„Ich will dem Team nicht auf der Tasche liegen“

Das Team Sport for Good hat ein Mitglied weniger: Georg Potrebitsch, der Deutsche Meister von 2011, hat sein Karriereende bekannt gegeben. Wir haben mit dem 31-Jährigen über diese Entscheidung gesprochen.

Von > | 12. August 2015 | Aus: SZENE

Georg Potrebitsch | Georg Potrebitsch vom Team Sport for Good im Trainingslager auf Mallorca (Viva Blue in Playa de Muro)

Georg Potrebitsch vom Team Sport for Good im Trainingslager auf Mallorca (Viva Blue in Playa de Muro)

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Georg Potrebitsch im Frühjahr sind Sie noch sehr motiviert mit dem neuen Team in die Saison gestartet. Warum haben Sie sich jetzt für das Ende Ihrer Profikarriere entschieden?

Das stimmt, Anfang des Jahres fühlte ich mich sehr gut, physisch und psychisch. Ich hatte mir neue sportliche Ziele gesetzt, doch dann ab April eine starke Pollenallergie. Dadurch konnte ich überhaupt nicht trainieren, und meine Ärzte empfahlen mir eine längere Pause.

Was ist dann passiert?

Na ja, ohne Training gibt es auch keine guten Ergebnisse. Ich wollte dem Team nicht länger auf der Tasche liegen, deshalb habe ich meinen Platz abgegeben. Das ist schließlich auch eine großartige Chance für einen neuen Triathleten – in Deutschland gibt es so viele junge Athleten mit großer Perspektive!

Georg Potrebitsch | In die Zukunft sehen? Kann auch Spaßvogel Georg Potrebitsch nicht. Aber das mit dem Karriereende meint er durchaus mal ernst.

In die Zukunft sehen? Kann auch Spaßvogel Georg Potrebitsch nicht. Aber das mit dem Karriereende meint er durchaus mal ernst.

Foto >Willem Konrad / spomedis

In der Pressemitteilung des Teams Sport for Good war von einer „veränderten familiären Situation“ die Rede. Was hat es damit auf sich?

Im Februar habe ich geheiratet und meine Frau kam zu mir nach Gladbeck. Wenn man eine Familie gründet, muss man auch mehr Verantwortung übernehmen. Als Profitriathlet aber verbringt man einen großen Teil seiner Zeit in Trainingslagern und auf Reisen zu Rennen, statt mit der Familie. Das ist für mich keine optimale Perspektive, denn meine Familie steht an erster Stelle.

Stichwort Verantwortung: Wie geht es denn jetzt beruflich weiter?

Seit Jahren werde ich immer wieder von Athleten angesprochen, ob ich ihnen trainingstechnisch weiterhelfen könnte. Das habe ich immer gern gemacht. Und so entstand eine neue Idee, ein neues Projekt: die Trainingsplattform „Kann-Sport“.

Werden Sie weiter Triathlet sein?

Man weiß nicht, was die Zukunft bringt. Aber ja, erst mal geht das Training mit Spaß weiter.

Wenn Sie mal zurückblicken auf die vergangenen 15 Jahre: Was war der emotionalste Moment Ihrer Triathlonkarriere?

Jedem Triathleten bleibt oft das allererste Finish oder die allererste Langdistanz im Kopf hängen. Auch mir: die Schmerzen, die Glücksgefühle im Rennen, die Zuschauer und Fans, die einen nach vorn pushen, dann das Überqueren der Ziellinie. Von diesen Momenten lebt der Sport. Und die werde ich auch am meisten vermissen.