Guido Weihermüller: "Triathlon hat die Kraft, Dinge zu verändern"

Mit ihrem Kinofilm "Wechselzeiten" haben Guido Weihermüller und seine Frau Silvia es gewagt, das Randgruppenthema Triathlon auf die Großbildleinwand zu bringen. Im tri-mag.de-Interview erzählt der Regisseur, wie es dazu kam, was ihm an dem Film wichtig ist und warum er Triathlon ziemlich archaisch findet.

Von > | 2. Juli 2014 | Aus: SZENE

Cecilia Start | Der Film \"Wechselzeiten\" läuft jetzt in vielen deutschen Kinos.

Der Film "Wechselzeiten" läuft jetzt in vielen deutschen Kinos.

Foto >Wechselzeiten

Guido Weihermüller, wie kommt man als Regisseur auf die Idee, einen Kinofilm über Triathleten zu machen?
Ich wollte schon lange einen Film machen, der mir auch selbst viel bedeutet. Eigentlich drehe ich ja Werbefilme und so sehr ich diesen Beruf liebe, bleibt man doch meistens an der Oberfläche. Die Idee für einen Triathlon-Film ist entstanden, als ich selbst mit Triathlon angefangen habe. Ich hatte von nichts eine Ahnung und war sofort von der Sportart und den Menschen fasziniert. Bei den Gesprächen auf den Radausfahrten am Deich bekam ich schnell das Gefühl, dass jeder Triathlet seine eigene besondere Geschichte und seinen eigenen Antrieb hat. 2012 hat meine Frau Silvia dann an einem Rookie-Programm teilgenommen. Sie war total euphorisch und hat sich viele Dinge zum ersten Mal in ihrem Leben getraut: Schwimmen mit Neoprenanzug, Radfahren mit Klickpedalen und so weiter. Die Idee zum Film entstand mit einem glücklichen Grinsen quasi mitten in meinem Wohnzimmer. Direkt im Anschluss an ihren ersten Triathlon habe ich dann angefangen, die Filmidee zu entwickeln.

Wechselzeiten_Filmplakat | Der Film \"Wechselzeiten\" läuft jetzt in vielen Kinos in Deutschland.

Der Film "Wechselzeiten" läuft jetzt in vielen Kinos in Deutschland.

Foto >Wechselzeiten

Ist das nicht mit viel Risiko behaftet? Schließlich ist die Kernzielgruppe gemessen an der kinointeressierten Öffentlichkeit ziemlich überschaubar.
Wir und ein ganzes Team von befreundeten Filmschaffenden und Triathleten sind voller Idealismus an das Projekt herangegangen und haben uns keine großen Gedanken über die Zielgruppe gemacht. Natürlich haben wir in der Vorbreitungsphase versucht, Sponsoren und Partner zu gewinnen, um das finanzielle Risiko zu minimieren.  Als das nicht geklappt hat, haben wir gesagt, wir machen es trotzdem. Wir hatten so bei der Produktion alle Freiheiten und ich glaube der Zuschauer spürt, dass es in dem Film nur um die Menschen geht und nicht darum, ein Fahrrad oder einen Neoprenanzug zu inszenieren.

Wechselzeiten_Premiere - 02 | Regisseur Weihermüller mit seiner Frau und Produzentin Silvia.

Regisseur Weihermüller mit seiner Frau und Produzentin Silvia.

Foto >Wechselzeiten

Worum geht es denn, wenn Sie sagen, die Menschen stünden im Mittelpunkt?
Aus meiner Sicht als Filmemacher geht es um Entwicklung. Die vier Protagonistinnen in dem Film durchlaufen durch die Herausforderung Triathlon eine unglaubliche Verwandlung und sie lassen das Publikum ungefiltert daran teilhaben. Triathlon ist von außen betrachtet ja bereits eine Metamorphose und auch innerlich macht ein Triathlet früher oder später eine Wandlung durch. In „Wechselzeiten“ geht es in erster Linie um die Geschichte dieser inneren Reise.

Und die können auch Menschen aus diesem Film mitnehmen, die sich kein bisschen für Triathlon interessieren?
Ich glaube, jeder Zuschauer sieht "Wechselzeiten“ mit etwas anderen Augen, identifiziert sich mit einem anderen Charakter und geht mit seinen eigenen Fragen aus dem Film. Vielleicht ist es die Frage, warum tue ich das, was ich gerade tue. Oder besser gesagt, warum tue ich eine Sache vielleicht nicht, die ich mir schon ganz lange vorgenommen habe? Der Film stellt diese Fragen - beantworten muss der Zuschauer sie sich am Ende aber selbst. Ob jemand danach mit Triathlon anfängt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Meine Erfahrung ist, dass es für vieles im Leben eine bestimmte Zeit gibt. Beruf, Familie, Freunde, Kinder und so weiter. Manchmal zögert man, etwas zu tun, hat Angst oder sucht nach Ausreden. Vielleicht schafft es der Film, dem Zuschauer den Impuls zu geben, dass JETZT immer die beste Zeit ist etwas zu tun. Vielleicht ist jetzt die Wechselzeit.

Sie sagen, Sie und Ihre Frau haben durch den Triathlon selbst diese Entwicklung genommen in Ihrem Leben. Ist Triathlon deshalb die schönste Sportart der Welt?
Ich persönlich finde Triathlon sehr archaisch. Es ist ein Kampf mit den Elementen Wasser, Wind und Erde. Erst stürzt man sich in die Fluten, dann jagt man wie auf einem Pferd durch die Landschaft und im Ziel teilt man die Beute mit Freunden und Familie. Für mich ist Triathlon deshalb nicht nur eine Sportart. Triathlon hat die Kraft, Dinge zu verändern - äußerlich und innerlich.

Wechselzeiten_Premiere | Die Filmpremiere lief im Hamburger Abaton-Kino.

Die Filmpremiere lief im Hamburger Abaton-Kino.

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