Sechs Rennen der ITU-WM-Serie unter Ironman-Regie

Einst waren sie Erzfeinde, jetzt machen sie gemeinsame Sache: Ironman hat nun offiziell die Ausdauersparte von Lagardère Sports übernommen. Damit richtet der Veranstaltungskonzern zukünftig nicht nur sechs der neun Rennen der World Triathlon Series der ITU aus, sondern auch Marathons und Radrennen. Kommt nun der Ironman Hamburg?

Von > | 4. April 2016 | Aus: SZENE

HamburgTriathlon2015 Kurzdistanz - 06 | ITU World Triathlon Hambur 2015

ITU World Triathlon Hambur 2015

Foto >Jan Sägert / spomedis

Nach der kartellrechtlichen Zustimmung ist Lagardère Sports seit Ende der letzten Woche offiziell ein Teil von IRONMAN, einem Unternehmen der chinesischen Wanda Sports Holding. Wanda hatte die World Triathlon Corporation, die die Ironman-Rennen ausrichtet, im vergangenen Jahr für 650 Millionen US-Dollar vom amerikanischen Finanzinvestor Providence übernommen. Der Veranstaltungsgigant wird 2016 insgesamt mehr als 125 Rennen über die volle Langdistanz (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen) und die mit 112 Kilometern oder 70,3 Meilen halb so lange Ironman-70.3-Strecke austragen - in 42 Ländern auf allen Kontinenten.

Sechs ITU-WM-Rennen unter Ironman-Regie

Nach dem in Europa mehr oder weniger gescheiterten Versuch, das Format "Ironman 5150" (was für die 51,5 km einer olympischen Distanz steht) als Breitensport-Pendant zum "echten" Ironman zu etablieren, ist Ironman nun ein besonderer Coup gelungen. Denn mit der Übernahme von Lagardère Sports zeichnet Ironman nun auch für die Rennen der World Triathlon Series in Hamburg (Deutschland), Leeds (Großbritannien), Abu Dhabi (Vereinige Arabische Emirate), Stockholm (Schweden), Kapstadt (Südafrika) und Gold Coast (Australien) verantwortlich. Eine Kooperation, die lange undenkbar war, denn die privatwirtschaftline World Triathlon Corporation (WTC) und der Weltverband International Triathlon Union (ITU) blicken auf jahrzehntelange Auseinandersetzungen zurück um die Legitimation, Weltmeistertitel vergeben zu dürfen, das Regelwerk durchzusetzen und Anti-Doping-Standards zu etablieren.

In den letzten Jahren war es zu einer sichtbaren Annäherung von Konzern und Verband gekommen. Beim Kienle-Sieg auf Hawaii 2014 war ITU-Präsidentin Marisol Casado, die auch einen Sitz im Internationalen Olympischen Komittee (IOC) innehat, eine der ersten Gratulantinnen. Die WTC hatte zuvor weitgehend die ITU-Standards für Regelwerk und Anti-Doping-Kampf anerkannt und implementiert. Die Übernahme besiegelt nun die endgültige Zusammenarbeit von WTC und ITU.

Kommt der Ironman Hamburg?

Mit der Übernahme gehen neben den sechs Weltklasse-Kurzdistanzen im Triathlon weitere Events ins Portfolio von Ironman über, zum Beispiel die Velothon Major Series, die Cyclassics in Hamburg, die Discovery Duathlons in Kapstadt und Sandton, der Hawkes Bay International Marathon, der Queenstown Marathon und einige Mountainbike-Rennen. Ob auch der Wunsch vieler norddeutscher Triathleten, einen Ironman über die volle Distanz vor der Haustür bestreiten zu könne, in Erfüllung gehen könnte, werden die nächsten Monate zeigen. Dass die nun unter dem Ironman-Dach agierenden Hamburger Veranstalter ein solches Event ausrichten können, haben sie mit dem Hamburg-Triathlon, den Cyclassics und auch dem Hamburg-Marathon seit vielen Jahren unter Beweis gestellt. Mit jährlich 10.000 Teilnehmern hat der ITU World Triathlon in der Hansestadt ein Teilnehmerpotenzial auch für längere Distanzen geschaffen. Allerdings hat sich die Stimmung in der Stadt nicht zuletzt durch die mit knapper Mehrheit abgelehnte Olympia-Bewerbung im Referendum vom 29. November 2015 nicht besonders sportfreundlich entwickelt - viele Sportveranstalter und Vereine berichteten in den letzten Wochen über spürbaren Gegenwind, auch etablierte Events weiter ausrichten zu können.