholen.

"Der Sache muss nachgegangen werden"

"Die Demokratie in Deutschland gibt jedem die Freiheit, mit juristischen Möglichkeiten Aussagen zu unterdrücken", zitiert die Tageszeitung den ehemaligen DTU-Präsidenten. Er habe die Erklärung "in Abwägung der finanziellen Folgen" abgegeben, die ihm bei einer weiteren Verbreitung der Behauptung drohten. Dies ändere jedoch nichts an deren Wahrheitsgehalt, er werde dem Bundesministerium des Innern, der NADA sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund eine entsprechende Stellungnahme übersenden, damit diese den Vorwürfen weiter nachgingen. "Wenn der ernst gemeinte Wille besteht, für einen sauberen Sport zu sorgen, dann muss dieser Sache nachgegangen werden."

Einflussnahme auf BWTV-Präsidiumswahlen?

Der späte Zeitpunkt des von Engelhardt verbreiteten Protokolls kurz vor den Präsidiumswahlen im BWTV hatte Fragen nach den Beweggründen des Osnabrücker Arztes aufgeworfen. Engelhardt hatte angegeben, das angebliche Geständnis Vuckovic' sei ihm bereits im Juni 2001 von seinem kurz zuvor ins Amt gewählten Nachfolger Müller-Ott in einem vertraulichen Telefonat berichtet worden. "Als Stephan Vuckovic vor vier Jahren die realistische Chance auf einen Startplatz bei den Olympischen Spielen in Athen hatte, schien ihm (Engelhardt) sein Wissen weniger Magendrücken zu bereiten", kritisierte die neue DTU-Präsidentin Claudia Wisser gegenüber tri-mag.de. "Dabei gehörte er im Sommer 2004 selbst zum Ärztestab des deutschen Olympiaaufgebots." Die Ende Oktober im Amt bestätigte Präsidentin des BWTV, Dr. Susanne Mortier, vermutet, Engelhardt habe Einfluss auf die Präsidiumswahlen nehmen wollen. Die Ärztin hatte sich eigentlich aus der Verbandsführung zurückziehen wollen und die Präsidentschaftskandidatur Vuckovic' unterstützt, der Mitte Oktober noch als einziger Kandidat für ihre Nachfolge gegolten hatte.

Am Donnerstagabend will das Präsidium des BWTV zusammentreten und den Fall Vuckovic und die daraus abzuleitenden Konsequenzen offen diskutieren. Geladen ist auch der Sportliche Leiter, Stephan Vuckovic. Sollte er unter dem Druck der Vorwürfe sein Amt niederlegen wollen, habe man dafür Verständnis, hieß es aus Präsidiumskreisen.