Präsidentin setzt Kassenprüfer vor die Tür

Neuer Ärger in der DTU: Per Hausverbot setzte DTU-Präsidentin Claudia Wisser kürzlich ihren Kassenprüfer Carsten Bieler vor die Tür. Am kommenden Samstag will sie ihn endgültig loswerden – doch dafür braucht sie die Hilfe der Landesverbände.

Von > | 4. November 2009 | Aus: SZENE

Claudia Wisser | Claudia Wisser

Claudia Wisser

Foto >Jan Sägert / spomedis

Die Prüfung der Kasse eines Verbands ist per se ein heikles Thema. Bei der Deutschen Triathlon Union gilt das in besonderem Maße, schon mehrfach hatten Kassenprüfungen in der Historie der DTU Steine ins Rollen gebracht, die anschließend nicht mehr aufzuhalten waren - und bis zum Sturz eines Präsidenten führten. Zudem muss der von Sponsoren nicht gerade intensiv umworbene Verband derzeit mit einem besonders knappen Etat auskommen; dessen bestimmungsgemäße Verwendung ist längst auch zur Überlebensfrage geworden.

So mag es nicht erstaunen, dass die DTU-Präsidentin Claudia Wisser am 2. Oktober selbst in Frankfurt weilte, um das Geschehen zu beobachten. Erstaunlich war, was sich wenig später in der Geschäftstelle im „Haus des Sports“ abspielte; fast fühlt man sich erinnert an die Vorgänge vor knapp einem Jahr, als Wisser kurz nach ihrer Wahl in einer beispiellosen Blitzaktion den langjährigen DTU-Geschäftsführer Jörg Barion hinauswarf. Eigenhändig und – wie sie damals gegenüber tri-mag.de betonte – getrieben von der Sorge, ihr Büroleiter könne noch im Hinausgehen Eigentum oder Schriftstücke aus dem Verbandsbesitz entwenden und damit Vorgänge aus der Vergangenheit zu verschleiern versuchen. Oder aufzudecken?

Noch bevor jedenfalls Kassenprüfer Carsten Bieler Zugang zu den Unterlagen und Dateien in der Geschäftsstelle erhielt, wurde er von Wisser, die diesmal gemeinsam mit ihrem Vizepräsidenten Ralf Eckert und ihren beiden großen Hunden in die Geschäftsstelle gekommen war, wieder vor die Tür gesetzt. Damit machte die Präsidentin ihre Drohung wahr, die sie vier Tage zuvor per E-Mail ans Präsidium bereits formuliert hatte. Nicht der schleswig-holsteinische Verbandspräsident Bieler, vor Jahresfrist bei der Präsidentenwahl übrigens ihr einziger Widersacher, sondern Hubert Gilgenrainer, derzeit Schatzmeister in Nordrhein-Westfalen, werde gemeinsam mit Steingans die Kassenprüfung vornehmen. Bieler habe „Hausverbot“, schrieb Wisser.

Vom Problemfall zum Sündenfall

Bieler jedoch hatte das Mandat der Landesverbände ernster genommen als die Drohung aus der Verbandsspitze. Immerhin ist ja die Feststellung einer ordnungsgemäßen Verbuchung aller aus- und eingehenden Zahlungen Voraussetzung für die Entlastung des Präsidiums. Und die ist bei dem an diesem Samstag in Darmstadt stattfindenden DTU-Verbandsrat ein wichtiger Tagesordnungspunkt. Dabei ist es im deutschen Vereinsrecht aus gutem Grund nicht vorgesehen, dass ein Präsidium selbst entscheidet, wer seine Arbeit überprüft. Die Rechtsanwältin Claudia Wisser musste also gravierende Gründe dafür vorbringen, Bielers Berufung durch ein übergeordnetes demokratisches Kontrollorgan, den Verbandsrat, außer Kraft zu setzen. Bieler, behauptet Wisser in ihrer Mail ans Präsidium, sei als Kassenprüfer "befangen" und daher abzulösen. Sie bezieht sich dabei auf Bielers Rolle als Beirat der Triathlon Event GmbH, einem im Jahr 2004 vom damaligen DTU-Präsidenten Dr. Klaus Müller-Ott ins Leben gerufenen Projekt, das einmal Sportgeschichte schreiben sollte – und stattdessen nichts als rote Zahlen produzierte.

Merkwürdige Konstruktion

Schon kurz nach ihrer Gründung gerät die Triathlon Event GmbH, intern auch "TEG" genannt, zum ersten Mal in Schieflage: Nach der gescheiterten Olympiabewerbung Leipzigs, in deren Zuge die TEG als Veranstalter des Leipziger Triathlons auftritt, kommt es zum Rechtsstreit mit den örtlichen Ausrichtern, der sich bis ins Jahr 2006 ziehen und in einem kostspieligen Vergleich enden soll.

Alarmiert beschließen die Delegierten der Landesverbände auf ihrer Verbandsratssitzung im November 2005, einen Beirat zu installieren, in den sie neben dem DTU-Präsidenten auch den damaligen Präsidenten des Rheinland-Pfälzischen Triathlonverbands, Rainer Düro, und Carsten Bieler berufen. Gleichzeitig übertragen sie der Gesellschaft den nächsten Auftrag: Die TEG soll ab 2006 sämtliche Werbe- und Vermarktungsrechte der 1. Triathlon-Bundesliga übernehmen. Sie kommt so in den Genuss rund eines Drittels der jährlichen Zuwendungen von DTU-"Premiumpartner" Asics, dem Titelsponsor der Liga. Auf 50.000 Euro pro Jahr belaufen sich die Zahlungen des Neusser Unternehmens an die Triathlon Event GmbH, und sie fließen fast ausschließlich in Müller-Otts nächstes Prestigeprojekt: den Kieler Fördetriathlon.

Ein finanzielles Fiasko

Imposant, was man dort im Sommer 2006 auf die Beine stellt. Sportlich gesehen. Denn finanziell gerät die Veranstaltung zum Fiasko: Statt der großspurig angekündigten 10.000 Euro Gewinn-Gutschrift auf das Konto der DTU müssen die Delegierten des Verbandstags im Herbst einen Verlust von fast 60.000 Euro schlucken. Zusammen mit der Erkenntnis, dass die an die GmbH fließenden Zuwendungen der Firma Asics auch im kommenden Jahr lediglich Löcher stopfen, nicht aber die Liga nach vorn bringen werden.

Als sich die Katastrophe in Kiel abzeichnete, habe man nicht mehr viel machen können, sagt Bieler heute. "Da waren die Verträge längst unterschrieben, das Kind war schon in den Brunnen gefallen. Wir konnten nur noch versuchen, es 2007 besser zu machen." Die Vorgabe: Keine Zahlung mehr ohne Unterschrift der Geschäftsführer, und ein deutlich abgespecktes Event. Das Ergebnis: ein immer noch vorzeigbares Rennen und rund 4.000 Euro Gewinn – immerhin.

Zu einem dritten Anlauf soll es allerdings nicht mehr kommen: Unter dem Eindruck der immer noch offenen Altlasten und angesichts der finanziellen Risiken, die eine weitere Veranstaltung birgt, entschließt sich der neue DTU-Präsident Rainer Düro, der Müller-Ott nach dessen Abwahl automatisch auch als Beiratsvorsitzender der Triathlon Event GmbH beerbte, am 6. Mai 2008 zur Absage des Kieler Triathlons. Zwei Tage später kündigt Asics die Verträge – und reißt damit ein weiteres Loch in den Haushalt der kränkelnden Firma.

Riskante Auslegung des Vereinsrechts

Für Wisser ist die Lage damit klar: "Die DTU wirft Carsten Bieler vor, in seiner Eigenschaft als kontrollierendes Beiratsmitglied versagt zu haben, insbesondere die seit 2006 bestehende Überschuldung der Triathlon Event GmbH nicht erkannt zu haben, wodurch es zu einem Vermögensschaden der DTU gekommen ist", schreibt sie in der tri-mag.de vorliegenden Begründung ihres Antrags, mit dem sie Bieler am Samstag auf einem dem Verbandsrat vorausgehenden Außerordentlichen Verbandstag als Kassenprüfer loswerden will. Den Schaden beziffert Wisser auf 75.000 Euro, jene Summe also, die die Firma Asics nach 2006 noch an die GmbH überwies und die "dort zur Begleichung von Altschulden verwendet wurden", so Wisser. "Dieser Betrag steht damit als Schadensersatzanspruch gegenüber Carsten Bieler zur Disposition, was die Befangenheit von Carsten Bieler als Prüfer offensichtlich werden lässt."

Eine riskante Auslegung des Vereinsrechts, denn bisher beruht sie wohl allein auf dem Empfinden der Präsidentin. Dass Wisser aber mit dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung durchkommt, ist alles andere als sicher: Die Akte wird derzeit bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt geprüft, zu Recht weist Bieler darauf hin, dass gegen seine Person bisher "weder Klage erhoben noch irgendein stichhaltiger Beweis vorgelegt" wurde.

Die Präsidentin sei in die Defensive geraten und schlage seitdem mit Unwahrheiten und Klageandrohungen nur so um sich, meint ein enger Beobachter des Geschehens. Derweil steht ein weiterer Rechtsstreit kurz vor der Entscheidung: In wenigen Wochen wird das Arbeitsgericht in Frankfurt wohl endgültig über die Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung von DTU-Geschäftsführer Jörg Barion entscheiden. In erster Instanz entschied die Kammer in allen maßgeblichen Punkten gegen die DTU. Sollte diese auch in zweiter Instanz verlieren, kämen auf den Verband Kosten in gut sechsstelliger Höhe zu. Von der verheerenden Außenwirkung will da schon gar keiner mehr sprechen.