"Gemeinsame Spielregeln vereinbaren"

Mit neuer Führungsspitze will die Marke Ironman in Europa neue Akzente setzen. Ironman-Europachef Thomas Dieckhoff, Björn Steinmetz und Stefan Jäger erzählen in der aktuellen Ausgabe der "triathlon", welche das sind, was sie an der Triathlonszene lieben – und was sie daran nervt. Einen Auszug lesen Sie hier.

Von > | 26. Februar 2014 | Aus: SZENE

Thomas Dieckhoff | Die neue Ironman-Führungsspitze in Europa um Thomas Dieckhoff will Akzente setzen.

Die neue Ironman-Führungsspitze in Europa um Thomas Dieckhoff will Akzente setzen.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es gibt Triathleten, die sich das Ironmanlogo tätowieren lassen. In anderen Teilen der Szene wächst die Unzufriedenheit mit der Muttergesellschaft World Triath­lon Corporation (WTC). Warum haben Sie dort ein so schlechtes Image?

Thomas Dieckhoff: Ich glaube, dass wir uns zu stark auf die Athleten selbst konzentriert haben. Und nicht genügend auf die Darstellung dessen, was wir leisten. Das Feedback unserer Athleten ist nämlich sensationell gut. Die positive Bewertung unserer Rennen liegt bei deutlich über 90 Prozent. Da kann mir doch keiner sagen, dass unsere Arbeit nicht wertgeschätzt werde. Unsere Rennen sind oft innerhalb weniger Stunden ausverkauft – obwohl es Alternativen gibt, die wesentlich preisgünstiger sind. Trotzdem entscheiden sich die Leute für Ironman. Dann kann das schlechte Image doch eigentlich nur daran liegen, dass wir unsere Stärken nicht gut genug kommunizieren. Und vielleicht auch von anderen Seiten gezielt falsche Botschaften über uns gestreut werden.

Welche anderen Seiten meinen Sie?

Thomas Dieckhoff: Dazu werden Sie von mir keine Aussage hören. Fakt ist, dass die typischen „Ironman-Athleten“ etwas ­ruhiger sind. Und sie sind sehr zufrieden mit uns. Es gibt daneben sehr kommunikationsfreudige Athleten, die ein Unternehmen, das sich offen zu seiner kommerziellen Ausrichtung bekennt, gern attackieren. Damit kann ich leben. In Zukunft werden wir unsere Vorteile deutlicher kommunizieren. Da haben wir in der Vergangenheit Fehler gemacht. Besonders bei unseren Preisen. Seit vier Jahren sind sie zwar stabil – und nennen Sie mir mal einen Hersteller, der seit vier Jahren die gleichen Preise anbietet –, davor allerdings haben wir eine Erhöhung durchgemacht, die meiner Meinung nach in diesem Ausmaß ein Fehler war. Ich kann nicht die Preise um 15 Prozent erhöhen, ohne zu sagen, was ich dafür Relevantes verbessert hätte.

Wurde denn damals genug angeboten, um diese Erhöhung zu rechtfertigen?

Thomas Dieckhoff: Das kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall wurde es falsch kommuniziert. Wenn man gestiegene Preise und verbesserte Leistung nicht kombiniert, kreiert man ein Image. Daran laborieren wir noch immer. In Zukunft werden wir offensiver kommunizieren.

Sie wollen bissiger werden?

Thomas Dieckhoff: Nicht gegenüber unseren Mitbewerbern. Die werden wir nicht schlechtmachen, das ist nicht unser Stil. Ich habe sehr viel Respekt vor ihnen, seien es Marken oder Ver­eine. Denn sie leisten gute Arbeit mit sehr viel Engagement. Die meisten von ihnen verfolgen dabei übrigens auch finanzielle Interessen, nicht nur wir. Niemand macht sein Geschäft aus Wohlfahrtsüberlegungen. Und ich finde: Jeder darf so viel Geld verdienen, wie er Leistung anbietet. Wir bieten viel Leistung an und verlangen deshalb einen gewissen Preis – der auch gezahlt wird.

Stichwort Kommunikation: Der Wechsel von Björn Steinmetz als ehemaliger Challenge-Lizenznehmer zur WTC hat für Aufregung gesorgt. In der Wirtschaft ist ein solcher Wechsel ein normaler Vorgang, in der Triathlonszene kam das gar nicht gut an. Was ist da falsch gelaufen, wurde der Wechsel auch schlecht kommuniziert?

Björn Steinmetz: Das war kommunikativ eine Katastrophe! Das muss ich mir selbst zuschreiben und mich dafür entschuldigen. Ich bin von dem massiven Feedback überrascht worden. Die Entscheidung, zu Ironman zu wechseln, würde ich wieder so treffen. Aber wenn ich das jetzt noch mal machen müsste, würde ich es definitiv ganz anders angehen.

Was würden Sie denn anders machen?

Björn Steinmetz: Sicherlich im Vorfeld mit allen Beteiligten sprechen und mir mehr Zeit lassen mit Veröffentlichungen. Nun muss ich sagen: Es ist passiert, was soll ich tun? Man kann nur daraus lernen.

Thomas Dieckhoff: Das sehe ich genauso. Hier kamen zwei Komponenten zusammen: Eine persönliche und eine unternehmerische. Die persönliche gehört nicht in die Öffentlichkeit, dorthin ist sie aber getragen worden. Die Emotionalisierung wäre nicht nötig gewesen. Sie schadet dem Triathlonsport.

Es gibt aber immer wieder Reibereien zwischen Ihnen und der Challenge. Woran liegt das?

Thomas Dieckhoff: Ich glaube, dass die „Challenge-Athleten“, wenn man sie so nennen will, „vokaler“ sind. Außerdem sehe ich ­einen traditionell bedingten Konflikt zwischen der Familie Walchshöfer und der WTC. Den müssen wir aus dem Weg räumen. Es bringt niemandem etwas, wenn wir immer wieder Anlass bieten, sich zu echauffieren. Wir müssen gemeinsame Spielregeln vereinbaren, wie wir in ­Zukunft mit- und übereinander reden.

Björn Steinmetz: Da sehe ich ein allgemeines Problem im Triathlon. Die großen Player sollten gemeinsam daran arbeiten, den Sport voranzubringen. Sobald wir an einem Strang ziehen, haben alle mehr davon.

Thomas Dieckhoff: Warum ist Deutschland im Automobilbereich so erfolgreich? Weil wir eine sehr hohe Konkurrenz auf wenig Raum haben. Und die Industrie hat verstanden, dass das die Innovation belebt. Ich habe noch nie einen Vorstandsvorsitzenden von VW schlecht über BMW reden hören. Sie stellen ihre Erfolge heraus gegenüber anderen Marken, ja. Aber sie werden niemals sagen, BMW sei eine schlechte Firma. Da müssen wir auch hinkommen. Schaut man sich die Ironman- und die Challenge-­Rennen weltweit an, stellen wir glaube ich beide eine gewisse Benchmark dar. Ich habe größten Respekt vor der Familie Walchshöfer: Sie leisten ­hervorragende Arbeit und stecken ihr privates Vermögen in die Firma, wir tun das nicht. Vor dem, was und wie sie es tun, ziehe ich den Hut! Nichts läge mir ferner, als die ­Challenge zu zerstören oder Roth zu kaufen.

Das vollständige Interview mit Thomas Dieckhoff, Björn Steinmetz und Stefan Jäger lesen Sie - wie vieles andere mehr - in der aktuellen Ausgabe der triathlon (März 2014), die Sie jetzt im Zeitschriftenhandel finden. triathlon ist außerdem im Abo und digital (für iOS und Android) erhältlich.